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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-04-29 · Heft 18 (29.4.1862) · p. Seite 233

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 18 (29.4.1862)
Date
1862-04-29
Page
Seite 233 (sequence 13)
Language
German
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Anhängerin nem Die gedachte Demonstration fand während der Predigt des Erzbischofs statt. (So wenig wir solches Verfahren im Gotteshause billigen können, so ist uns das Factum doch darum von Wichtigkeit, weil es erweist, daß die Versöhnung der verschiedenen Religion sparteien in der Bevölkerung eine aufrichtige und dauernde ist, und daß man Gehässigkeit und Vorurtheil, welche die Spaltung im Volke verewigen wollen, zurückgewiesen, von welcher Seite sie auch komme. Die Redact. d. A. Z. d. J.1 * Schaulen, Ende März. (Privatmitth.) Der Obrist des hier stationirten Uhlanenregiments, Herr Uh lau, steuerte zu Osternmahl für jüdische Arme unsrer Stadt zwanzig SR. bei. Der Prior der hiesigen katholischen Kirche, Herr Stärkte Witz, gab 3 Rubel. Die Gutsbesitzerin von Paschauscha, Frau Elwira Witkiewitz, schickte Weizen, Roggen, Gerste, Kartoffeln und Geflügel in großer Menge, unter jüdische Arme zu vertheilen, nebst einem rührenden Schreiben an den Rabbinen, worin sie die edelsten Gefühle betreffs unsrer Glaubensgenossen äußert und die bedachten Armen auffordert, sie und die ihrigen in ihr Gebet einzuschließen. Es ist übrigens nicht das erste Mal, daß diese edle Frau dergleichen humane Gesinnungen an den Tag legt. Ebenso geht auch der reiche Gutsherr Ka rp damit um, für die jüdische Gemeinde ein Armenhaus auf seine Kosten bauen zu lassen. Möge die schöne That das edle Vorhaben krönen. Sind gedachte Thalsachen schon an und für sich erfreulich und ihren Urhebern zur Ehre gereichend, so sind sie für uns um so wichtiger, da sie die umgestimmte Gesinnungsart unsrer Landsleute hinsichtlich ihrer jüdischen Nebenmenschen vortheilhaft bezeichnen. Hauptsächlich ist diese Erscheinung wohlthuend, wenn man daran denkt, daß vor einem Jahre gerade um diese Zeit wir unsre Feder in Thränen tauchen mußten, um klagend über den traurigen Vorfall von Schawlan zu berichten. Mögen unsre Glaubensgenossen auch ihrerseits vernünftige Schritte zur Annäherung thun und nicht kalt und theilnahmlos von der Ferne stehen, wo man ihnen die Hand zum Freundschaftsbund entgegen streckt. Petersburg, 13. April. Zur Behandlung einiger geistlichen Fragen der Israeliten wurde bei dem Minister des'Innern eine Rabbinercommission im vorigen Jahre niedergesetzt. Nachdem die vorgelegten Fragen von derselben erledigt, hat die Commission ihre Sitzungen eingestellt. Zur Berathung waren der Commission vorgelegt: Organisation einer Centralverwaltung der geistlichen Angelegenheiten, die auch auf Sibirien ausgedehnt tverden soll und die Bedeutung wie Beziehungen der geistlichen, bei den Israeliten bestehenden Gerichte (Beth-Din) zur geistlichen und bürgerlichen Verwaltung fest zu stellen hätte; Organisation des Unterrichts der Israeliten in öffentlichen und Privatschulen als Vorbereitung zu den allgemeinen Unterrichtsanstalten des Kaiserreichs; Erläuterung des Ursprungs und der Bedeutung einiger besonderer von den Israeliten befolgten Ceremonicn; Prüfung einiger Privatvorschläge betreffs des Gottesdienstes und der Shnagogenverwaltung; Prüfung der Umstände, denen man einen nachtheiligen Einfluß auf den israelitischen Ackerbauzustand zuschreibt (lange dauernde Feiertage während der Arbeitszeit, frühzeitige Ehen und häufige Ehescheidungen); Censurorganisation und endlich Feststellung der Eidformel. (Wir geben diese Notiz der Vollständigkeit wegen; Einzelnes brachten bereits unsere Correspondenzen. Die Redaction.) Italien. Aus Oberitalien, 13. April. (Privatmitth.) Dem widerlichen Hin- und Herzerren an dem Wortlaute der Verfassung, welcher in einem achtunggebietenden Staate von Seiten mancher Minister stattfindet, gegenüber, ist es wohlthuend, wahrzunehmen, wie bei uns ungeachtet aller bis nun.geschehenen Ministerwechsel das Princip der Gleichberechtigung stets unerschütterlich aufrecht erhalten wird. Dies ist neben vielen andern aus einem Circularschreiben des Ministeriums für Agricultur, Industrie und Handel in Turin deutlich zu ersehen, welches dasselbe unter dem 7. l. M. an sämmtliche israelitische Gemeinden des Königreichs Italien gerichtet, und bei uns am verflossenen Sabbath im Gotteshause. veröffentlicht wurde. Der Minister erklärt darin aus freien Stücken, ohne Anregung von Außen, in dem im Jahre 1851 von der Königlichen Regierung mit der Schweiz abgeschlossenen Handelstractat habe jene wegen nicht zu beseitigender Umstände in gewissen Punkten in-Bezug auf die Unterthanen des Königs, welche der israelitischen Confession angehörten^ gewisse Beschränkungen zuerkennen müssen, inwiefern auch die Schweizer Israeli-

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