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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-05-06 · Heft 19 (6.5.1862) · p. Seite 239

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 19 (6.5.1862)
Date
1862-05-06
Page
Seite 239 (sequence 3)
Language
German
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239 auf sie, „Segen des Himmels von oben und Segen der Erde von unten! " Und David rief dem schon gekrönten Salomo an sein Lager und segnete ihn und mahnte ihn, zu wandeln in den Wegen Gottes und zu vollführen seine Gebote und Gesetze und Rechte. Da ward es denn Sitte bei unfern. Weisen, wenn ein Lehrer schied von seinen Schülern, oder ein Freund von seinem Gastfreunde, so sprach er einen Segen, meist in kurzen, gedrängten Sprüchen, oder selbst in räthelhaften, deutungsbedürftigen Worten, damit sie sich desto tiefer dem Geiste des Hörers einprägten, wie uns deren viele aufbewahrt worden. So ich nun spreche zu Dir, theure Gemeinde: Laß mich scheiden, sprichst Du: Scheide nicht, bevor Du mich nicht gesegnet; ich aber spreche: ich will nicht scheiden, bevor nicht auch Du mich gesegnet. Zwar kann ich nicht sagen, nhy ■o „denn die Morgenröthe geht auf", vielmehr muß ich sagen a-tfü 82 ^2 „denn der Abend sinkt nieder", und zwar früh, sehr früh, wie an einem nebligen Herbsttage. In den Jahren des Mannes muß ich scheiden vom Berufe des Mannes, in der Zeit der Wirksamkeit wird mir die Bahn verschlossen. Das ist schmerzlich und eine schwere Prüfung. Dennoch liegt auch eine Befriedigung darin. Nicht um eines'andern Amtes willen, nicht wegen größerer Güter und Einkünfte, nicht wegen höheren Ehren und Würden scheide ich von Euch. Und wenn wir nun auf die Jahre zurückblicken, die wir mit einander gewandelt, so kann ich sagen : es waren Jahre des Friedens und der Eintracht. Als ich zu Dir kam, war nur ein geringer Widerspruch vorhanden, der bald beschwichtigt war. Kam im Laufe der Zeiten Verschiedenheit der Meinung zu Tage, nur kurze Zeit drohte die Gefahr der Spaltung, es war Alles bald wieder ausgeglichen. Bin ich nicht an den Wiegen Eurer Säuglinge gestanden, habe Eure Kinder unterrichtet und geweihet. Eure Paare mit dem Segen der Religion verbunden, für Eure Hülfsbedürftigen nach meinen schwachen Kräften gewirkt, und zog mit Euch zu den Gräbern Eurer Theueren? Mit den Glücklichen freute ich mich, und mit den Trauernden trauerte ich; und was ich meines Amtes vollzog, da war mein ganzes Herz und meine ganze Kraft dabei. Ich habe ein Zeugniß dafür, worauf ich stolz sein werde, so-lange ich lebe: achtzehn Jahre stand ich als Seelsorger vor dieser Gemeinde, ohne rechtsgültigen Vertrag mit ihr. Jedep Augenblick konnte sie zu mir sprechen: scheide, und zu jeder Zeit konnte ich ihr bedeuten: ich will scheiden. Und so kann ich sagen: so Viele ihrer hier versammelt sind, Niemand, Niemand ist unter Euch, gegen-den ich irgend einen Groll, irgend eine Abneigung im Herzen trüge! Und so überlasse ich mich dem Glauben, daß auch Niemand, Niemand unter Euch ist, der einen wirklichen Groll, eine. wahre Abneigung gegen mich in seinem Herzen trüge! Und darum ist dies der Segen, den ich von Dir, Gemeinde, fordere, daß Du bei meinem Scheiden sprechest: „Zieh hin in Frieden!" »>2 mbus fcPtt wnbn rd-D „denn der Segen Gottes, daS ist Frieden!" —- Und frägst Du mich nun: womit willst Du mich segnen? Siehe, vom Beginn an verkündete ich Dir, daß der einzige Wahrspruch der Religion Israels sei: pNL ma« N2N8 „Wahrheit, Recht und Liebe!" Wahrheit vnn ^2 n?a« drin 'nbdr „denn der Siegel der Gottheit ist Wahrheit", und göttlich ist darum in uns allein, was wahr ist. n^Nri pah s)*nn pnL pNL „Gerechtigkeit, Gerechtigkeit, folge nach, damit Du lebest", und darum ist nur das allein wahrhaftes und dauerndes Leben, was im Rechte verlebt wird. Und Liebe? Wer verkündete zuerst in der Menschheit die Liebe, als Israels Lehre? „Liebe den Ewigen,-Deinen Gott, von Deinem ganzen Herzen, von Deiner ganzen Seele und von Deinem ganzen Vermögen!" „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst!" „Liebe das Weib, das Du Dir' verbunden!" „Die Liebe ist fest wie der Tod, ihre Flamme Gottesflamme! " — Und so ist dies der Segen, den ich auf Dich lege, Gemeinde Jeschuruns. Lebe in Wahrheit, Recht und Liebe! Darin wurzele, wachse und blühe! Für die Wahrheit der Gptteslehre, die vor vier Jahrtausenden unfern Vätern übergeben worden, begeistere, entzünde, entflamme Dich immer mehr! In Recht und Gerechtigkeit wandle vor Gott und Menschen! Die Liebe sei der Odem Eures Daseins, sie erfülle Eure Häuser von der Schwelle bis zum innersten Herd, wom Grundstein bis zum obersten Dachfirst! Liebet Euch, Gatten und Gattinnen, liebet Euch, Eltern und Kinder, liebet Euch, Brüder und Schwestern, liebet das Vaterland, liebt'die Menschheit, liebet Gott! i-drm 'nba n2*)2 *>2 ,>denn ,der Segen Gottes ist Liebe" Amen! Literarischer Wochenbericht. M a g d e b u r g, 13. April. Angekommen: Zeitschrift der deutschen morgenländischen Gesellschaft, Band 16, Heft 1 und 2. Aus dem Inhalte heben mir hervor: Ueber die Davidischen Psalmen, die die Ueberfchriften in die Zeilen 19*

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