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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-04-29 · Heft 18 (29.4.1862) · p. Seite 226

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 18 (29.4.1862)
Date
1862-04-29
Page
Seite 226 (sequence 6)
Language
German
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„ein Neligionsedict die Iudeneiubürgerung zu begleiten, „um den Christen die Garantie zu bieten, daß die geschichtlich erwiesene Praxis die jüdischen Ostern' „mit Chrifienkinderblut zu feiern, nicht in Anwendung „komme- oder daß die Lehre des Talmudwie sie sich in „einigen Katechismen offenbarte, nicht als Religions- Praxis Geltung' erlangenach welcher Lehre Gott die „Juden Lei ihrem Auszuge aus Egypten für immer „berechtiget haben'solle, von den Heiden (alle Nichtjuden) „Geld, Edelsteine und allerlei Prätiofen zu leihen, zu „nehmen, und dann mit ihrem Eigenthume fortzuziehen." Da sich nun jeder Israelit in feiner Person und in seinen Altvordern auf's Empfindlichste gekränkt fühlen muß, so hat der gesammte Bürgerausschuß der hiesigen politischen Israelitengemeinde, als der einzigen des Kronlandes Tyrol und Vorarlberg bei der k. k. Staatsanwaltschaft in Innsbruck Klage eingereicht, daß der Redacteur Friedrich Graf, der Verfasser und Verleger wegen Vergehen gegen die Sicherheit und Ehre gerichtlich' verfolgt und bestraft worden. In einem neuen Artikel derselben „Tyroler Stimme" sagt der Verfasser des ersteren, daß sich die Iudenschaft obigen Artikels wegen gekränkt fühlend, Klage eingereicht haben solle; daß er aber in diesem Falle Belege darbringen werde, nämlich Druckschriften, die in Wien unter der Aegide deffelben Preßgesetzes im Jahre 186V frei und ungeahndet gedruckt wurden und die Beweise enthielten, daß obige Behauptungen eine richtige Praxis gewesen seien. Wir müssen also gegen eine solche Anklage zur Verhandlung, die namentlich in Tyrol von größter Wichtigkeit ist, wohlbewaffnet kommen. Der Beweismittel gegen diese schändlichen mittelalterlichen Beschuldigungen gibt es genug. Und wir bedürfen derselben um so mehr, als in Tyrol zwei solche Fälle heute noch als wichtig gefeiert werden; nämlich Andreas v. Rinn und Simon v. Trient. Wenn auch die Betheiligten ohne Zweifel gestraft werden, so ist der Eindruck einer verfolgungswüthigen Verteidigung immerhin folgenschwer. — Soweit unser Correspondent. Bekanntlich ist in T yrol eine furchtbare Agitation gegen den Entwurf eines Religionsedictes, der im österreichischen Abgeordnetenhause ausgearbeitet worden, und der das ultrakatholische Tyrol mitder Einwanderung von Protestanten und Juden bedroht, im Werke. Die Jesuiten sind es insonders, welche die Volksmasse aufzuwiegeln suchen und die jetzige Regierung^ selbst nicht schonen) Zu den alten Vörurtheilen der Tyroler gehört nun insonders die außerordentliche Furcht vor den Juden, denen der Eingang in die Graftschäft streng verwehrt ist. Daß dieser nun ausgebeutet wirv, um die Akatholiken überhaupt fern zu halten, ist natürlich. Das Gravirende in den - Auslassungen der „Tyroler Stimmen" ist nun nicht sowohl das Wiederkäuen der alten Beschuldigung, denn düs sähe man so gearten Hassern wohl nach, wohl aber 'die Erklärung, daß es ein „geschichtlich erwiesenes Factum" und eine „Praxis" des JUdenthumes sei. Man kennt den Klatsch und Quatsch, den hierbei jene Sorte von Judenfeinden vorzubringen pflegen. Er muß gründlich zurückgewiesen werden. Eine „Praxis" kann nur auf legalem Boden wörtlicher Vorschrift bestehen, und muß daher aus den Religionsquellen nachgewiesen werden. Anschuldigungen der Pfaffen und durch Foltern und Martern hervorgerufenen Aussagen sind keine ge s ch i ch t l i - chen Beweise. Wir können daher bei diesem Proceffe auf viel Dunst und Qualm rechnen, aber wird er männlich durchgeführt, so ist sein Ausgang nicht zweifelhaft. Freilich ist die Führung eines solchen Proceffes vor einem Gerichtshöfe in Innsbruck mißlich; denn in einem vor)- urtheilsv ollen Lande sind es' nur selten Menschen, die nicht schon in einem gewissen Grade durchtränkt sind, und gar zu leicht wirken, wo eine Partei die volle Herrschaft so in Händen hat, Rücksichten auf die Entscheidung ein. Dies muß jedoch Anstrengung und Ausdauer nur anfeuern. Die Wahrheit erlangt endlich doch den Sieg. Daß die „Wiener Kirchenzeitung" die „Tyroler Stimmen" kräftig unterstützt, kann man sich denken. Uns verwundert nur, daß israelitische Schriftsteller in Wien hiervon nur noch Notiz nehmen. Wir dächten, Herr Sebastian Brunner und sein Blatt hätten sich allzu bloß gestellt, um noch eines „Protestes" gewürdigt zu werdend Literarischer Wochenbericht. Magdeburg, 6. April. Angekommen: Professor Dr. Saalschütz, Des Volkes Einheit in der Liebe-und Duldsamkeit, Predigt.' — Landrabbiner B. Wechsler, Der Beruf des Rabbiners, Predigt. — Rabb. Jakob Eisner, Die Reise- Traurede.— Rabb. B. Willst ätt er, zwei Einweihungspredigten. — Rabb. Dr. I. I. IXnger, Die Grundsäulen einer wahrhaft freisinnigen Verfassung- Festpredigt. — R. Lange, Winke für

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