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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-04-22 · Heft 17 (22.4.1862) · p. Seite 210

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 17 (22.4.1862)
Date
1862-04-22
Page
Seite 210 (sequence 6)
Language
German
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des Judenthums, von einem einzigen Gotte, dem Schöpfer der Welt, aus, und nahmen so den wesentlichen Charakter, des Gegensatzes gegen den Polytheismus und Pantheismus der alten Religionen und Philosopheme, den das Judenthum bis, dahin allein getragen, an. Bekannt ist es aber auch nun, daß der Islam diesen obersten Grundsatz in seiner ganzen Strenge und Consequenz fest und aufrecht hielt, während sein Vorgänger denselben bald niodificirte und durch mystische Glaubenslehren in ganz andere Bahnen leitete. -Die Einheit Gottes (Tenhid) ist ein unzweideutiges Charakteristikum des Islam, während eben so sehr die Dreieinigkeitslehre das Charakteristikum der christlichen Religion wurde. Von da ab hat allerdings die . Lehre von Gott, namentlich von seinem Verhältniß zum Menschen, also in der Lehre von der Vorsehung und der Gerechtigkeit Gottes, im Islam den Weg abseits vom Judenthume und rückwärts zum alten Sabbäismus eingeschlagen, während das Christenthum hierin seinem. Ursprünge getreuer blieb und sich, von den Anschauungen des Judenthums nicht entfernte. In der Lehre von der göttlichen Barmherzigkeit unterscheiden sich beide Religionen vom Judenthume,-indem nur dieses allein die Barmherzigkeit Gottes unbedingt und unbegrenzt walten läßt, während die beiden anderen sie vom ^Glauben abhängen lasten und den Ungläubigen versagen, das Christenthum überhaupt eine besondere Vermittelung zwischen der Barmherzigkeit Gottes und der Schuldhaftigkeir des Menschen als nothwendig erachtet. — Wenn hinsichtlich der allgemeinen ethischen Lehren die Religionen ziemlich auf einer und derselben Stufe stehen, so nahm hingegen der Islam die Tendenz des Mosaismus, Lehre und Leben zu identificiren, und besonders die Gesellschaft von der Religion durchdringen zu lasten, eine Tendenz, welche das Christenthum gänzlich von sich wies, wieder auf. DaS Product dieses Gegensatzes blieb auf beiden Seiten nicht aus. Die Religion constituirte sich im Chriftenthume als Kirche, und es begann jener große, bis heute noch nicht entschiedene Kampf zwischen Staat und Kirche um die Obmacht, während die allgemeinen gesellschaftlichen Lehren der Religion von der persönlichen Freiheit und der Gleichheit Aller vor dem'Gesetze ohne irgend eine Einwirkung blieben. Im Islam aber war dieser Kampf unmöglich, die Gesellschaft schlug jedoch in Begleitung der Religion den Weg zur asiatischen Despotie ein, welche freilich den Grundsatz der Gleichheit anerkennt, und Den, der heute noch Sclave ist, morgen zum Großvezier erhebt, ein Grundsatz, der ohne die persönliche Freiheit nur einen sehr zweideutigen Werth hat.? Dahingegen blieb der Islam jener Tendenz darin treu, daß er es bei allgemeinen Phrasen der. Nächstenliebe nicht beließ, sondern sie in concreten Vorschriften von Werken der Barmherzigkeit, gleich dem Mosaismus und desten Entwickelung im Judenthume, ausprägte. Ebenso hielt der Islam den Gedanken der leiblichen Reinigkeit l'l'ekoret — ein vielverzweigtes Capitel des Islams) .fest, in Speisegesetzen, der Behandlung der Todten, Waschungen, Fasten u. dgl. bestehend. — In cultueller Beziehung steht der Islam offenbar dem traditionellen Judenthume viel näher, als selbst der katholische Cultus. Denn dieser suchte zwar auS dem mosaischen Cultus einen großen Gedanken zu entlehnen und im Meßopfer symbolisch darzustellen; das traditionelle Judenthum aber verwarf dies und setzte an die Stelle des mosaischen Opfers ganz und gar das Gebet ein. Wir begnügen uns mit dieser Skizze über die Momente der Uebereinstimmung und der Verschiedenheit der beiden dem Judenthume entsprungenen. Religionen mit diesem, da es uns eben nur darum zu thun war, zu zeigen, daß der Islam unserem Bekenntniste durchaus nicht so diametral gegenübersteht, daß wir ein absolutes Verwerfungsurtheil über ihn fällen dürften, daß wir-ihn nicht vielmehr ebenfalls in seiner welthistorischen Aufgabe erkennen und würdigen müßten, und daher mit Jntereffe allen Bewegungen in ihm unsere Aufmerksamkeit zuzuwenden haben. Hängt ja hiervon auch das Schicksal von Millionen Juden nicht blos äußerlich in socialer Beziehung, sondern auch innerlich in ihrer Culturentwickelung ab. Literarischer Wochenbericht. Lemberg, im März. Blicke in die Urgeschichte des israelitischen Volkes von S. Mödling er. Besprochen von I. M. T. Die Natur und die Lage eines Landes, seine Weltstellung bestimmen ihm den Rang und die Stelle in der Geschichte. Sie üben einen mächtigen Einfluß sowohl auf den materiellen, wie auf den geistigen Wohlstand eines Volkes, auf sein Verhältniß zu den übrigen Staaten und Völkern. Und es muß jeder Forscher der Geschichte eines Staates die historischen Begebenheiten der Völker und Länder, die mit jenem in Berührung kommen, nothwendig berücksichtigen, soll die Geschichte kritisch beleuchtet werden, sollen die historischen Thatsachen in ihrer Wirkung und Folge richtig geordnet werden. Palästina, welches kleine Land eine Stellung in der Mitte der

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