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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-04-15 · Heft 16 (15.4.1862) · p. Seite 197

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 16 (15.4.1862)
Date
1862-04-15
Page
Seite 197 (sequence 7)
Language
German
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197 ini Grunde Alle einerlei Meinung sind. Dieses Pudels Kern ist eine reine Geldfrage, nämlich die Uebernahme unserer Armenversorgung durch die Stadt, welche bisher noch nicht in Anwendung gebracht ist, obgleich uns das Recht dazu offenbar zusteht, uns auch nicht streitig gemacht wird, wohl aber eine vorgängige Regulirung erfordert. Preußen. Berlin, 2. April. Unter mehreren Berichtigungen, zu denen die „A. Pr. Z." veranlaßt, findet sich auch Folgendes: „Durch mehrere Blätter wird die Nachricht verbreitet, daß bei Gelegenheit der Wiederbesetzung einer Consulats stelle eine der hierzu in Vorschlag gebrachten Persönlichkeiten von der Königlichen Regierung deshalb beanstandet worden, weil sie israelitischen Glaubens sei. Wir können versichern, daß ein derartiger Fall nicht vorgekommen und die betreffende Zeitungsnachricht vollständig aus der Luft gegriffen ist." — (Diese Berichtigung kann uns nur angenehm sein, jedoch geht aus ihr nichts weiter hervor, als daß jene Ablehnung nicht in der angegebenen Weise motivirt war.) Magdeburg, 6. April. (Privatmitth.) Die officiellen Mittheilungen bringen Folgendes: „Auf den 141 preußischen Gymnasien befanden sich im Winter 1860/6! überhaupt 39,737 Schüler in den Gymnasial- und 3056 in den Vorschulclassen. Von erstern waren 25,714 evangelisch, 11,665 katholisch und 2358 jüdisch; von letzter» stellte sich das Verhältniß der Confession in vorgedachter Reihenfolge also: 2528, 210, 318. Die anerkannten Progymnasien zählten in der vorangegebenen Zeit 2485 Schüler, nämlich 1101 evangelische, 1283 katholische, 101 jüdische. Von den 24 Progymnasien befinden sich nämlich 6 in Westphalen und 11 in der Rheinprovinz. Die 34 Realschulen erster Ordnung zählten ohne die Vorschulen 11,774 Schüler (9206 evangelische, 1459 katholische, 1109 jüdische), die Vorschulen allein 2090 (1815 evangelische, 111 katholische, 164 jüdische) Schüler, die 26 Realschulen zweiter Ordnung 6817 (5916 evangelische, 444 katholische, 457 jüdische) Schüler." Die außerordentlich günstigen Resultate, welche die steigende Bildung unter den Juden in merkwürdiger Art erweisen, und die wir in früheren Jahren bereits hervorgehoben haben, bethätigen sich also abermals. Während unter 100 Seelen in Preußen l */2 auf die jüdische Confession kommen, befinden sich auf den Gymnasien unter 100 Schülern 6 jüdische, in deren Vorschulclassen 10 jüdische; auf den Progymnasien unter 100 Schülern 4 jüdische; auf den Realschulen erster Classe unter 100 Schülern 9 Vjüdische, in deren Vorschulclassen 8 jüdische; auf den Realschulen zweiter Classe unter 100 Schülern 6°/« jüdische. Im Durchschnitt besuchen demnach diese Schulen verhältnißmäßig fünfmal so viele Juden als Christen. Oesterreichischer Kaiserstaat. Niederösterreich, Purim 5622. Miscellen. Der Architekt Herr Wechselman n in Pesth, der den Bau des neuen Tempels geleitet hat, erhielt die behördliche Concession zur Ausübung des Baugewerbes; die zünftigen Baumeister und Architekten remonstriren dagegen und haben ihre Gegenvorstellungen bereits bei der Statthalterei eingereicht. — Der israelitische Großhändler Herr CarlUllmann in Pesth ist Seitens des dortigen Gremiums zum Beisitzer beim Wechselgerichte gewählt worden. — Ein Gymnasialprofessor in Lemberg hat, wie Journale von dort berichten, den israelitischen Studenten eigens für sie bestimmte Bänke angewiesen und in Tarnow ist es die Lieblingspassion des Gymnasialdirectors — er heißt Stawarski und ist Ruthene von Geburt*) — die israelitischen Studenten in „jüdischem Jargon" anzureden. — In Arad hat der israelitischeHandwerkerverein beschlossen,auch christlicheLehrjungen zu subventioniren; dieser humane Beschluß hat zur Folge, daß sich mehrere christliche Bürger diesem Vereine anschließen. In G r o ß w a r d e i n ist die Synagoge der neuen (magyarischen) Gemeinde behördlich geschlossen worden. — Die Gemeinde zu Stuhlweißenburg ist in Folge hohen Befehles in zwei Gemeinden getheilt, wovon die eine den Namen „Rechtgläubige israelitische Religions- Gemeinde" (also ein Ableger ihrer Namensschwester zu Frankfurt a. M.) führt. Aus Preßburg wird berichtet, daß daselbst Vorkehrungen getroffen werden, eine Synagoge nach dem Ritus des Wiener Tempels-Her- *) Wir betonen diesen Umstand absichtlich, weil es uns in Wahrheit freut, constatiren zu können, daß dieser „Hep- Hep-Director" kein Pole sei.

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