Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 19 (6.5.1862)
- Date
- 1862-05-06
- Page
- Seite 242 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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gesicherter Einnahmen derjenigen Stiftungen, die (wie z. B. die Hartdig'sche) zwar unter Oberleitung der Gemeinde stehen, aber ihre Gelder separat verwalten. Diese gesammten jährlichen Crt. Mk. 49,000, ohne nennenswerthe Ausnahmen, kommen in verschiedener Gestalt den Armen, den Kranken, den Waisen und den Anstalten unserer Gemeinde zu Gute, ohne daß dadurch unserer Armenkasse eine direete Erleichterung erwachsen dürste, da die Intention der Stifter nur war, den Hülfsbedürftigen etwas zu leisten, was ihnen die regelmäßige Armenpflege nicht giebt. Dasselbe Princip wird bekanntlich bei uns mit den gelegentlichen Spenden befolgt, deren Ertrag, ihrer Natur nach höchst wandelbar, 1848 Crt. Mk. 999. 6 Sch.; 1853 aber Crt. Mk. 4499. 4 Sch. ausmacht, welche dann jedesmal zu Extra-Vertheilungen angewendet wurden. „Die Kosten der C u l t u s - A n st a l t e n stehen jetzt, nachdem Alles in Betreff der Synagogen u. s. w. geordnet ist, einschließlich der jährlichen Subvention von Crt. Mk. 2500 für den neuen Tempel, wieder ungefähr auf gleicher Höhe mit den Jahren vor 1849. Die 1859 eingesührte „neue Synagogen-Ordnung" besteht in voller Wirksamkeit und hat den davon gehegten Erwartungen in Bezug auf den öffentlichen Gottesdienst in den Synagogen der Gemeinde gesprochen. Die Cultus-Vorstands-Casse hat eine bedeutende Special-Einnahme von dem Aufschlag (1 Mk. 8 Sch. von 100 Pfd.) auf das rituell geschlachtete Ochsettfleisch. Zu dieser Abgabe wurden 1849 Pfd. 446,000; 1860 aber 651,037 Pfd. declarirt, welche letztere nach Abzug der Gehalte und Spesen netto Crt. Mk. 4653 brachten. Von dem reinen Ertrage erhält gemäß obergerichtlicher Vergleichsatte die Portugiesische Gemeinde den achten, bis 1858 erhielt sie den vierten Theil. (Schluß folgt.) Buchau, 6. April. Gestern fand hier eine schöne, seltene Feier statt. Der neu ernannte Rabbiner W ei - mann wurde auf Anordnung der K. israel. Kirchenbehörde in Stuttgart durch den diesseitigen K. Bezirksbeamten (Oberamtmann Bockmaier in Riedlingen) in sein Amt installirt. Karlsruhe, 19. April. (Fr. I.) Hausser hat seinen Bericht über die volle bürgerliche Gleichstellung der Juden erstattet. Die einzige bemerkenswerthe Modifikation an dem Regierungsentwurfe besteht darin, daß die Frist von fünf Jahren, welche als Uebergangsstadium für die Zulassung zum Allmendgenuß und zur Armenunterstützung gestellt,wird, auf zehn Jahre erweitert werden solle. Ein großer Theil des trefflich gearbeiteten und mit großen geschichtlichen Zügen zeichnenden Berichtes ist der Widerlegung des zum Theil allerdings fabelhaften Inhaltes der s. g. lithographirten Petitionen gewidmet. Solcher Petitionen sind im Ganzen bei der zweiten Kammer 194 mit über 18,000 Unterschriften eingelausen. Von den größeren Städten des Landes haben sich nur ungefähr 6 den kleineren dieser Bewegung augeschlossen , welche in ihrer „Begründung", wenn dieselbe wahr wäre, nicht etwa zur Nichtgleichstelluug, sondern zur Vertreibung der Juden aus Baden führen müßte. Nach einem Klicke auf die wirklich vorhandenen Gründe der Abneigung, entsprossen aus der Eigenthümlichkeit des jüdischen Volksstammes und feiner Unberührtheit von zahlreichen bürgerlichen , religiösen und sittlichen Entwicklungsmomenten des christlichen Europa, gelangt Häusser zu der Überzeugung, „daß es aus den Gründen des Rechtes und der Billigkeit, wie aus dem Gesichtspunkte christlicher Humanität gestattet und geboten sei, den Grundsatz, auf welchem die Gesetzesvorlage beruht, der Kammer zur Annahme zu empfehlen". München, 25. April. (Privatmitth.) Empfangen Sie hierdurch meine erste Spende zur Errichtung des Lessing-Standbildes in Betrag von Thlr. 3. Bei der bis jetzt nur geringen Theilnahme Seitens unserer Glaubensgenossen an diesem uns so naheliegenden Unternehmen wünsche ich, recht bald zu ferneren Sendungen veranlaßt zu werden. Und in der That, zu einer Zeit, wo ein Tyroler Blatt die längst als pöbelhaft und zugleich als lächerlich anerkannte Beschuldigung von Christenblutverwendung zur Peßachfeier wiederum in Erinnerung zu bringen und dem unwissenden Volke als historisch erwiesen darzustelle'n sich nicht entblödet, wo sogar am „freien deutschen Rhein" Pfaffenthum und Judenhaß durch dieses saubere Mittel die mittelalterliche Beschimpfung und Verfolgung heraufzubeschwören bestrebt ist, und trotzdem —nach dem Ausspruch des ehemaligen Preußischen Cultusministers — doch nur das Judenthum verfolgungssüchtig sein soll, in einer solchen Zeit sollten sich unsere Glaubensgenossen nicht lässig zeigen, so es gilt> den Mann zu verherrlichen,- der zuerst für die Emancipation der Juden