Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-04-22 · Heft 17 (22.4.1862) · p. Seite 211

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 17 (22.4.1862)
Date
1862-04-22
Page
Seite 211 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3226310-3226328--20271-3249328
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

sechs vorzüglichsten Culturvölker der alten Zeit (Babylonier, Assyrier, Meder, Perser, Phönizier, Aegyptier) einnahm, war schon durch diese seine Lage bestimmt, mit jenen Völkern oft in Verbindung zu gerathen, um zuletzt deren Beute zu werden, welche Gefahr ihm stets drohte, sobald an der einen oder andern Seite ein bedeutendes Genie sich an der Spitze zeigte und den Impuls zu Eroberungen gab. Soll die Geschichte Palästinas, soll die Geschichte der darin zu einem gewissen Blüthestande geschrittenen Nation geschrieben werden, so muß der Geschichtsforscher bei den mangelhaften Quellen sein Augenmerk zunächst auf die Geschichte jener Nachbarstaaten richten. Und die wichtigen Funde, die die neuere Zeit durch Entdeckung vieler Bauüberreste an den Gestaden des Nils und jenes Doppelstromes im Osten Palästina's durch die fast vollständige Lösung der Hieroglyphen- und Keil-Inschriften ans Licht brachte, bewähren nicht bloß ihre Bedeutung für die Geschichte jener Staaten an sich, sondern auch für die jüdische Geschichte. Leider muß zugestanden werden, daß die jüdischen Gelehrten sich in dieser Hinsicht einer unverzeihlichen Nachlässigkeit schuldig machten, und der Verfasser obigen Merkchens hat das große Verdienst, der Erste zu sein; mit Benutzung früherer Forschungen nichtjüdischer Gelehrten seine ägyptologischen Studien auf die Bibel anzuwenden. Den Gegenstand der Abhandlung bildet Folgendes: 1) Eine neue Auffassung, die Thatsachen auseinanderzusetzen, die auf die Pharaonische Bedrückung der Israeliten Bezug haben. 2) Die Dauer dieser Bedrückung auf eine neue Weise zu bestimmen und diese in der Bibel bestätigt zu finden. 3) Eine neue synchronistische Tabelle aufzustellen, die die Daten wichtiger Begebenheiten jüdischer und ägyptischer Geschichte genau fixirt. 4) Einige Ideen über die Patriarchen und andere Momente jüdischer Geschichte. Der Verfasser beginnt mit einer genauen Uebersetzung der Manetonifchen Fragmente, die uns Josephus in feinem Werke contra Apionem aufbewahrt hat. In diesen Fragmenten wird von der mehr als 500jährigen Herrschaft der Hyksos über Unterägypten und ihrem Abzüge berichtet; sodann zählt Maneto eine Reihe ägyptischer Könige auf bis Amenophrs II., unter dessen Regierung die Verurtheilung der Unreinen zu Arbeiten in den Steinbrüchen erfolgt sein soll, die sich jedoch empörten, mit Hülfe zurückberufener Hyksos 13 Jahre über Aegypten herrschten, endlich aber vertrieben wurden. Bei dem Mangel an historischen Quellen, die Zeit des Abzuges der Israel liten aus Aegypten genau zu bestimmen, versuchten Gelehrte alter und neuer Zeit die Worte Maneto's mit der biblischen Erzählung in Verbindung zu bringen. Die Einen wollten die Israeliten mit den Hyksos identificiren, die Andern glaubten sie in den Unreinen zu erkennen. Die Unhaltbarkeit beider Hypothesen hat uns der Verfasser klar und deutlich auseinandergesetzt. Wenn es schon ein ungeheuerer Anachronismus wäre, die Hyksos für die Juden zu nehmen, so verliert auch die Stelle Moneto's: „sie bauten sich in dem Lande, das jetzt Judaa heißt, eine Stadt und nannten sie Jerusalem", der einzige Anhaltspunkt, welcher für diese Meinung sprechen könnte, bei näherer Einsicht seine Bedeutung, denn die Worte rfj vvv 'Iovdala xalov/j.ivr} zeigen blos, daß jenes Land zur Zeit Maneto's bereits diesen Namen hatte. Auch die Annahme, die Unreinen wären die Juden, weist der Verfasser entschieden zurück. Die Schlußworte Maneto's: „Man sagt, daß der Priester, der ihnen Staatseinrichtung und Gesetze gab, aus Heliopolis war, Osarsif hieß, später war dieser Name in Moses verwandelt", berechtigen noch nicht, zu behaupten, die Unreinen wären die Juden, ihre Vertreibung der biblische Auszug, Moses ein ehemaliger Priester ägyptischer Gottheit, da Maneto daS bedeutungsvolle Xiyezcu di hinzufügt, also blos von Hörensagen berichtete, ohne von der Wahrheit der Worte überzeugt zu sein. Der Verfasser glaubt, in der Erzählung von den Unreinen sei blos die Rede von einer abermaligen Vertreibung zurückgebliebener Hyksos, und blos Aehnlichkeit der Umstände habe jene Sage hervorgebracht. Er zieht eine Parallele mit einem historischen Ereignisse neuerer Zeit, nämlich der doppelten Maurenvertreibung aus Spanien im Jahre 1492 und 1609, das Verhältniß der Hyksos zu den Aegyptiern zum Verhältnisse der Mauren den christlichen Spaniern gegenüber gleichstellend.*) — Unter welchem Könige fand der Exodus statt? Der Verfasser sucht die gewöhnliche Meinung, daß der Auszug unter Amenophis ll. stattgefunden habe, biblisch zu begründen, wobei er sich nach den dynastischen Listen Maneto's richtet, die Systeme Champillon's und Rosselini's als maßgebend bezeichnet, welche von Maneto nur *) Daß diese Kritik der Aussagen Maneto's nicht neu ist, brauchen wir dem Kundigen nicht zu sagen. Für die Resultate der nun folgenden Annahmen und Berechnungen übernehmen wir keine Verantwortlichkeit, da wir das Merkchen nicht kennen, und Gegengründe sehr nahe liegen. Die Redaction.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.