Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-04-15 · Heft 16 (15.4.1862) · p. Seite 193

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 16 (15.4.1862)
Date
1862-04-15
Page
Seite 193 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3224737-3226310-3226327--20248-3249304
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

193 ficn . . . Aus solchen Hunden soll die große Gemeinde Berlins die Entscheidung über ihren Cultus entgegennehmen! Mit solchen Männern geht die Partei des Dr. Sachs Hand in Hand, und läßt sich von ihnen Urtheil und Rechtsspruch machen! Und nun fragen wir: thun wir Rabbinen nicht ein wahres Narrentheiding, wenn wir uns mißbrauchen lassen, ausführliche Gutachten auszuarbeiten, um sie hernach von der Autorität getaufter Juden oder eines Banquiers, der seine Kinder hat taufen lassen, und der vielleicht in einem Jahrzehend keine Synagoge besucht hat, erdrücken zu lassen? . . . Nein! Wollen die Gemeinden noch eine rabbinische Autorität anerkennen, indem sie Gutachten verlangen, so mögen sie vorher den Beweis liefern, daß sie es ernst damit meinen. Wir fordern sie nicht auf, uns zu fragen, und darum ist es nur eine ganz gewöhnliche Höflichkeit, die Antwort nicht zu mißachten und dem Spiele.Preis zu geben. Am Ende jedoch fällt die ganze Schuld auf eine solche Gemeinde, welche sich derartige Männer zu ihren Repräsentanten wählt. Solche Herren taugen in industrielle Corporationen, in städtische Behörden, meinetwegen in das Abgeordnetenhaus — aber in eine jüdische Gemeindebehörde, die über Synagoge und jüdische Schule zu entscheiden hat, dahin gehören sie nicht. Zum Artikel „Der Uebertritt zum Judenthunre" in Ür 8 dieser Zeitung. Der Vorstand der jüdischen Reformgemeinde in Berlin sendet uns folgende Erklärung und bittet um Abdruck: Herr Redacteur! Der Leitartikel in No. 8 Ihres Blattes (vom l8. bi M.) „Der Uebertritt zum Judenthume" enthält den Satz: „Die Reformgenossenschaft zu Berlin nimmt Christen in ihre Gemeinschaft auf, ohne daß diese die Beschneidung an sich verüben lassen." Wir müssen dieser Behauptung und den an dieselbe geknüpften Folgerungen gegenüber erklären, daß unsere Gemeinde seit ihrem Bestehen nur Individuen, die als Juden geboren, unter ihre Mitglieder ausgenommen, die Beitrittserklärungen Anderer aber stets zurückgewiesen hat. Dagegen wollen wir bei dieser Veranlassung nicht stillschweigend, sondern nachdrücklich zugeben, daß die Reformgemeinde sich nicht für berechtigt erachtet, denjenigen ihrer Mitglieder, die eine Mischehe eingehen, die religiöse Trauung zu versagen, falls diese von ihnen gewünscht wird. Wir dürfen hoffen, daß Sie, Herr Redacteur, gern bereit sein werden, diesen Zeilen in der nächsten Nummer Ihres Blattes, das sich „ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse" nennt, einen geeigneten Platz anzuweisen. Berlin, den 23. Februar 1862. Mit Hochachtung und Ergebenheit Der Vorstand der jüdischen Reform-Gemeinde (ge;.) Heymann. Waldeck. Unsere Behauptung stützte sich aber auf ein Factum, daß der Prediger der Reformgemeinde, vr. Ritter, einen Christen, welcher von der Gemeinde seines Wohnortes vom Uebertritt zum Judenthume zurückgewiesen worden, weil er sich der Beschneidung nicht unterziehen wollte, demungeachtet für einen Juden erklärt und ihn mit einer Jüdin getraut und auch die dahin lautenden Zeugnisse ausgestellt hatte. Wir theilten diesen Widerspruch mit obiger Erklärung dem qu. Vorstande mit, und in seinem Antwortschreiben erklärte dieser wörtlich: „Wir müssen voranschicken, daß unsere Gemeinde zur Zeit einen als Prediger angestellten Beamten nicht hat. Den beiden Religionslehrern Dr. Ritter und Dr. Oppenheimer haben wir gestattet, abwechselnd die Kanzel zu besteigen; auch wird bisweiletr statt der Predigt ein eingelegtes Gebet gesprochen. Religiöse Handlungen derselben außerhalb unserer Gemeinde sind daher nur als Privatacte zu betrachten, von ihnen zu vertreten, und ohne allen Einfluß auf die Reformgemeinde." — Wir überlassen es nun unseren Lesern, sich ein Urtheil über diesen Vorgang zu bilden. Sicher ist eine solche Proselytenmacherei ohne Beispiel im Judenthume und erfordert unsere ernsteste Abwehr! Jeder den Versuch des Königs Ruprecht) den sannntlichen deutschen Juden ein rabbinisches Oberhaupt zu geben. Eine historische Skizze über die Stellung der Rabbinen im Mittelalter. Von David Oppenheim. Die interessanten Auszüge, die das Jüdische Volksblatt No. 10 u. 11 aus den „Regesten" des Dr. Wiener 16*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.