Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 17 (22.4.1862)
- Date
- 1862-04-22
- Page
- Seite 213 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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813 Arabern und die nähere nationale Verwandtschaft mit Edom ihren Ausdruck und in Jakob die Idee eines auserwählten, von allen Andern geschiedenen Volkes. Jakob zog nach Gosen, die reine Gottesidee bewahrend, ließ sich mit feiner Familie in der Nachbarschaft anderer arabischer Stämme nieder und lebte unter ägyptischer Herrschaft. Bei dem Auszuge unter Amenophis II. war die jüdische Nationalität noch nicht durchgreifend ausgebildet; sie zogen nicht allein, sondern mit andern arabischen Stämmen — 2^ ----- viele Araber — gemengt aus; in der Wüste erhielten sie die heilige Lehre und mit ihr eine religiöse und politische Einigung. Nach der Wiedereroberung Kanaans machten sich die ftemden Elemente, unfähig, die religiöse Idee zu erfassen, fühlbar, bildeten eine centrifugale Kraft, die der nationalen Einheit schadete, und so war die jüdische Nation mehrfach in Abgötterei zürückversunken, bis erst unter Esra mit der Ausscheidung der ftemden arabischen Elemente — ba — die religiös - nationale Regeneration zu Stande kam. In dem Verse 'ist dn ^mba bvh (Jos. 5, 9.) findet der Verfasser die Schande ausgedrückt, die mit Recht auf einer Nation lastet, welche den heimathlichen Boden Fremdlingen, überlassen hat und die Iosua durch die Wiedereroberung als abgewälzt bezeichnet. — Zwar ließe sich gegen die Annahme, daß zwischen Iakob's Tode und dem Abzüge blos 134 Jahre verstrichen sind, mit Recht einwenden, auf welche Weise Iakob's Familie in einem so kurzen Zeiträume zu einer so großen Population herangewachsen sein könnte, da 600,000 streitbare Männer eine Anzahl von 2,500,000 Seelen voraussetzt, und wenn schon bei der gewöhnlichen Meinung, daß jener Zeitraum 210 Jahre gedauert habe, eine so überraschende Vermehrung von vielen Gelehrten in Zweifel gezogen wird, wird sie nicht bei einer bloßen Dauer von 134 Jahren zur puren Unmöglichkeit? Bei dem Umstande jedoch, daß der Verfasser die Israeliten zur Zeit des Auszuges noch nicht von ihren Nachbarstämmen streng national und sittlich geschieden glaubt, den Auszug blos als ein durch ägyptischen Druck verursachtes Verlassen der Heimath nicht blos der Familie Iakob's allein, sondern mit ihnen vereint auch anderer kanaanitifch-arabischer Familien und Stämme annimmt, verliert jener Einwand seine Bedeutung. — Ohne mit den Resultaten dieses Merkchens gänzlich einverstanden zu sein, habe ich hier sein R6sum6 mitgetheilt. Es ist ein erfreuliches Zeichen der Zeit, in einem hebräischen Werke, das biblische Geschichte behandelt, Takt und Wissenschaftlichkeit, eifriges Bemühen, alle historischen Quellen zu benutzen, zu finden; und es verdient wegen seiner vielen neuen und auf wissenschaftlicher Grundlage basirender Gedanken die Aufmerksamkeit des gelehrten Publikums. Zeitungsnachrichten. Preußen. Magdeburg, 11. April. (Privatmitth.) Die überaus freundliche und mich ehrende Art, in welcher sich der Educalore israelita, und nach diesem das «leveisd Chronicle über mein Scheiden aus dem Orte ausgesprochen, verpflichtet mich zu herzlichem Danke, den ich hiermit ausspreche. — Meine vielen Correspondeuten, Mitarbeiter und Freunde ersuche ich, ihre fernere Unterstützung mir an meinem neuen Wohnorte (Bonn, am Rhein) auch weiterhin angedeihen zu lassen. Die Postverbindungen sind jetzt derart, daß die weitere Entfernung weder an Zeit noch an Portokosten einen Unterschied hervorbringt. Andrerseits rücke ich durch diese Wohnungsverlegung den südlichen und westlichen Gegenden um so näher. Möge mir unter dem Beistände Gottes die Zustimmung und Mitwirkung der Besten und Edelsten niemals feblen. vr. Ludwig Philipp so n. Berlin, 11. April. (Privatmitth.) Die Orgelfrage ist hier noch nicht abgeschlossen. Schon vor der Abstimmung in der Repräsentantenversammlung circulirte ein Gesuch zu Gunsten der Orgel, und war bald mit 1200 Unterschriften versehen. Man focht diese letzteren in der Sitzung der Repräsentanz von gewisser Seite her an. Mit desto größerem Eifer fördert man diese Angelegenheit jetzt. — Daß der Tag der Urwahlen auf den 28. h. verlegt worden ist, bringt viele Industrielle in Verlegenheit, weil zu dieser Zeit der wichtigste Theil der Leipziger Messe stattfindet. Man hat sich daher hier zusammengethan, um durch Unterschriften sich zu verpflichten, an diesem Wahltage hier zu sein. Die hiesigen Zeitungen enthalten diese Unterschriften, welche einen so schönen gabrielischen Sinn bekunden, und es ist sehr erfreulich, die größere Mehrheit in den Namen und Firmen jüdischer Kaufleute und Fabrikanten zu finden. — Da behufs der diesmaligen Wahlen die Agitation der feudalen und ministeriellen Partei so lebhaft wie fast nie hervortritt, so versteht es sich von selbst, daß in deren Programmen 17