Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 18 (29.4.1862)
- Date
- 1862-04-29
- Page
- Seite 228 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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in Hand gehen müssen, und da in diesem in den ersten Jahren nur Das übersetzt, verständlich gemacht und auswendig gelernt wird, was in jenem zur Anwendung kommen soll. Wird der Gesangunterricht in dieser Weise betrieben, so wird gewiß die Klage über Sängermangel, die man häufig von Chorleitern hört, verschwinden. Mag auch dieser oder jener gute Sänger aus dem Chore scheiden, es ist ja der durch die Schule dargebotene Zuwachs da, und der Chorleiter hat nur auszuwählen. Der Letztere wird also unter guten Sängern die Auswahl haben; es wäre nur wünschenswerth, er wie der Gesanglehrer hätten auch unter guten Synagogengesängen auszuwählen. Leider ist da die Auswahl nicht groß, wenig Gutes ist bisher zu Tage gefördert, das Schlechte ist überwiegend. Wie findet man doch so häufig, bemerkte vor Kurzem mit feinem und sicherem Takte ein geschätzter Mitarbeiter, der Herr Louis Wehl, in diesen Blättern, wie findet man doch so häufig, „daß auf den Zusammenhang bei Synagogencompositionen, resp. nidtzN wi-iL oder *>^3 auch nicht die geringste Rücksicht genommen wird. Das sind Dinge, denen auf die schnödeste Weise Hohn gesprochen wird, und nichts ist häufiger, als daß das Ohr des Beters sich beleidigt fühlt ob Dem, was zu hören es gezwungen ist." Was nützt es bei den soeben gerügten Uebelständen dem Sprach- und Gesanglehrer, auf rechten Wort- und Satzion zu halten, wenn in den auszuführenden Gesängen auf jeder Zeile dagegen verstoßen, das Wort falsch /'"betont, der Satz auseinandergerissen wird!? Wäre dem Mangel an guten Synagogengesängen so schnell abzuhelfen, wie dem Mangel an guten Sängern, so würde das goldene Zeitalter für die Chorleiter hereinbrechen, denn nicht Jeder hat die schöpferische Kraft eines Lewandowski, Stern, Deutsch; Jeder möchte aber gern von Zeit zu Zeit etwas Neues aufführen, das Schlechte zur Aufführung zu bringen, widerstrebt dem Gefühl, und unter dem Guten ist die Auswahl nicht groß. O Zeit der guten Synagogenmusik, mögest du in unfern Tagen bei uns einkehren!*) Emil Breslaur, Chorleiter, Religions - u. Sprachlehrer. *) 30. März. Soeben kommt mir die No. 13 der Allg. Ztg. d. Judenth. und mit ihr der Bericht aus Ungarn vom^. März zu Gesicht. Derselbe ist mir aus der Seele gesprochen, denn nicht allein in Ungarn, sondern Zeitungsnachrichten. Deutschland. Hamburg, 18. April. (Privatmitth.) Die Agitation in hiesiger Gemeinde ruht einstweilen, da der Vorstand noch nicht geantwortet hat, weil noch erst einige einschlägige Gesetze in unserer Bürgerschaft verhandelt werden müssen. — Hier predigen jetzt drei Jesuitenpatres und die ganze Stadt läuft hin, um sie einmal zu hören. Es sollen, wie ich höre, da in ganz freier Rede, ohne Text, noch Gebet, die allerordinärsten Sünden beplaudert und den Beichtenden volle Amnestie zugesagt werden. Preußen. Berlin, 9. April. Die „B.- u. H.-Z." hört, daß der Justizminister Graf zur Lippe hinsichtlich der Anstellung jüdischer Assessoren die Grundsätze seines Vorgängers überall theilt. Derselbe hat in diesen Tagen die Ernennung des dem jüdischen Religionsbekenntniß angehörenden Gerichts-Assessors Goldstandt zum Rechtsanwalt in Oschersleben vollzogen. (Derartige Ernennungen sind auch von Hrn. Simons unter dem Ministerium Manteusfel vollzogen worden.) Breslau, im April. (Privatmitth.) Das hiesige jüdische Seminar hat in diesen Tagen zum ersten Male dreien seiner Schüler, den Herren Perles, Rahmer und Güdemann die Rabbinerwürde verliehen. Es geschah dies in einer besonders angestellten Feier, zu welcher die Spitzen der Behörden geladen waren. Erfurt, 31. März. (Th. Ztg.) Nachdem der Oberlehrer an der hiesigen Realschule, Herr Professor vr. Unger, im September des Jahres 1860 bereits unter großer Theilnahme der hiesigen Behörden und zahlreicher hiesiger und auswärtiger Freunde sein 50jähriges auch bei uns herrscht leider eine solche Cantoren-Berderbniß, wie sie in dem Bericht dargestellt wird, natürlich mit ehrenden Ausnahmen. Ich hoffe, in Kurzem auf diesen Gegenstand zurückzukommen. Der geehrte Herr Berichterstatter würde mich sehr verbinden, wenn er mir das in seinem Bericht angeführte Werk von M. I. Landau auf kurze Zeit überlassen wollte. Emil Breslaur.