Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 17 (22.4.1862)
- Date
- 1862-04-22
- Page
- Seite 215 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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deren Hülfe es ihnen allein gelingen könnte zu siegen, als Bundeszeichen das Banner des Ultramontanismns erhoben hat, auf dem die Worte: „Fanatismus, Priesterherrschaft und Verfolgungssucht" mit blutigen Lettern geschrieben stehen? Fragt die Geschichte, was Ihr von einer Partei zu erwarten habt, die sich aus dem Schlamme mittelalterlicher verrotteter Ideen nicht loszumachen weiß. Wendet dagegen Eure Blicke nach den anderen Provinzen, wo Tausende Eurer Brüder sich mit Stolz Deutsche und Preußen nennen, und vereint mit uns Preußens Macht und Größe wünschen und -dafür arbeiten. Mit ihnen und mit uns stimmt furchtlos am Wahltage, aber nicht, mit denen, die die Fundamente des Staates zu untergraben trachten. Ihr aber, deutsche Brüder katholischer Religion, fehlet nicht am Tage der Wahl in den Reihen Eurer Landsleute! Gedenket, daß Ihr mit uns eines Stammes seid, daß Sprache, Sitte und Vaterlandsliebe ein Band bilden, das uns gemeinsam umschlingt. Glaubt es nicht, wenn Trug und List Euch vorspiegeln wollen, daß es sich bei den Wahlen um Religion handelt. Erinnert Euch, daß Millionen Katholiken in den deutschen Staaten leben, die mit Staunen und mit Betrübniß gehört, daß viele unter Euch mit den Polen gegen uns, Eure Landsleute, gestimmt haben. Kommt zu der Erkenntniß, daß Ihr wie jene als gute Deutsche und Preußen mit Euren deutschen Brüdern stimmen könnt, ohne dadurch aufzuhören, gute Katholiken zu sein. So rufen wir denn Euch Allen zu, die Ihr es treu mit unserm Herrscherhause und der Verfassung meint: fehle Keiner am Tage der Wahlschlacht in unfern Reihen! Kämpfet auch dort, wo Ihr keine Aussicht auf den Sieg habt, um davon Zengniß abzulegen, -daß es in dieser Provinz keinen Wahlbezirk giebt, in dem nicht deutscher Sinn und deutscher Muth vertreten wären. Dann werden unsere Siege um so glänzender nnd unsere Niederlagen um so ehrenvoller sein!" Posen, 10. April. Unsere Leser erinnern sich, daß die Anstellung des Dr. Jutrosinski zu der Petition der städtischen Behörden an das Abgeordnetenhaus Veranlassung gab, welches deshalb in die bekannte und pikante Debatte einging. Neben diesem Vorgänge spielte aber hinter der Coulisse noch ein anderes Stück, indem der Direktor und einige Lehrer der Realschule gleichzeitig eine Petition an den Minister v. Bethmann- Hollweg gerichtet haben sollen, in welcher sie den Ansichten des letzteren beitreten und um Verweigerung der Bestätigung für jüdische Lehrer ansuchten. Die P. Z. meldet nun aus der letzten Sitzung der Stadtverordneten Hierselbst: Betreffend die Petition der Versammlung an das Abgeordnetenhaus wegen Anstellung des Di-. Jutrosinski an der hiesigen Realschule war dem Director Brennecke aufgegeben worden, anzuzeigen, ob es begründet sei, daß mehrere Lehrer der Realschule sich mit einer Petition entgegengesetzten Inhalts an den Herrn Minister gewandt haben. Der Vorsitzende machte gestern die Mitteilung, daß der Director Brennecke in einem Anschreiben erklärt habe, zu einem amtlichen Berichte liege kein Grund vor, und die außeramtliche Thätigkeit der Lehrer zu überwachen, halte er sich nicht für berechtigt. Frankreich. Paris, im April. Die Subscription zur Erbauung zweier neuen Tempel in Paris ist, soweit die Gemeinde sich daran beteiligen sollte, geschlossen, und hat eine größere Summe von Zeichnungen gebracht, als man für diesen Theil bestimmt hatte. Man ist nun darauf gespannt, wieweit der Seine-Präfect und der Municipalrath einen Antheil daran zu bethätigen beschließen werden. (Vor.) — Wir haben in diesem Blatte das des Zwischenfalles im französischen Senate Erwähnung gethau, wie, als die Petition protestantischer Soldaten zu Nancy gegen die reglementsmäßige Kniebeugung vor der Monstranz, wenn sie als Ehrenwache zum katholischen Gottesdienste commandirt werden u. dergl., verhandelt wurde, ein Senator, der den Ursprung der Petition nicht kannte, ausrief: -„Das kommt von den Juden!" In Folge dessen hat sich der Präsident des israelitischen Centralconsistoriums, der Oberst Cerfbeer, veranlaßt gesehen, folgendes Schreiben an den Chefredakteur der Debats zu richten: Paris, 25. März 1862. Mein Herr! Einige Tage der Abwesenheit haben mir erst spät gestattet, gegen eine Aeußerung zu protestiren, die einem Senator entschlüpfte, indem er in der Sitzung vom vorigen Montag ausrief: „Das kommt von den Juden!", in Betreff einer an den Senat von mehreren Bewohnern von Nancy gerichteten Petition, die die Bestimmungen, welche die unter den Waffen befindlichen Soldaten verpflichtet, dem heil. Sacramente gewisse 17**