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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-04-15 · Heft 16 (15.4.1862) · p. Seite 198

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 16 (15.4.1862)
Date
1862-04-15
Page
Seite 198 (sequence 8)
Language
German
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198 zurichten. Vor der Hand soll ein großer Saal indem durch den Vandalismus von 1848 historisch gewordenen Todesko'schen Gebäude zu diesem Zwecke verwendet werden. Es wäre dies allerdings eine sehr erfreuliche Erscheinung, weit gerade diese Gemeinde es ist, die ihre Sofer'schen Traditionen mit allen ihren Consequenzen lange und ausdauernd auch gegen die berechtigtsten und dringendsten Ansprüche der Neuzeit zu wahren wußte. — Ein Correspondent des Hamagid aus Krakau bespricht den Mißbrauch, der noch heutzutage in mancher Gemeinde mit den hebräischen Aufschriften auf Grabsteinen getrieben wird; wie da auf Kosten der Wahrheit gelobhudelt und auf Rechnung des guten Sthls und der grammatischen Correctheit das Hebräische geradebrecht wird. Leider sind diese Klagen nicht neu und nicht selten und wäre hier den Vorstehern der Gemeinden oder der Brüderschaften die Handhabung einer Art von Een für dringend zu empfehlen. Drollig ist eine Sprachentstellung, die der erwähnte Correspondent anführt. Er las nämlich auf dem Grabsteine einer Frau unter Anderm die Worte; srirva nnrt (anstatt nsr)! — Neulich las man, wie uns erzählt wurde, in einem ultramontanen Wiener W o ch e n b l a t t e den Leitartikel „Wider den Chassidismus" (Ällgem. Ztg. d. Iudenth. No. 4) wortgetreu abgedruckt. Bei der bekannten B i ed erkeit des hochwürdigen Redacteurs dieses Journals läßt sich voraussetzen, daß er in dem ausschließlich religiösen Interessen gewidmeten Blatte gewiß nicht unterlassen hat, die Bemerkung beizufügen: daß der Chassidismus nicht im Entferntesten als Ausdruck des Judenthums betrachtet werdemkönne*), vielmehr von diesem perhorrescirt werde; daß sich der Chassidismus zum Judenthume etwa so verhalte, wie eine Eiterbeule zu dem gesunden Körper, dem sie anhaftet, oder wie die „Wiener Kirchenzeitung" zu dem Christenthume.— Durch Jdeenassociation kommt uns sc! vocem „Eiterbeule" unwillkürlich der „Mainzer Israelit" ins Gedächtniß, und da können wir uns nicht enthalten, gegenwärtige Mittheilungen mit einem „Purimstückchen" zu schließen, das wir heute in unserer Purimlaune gern *) Warum hat er nicht auch den dieses beweisenden zweiten Artikel in No. 6 d. Bl. abdrucken lassen? Die Redaction. den geehrten Lesern d. Bl. — selbst auf die Gefahr hin; daß es Manchem erst in der Saison des ungesäuerten Brotes und der Bittern Kräuter zu Gesicht kommen dürfte — zum Besten geben. Herr Dr. Jellinek hat sich irgendwo den Spaß gemacht, öffentlich zu. bemerken: daß die 4 Buchstaben des Wortes d^öd (Genes. 37, 3.) die Anfangsbuchstaben der Wörter: 2^1272", mmVö', m-Tsrn", ninuno" bilden. Der Redacteur des „Israelit" in Mainz, dem immer ein Gruseln überkommt, wenn ein vernünftiger Mensch eine vernünftige Ansicht über diese Hauptpfeiler des Hirschisch-Lehmann'schen Judenthums ausspricht, konnte selbstverständlich diese Herausforderung der „Reform" an die „Gesetzestreue" nicht unbeachtet lassen; er schleuderte daher — gleich dem gottbegeisterten David dem lästermäuligen Heiden Goliath gegenüber— das Wort n-na (abhauen, umhauen, Umstürzen) als aas; ■prrK entgegen. Diese ^->2232-Bombe, die in Mainz (wir wissen nicht in welcher Nummer) abgefeuert, in Wien, Leopoldstadt, Wälschgasse platzen sollte, verfehlte aber (durch die Ungeschicklichkeit, des Feuerwerkers) ganz das beabsichtigte Ziel, und explodirte — in einer Klaus — eines kleinen entlegenen Städtchens in Galizien! — In diesem Eldorado der *) ansn mußten nämlich solche köstliche Entdeckungen Sensation erregen, und schon bildeten sich Parteigruppen, .pro und contra debattirend, schon einigten sich die Streitenden dahin, dem Herrn Dr. Lehmann die Siegespalme zuznerkenneu, weil sein a-na?::» originell, d. ■pp’ntais Jellinek's aber nicht mehr neu sei — als ein junger Mann (der im Herzen dem Fortschritte zugethan, auch alle fortschrittfördernde Schriften liest), öffentlich aber über alles Neue als Antitraditionelles rumort und poltert, daher auch ein Günstling des Rebbe und ein Liebling sämmtlicher Insassen der Klaus ist, sich erhob und zum großen Erstaunen und Enlsetzen der ganzen Gesellschaft erzählte: es sei ihm drei Mal nach einander dcr sel. Rabbi zu Wielopolie im Traume erschienen und habe ihm eine Tafel gezeigt, auf welcher mit feurigen Buchstaben folgende Worte zu lesen waren: ‘^-'i snn 123^7 ^iKap&n : ^->27332 :‘pnstanm E3'2*r> tna ys a^ant-»« oan -»yapönyi *) Der Ausdruck yp^aia wäre hier richtiger, da er aber im „gesetzestreuen" Blatt so Vorkommen soll, wollten wir ihn nicht ändern.

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