Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 18 (29.4.1862)
- Date
- 1862-04-29
- Page
- Seite 232 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3226310-3226329--20293-3249351- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 1× ep/1000834
OCR text
Herr Marcus Bernstein hat nun mit den Urkunden, d. 6. Odessa den 3./15. März 1843 und 6.- 6. Lemberg 1. Juni 1847, schon bei Lebzeiten als ersten Fond der Anstalt zur Bildung und Unterstützung israelitischer Handwerker das mit seiner Zustimmung auf der Realität in Lemberg Nr. 5573/4 Hptb. 59, S: 99> n. 52 on. hhpothecirte Capital 7000 Fl. Conv.-Münze gewidmet, und mit seinen letztwilligen Verfügungen vom 25. Juni 1848, 25. Jänner 1849 und 10. März 1849 seinen Nachlaß, welchen er auf 18,000 Fl. Conv.-M. und nach Abfertigung verschiedener zu Gunsten seiner Anverwandten und Freunde mit 4785 Fl. Conv.-M. gemachten Vermächtnisse auf 13,125 Fl. Conv.-Münze im Absätze VI. seines Testamentes schätzte, das ist den nach Befriedigung der Legate verbleibenden Betrag 13,125 Fl. Conv.-Münzeder als Erbin eingesetzten Stiftung zum Unterrichte israelitischer Handwerkslehrlinge mit dem Beisatze verschrieben, daß, falls es den Bemühungen der von ihm ernannten Testaments - Execütoren gelingen würde, aus der Realisirung seines zum größten Theile in Activforderüngen bestehenden Nachlasses einen größeren Betrag als 18,000 Fl. Conv.-Münze hereinzubringen, der zu erzielende Ueberschuß der Stiftung zur Gründung einer Baumwoll-Spinnerei zugeführt werde. Die angestrengte und glückliche Realisirung dieser Hinterlassenschaft hat bereits einen Stiftungsfonds von mehr als 50,000 Fl. erwirkt, so daß nun die drei ge-> nannten Anstalten bald ins Leben treten werden. Lemberg, Ende März. (Privatmitth.) Die hiesige Gemeinde ist jetzt ganz in derselben Weise agitirt, wie anderswo große Staaten. Nachdem ihr nämlich seit 20 Jahren zum ersten Male wieder das Wahlrecht für den Gemeindevorstand gewährt worden, und zwar ohne an einen Census gebunden zu sein, so befürchtet man, daß sehr unlautere Elemente an die Oberfläche dringen und unwissende Vorsteher oder heuchlerische Frömmler an Stelle der. bisherigen Gebildeten gewählt würden. Daß hiervon der Bestand vieler Gemeindeinstitutionen, wie der deutschen Schulen, des Waisenhauses, der Kinderbewahranstalt, die man zwar nicht aufheben, aber vernachlässigen würde, bis sie zu Grunde gegangen, abhinge, ist einsichtlich. Wahlversammlungen, Reden, gedruckte Ansprachen und Aufrufe waren daher seit einiger Zeit an der Tagesordnung. Die Sache ist selbstverständlich nicht blos für die.hiesige Stadt, sondern für ganz Galizien von höchster Wichtigkeit. Wehe uns/ wenn die Unwissenheit und die Frömmelei hier die Oberhand gewönnen und der Chassidismus alle Anstalten und Einrichtungen verschlänge! Daß dann auch die politische Zurücksetzung nicht lange wieder auf sich warten lassen würde, sieht Jeder leicht ein. Hoffen wir daher, daß das Wahlergebniß ein günstiges sein werde! Prag, im April. (Privatmitth.) Der „Jahresbericht des Carlsbader Israelitischen Armenhospitals", dessen Direktion hier ihren Sitz hat, für das Jahr 1861 ist erschienen. Die Anzahl der Betten in diesem Hospital ist 20, das geöffnet ist vom 15. Mai bis 16. September. In dieser Zeit wurden 75 Personen ausgenommen und durchschnittlich 30 Tage verpflegt. Diese Verpflegung kostete 1430 Fl. Seit Gründung des Spitals im Jahre 1847 wurden bisher 819 Kranke behandelt. Beiträge liefen im verflossenen Jahre von Privaten 1777 Fl., von Gemeinden 260 Fl. und durch andere Spenden 149 Fl. ein. Die Gesammtausgaben beliefen sich auf 2210 Fl., die Gesammteinnahmen auf 5058 Fl., der Vermögensbestand in diesem Augenblicke ca. 16,600 Fl. Daß eine so wohlthätig wirkende und auf kein Nationale sich beschränkende. Anstalt der nachdrücklichsten Unterstützung würdig ist, und daß namentlich die Gemeinden als solche ihr Spenden zuwenden Müßten, wie es einige wenige bis jetzt thun, brauchen wir kaum auszusprechen. Dank aber besonders den Männern, welche sich die Erhaltung, Förderung und Verwaltung des Spitals so eifrig angelegen sein lassen! Rußland. Warschau, den 12. April. (N.-Z.) Seit dem Beginne des Kriegszustandes hattenwir vorgestern wieder zum ersten Male eine Demonstration, die leider der Citadelle wieder eine Anzahl Bewohner zugeführt hat. Unser neuer Erzbischofs ist einmal keine persona grata in Warschau und kann sich trotz aller Bemühung keine Popularität erwerben. Doch ging bis jetzt Alles noch leidlich, und wenn er sich auch nicht das Vertrauen der ihm anvertrauten Heerde verschaffen konnte, so wurde er doch mindestens nicht direct angegriffen. Seitdem er aber mit dem Erlasse gegen das Dienen von Christen bei Juden und mit der Ermahnung wegen Ablegung der Trauer aufgetreten'Ist, verlor er selbst die kleine Schaar seiner Anhänger und