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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-04-08 · Heft 15 (8.4.1862) · p. Seite 181

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 15 (8.4.1862)
Date
1862-04-08
Page
Seite 181 (sequence 9)
Language
German
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181 nisters v. Bethmann-Hoüweg gegenüber geschwiegen? Die Redaction.) Frankreich. Paris- 27, März. (Privatmitth.) Seit derEmancipation der Juden in Frankreich gab kein Israelit ein so glänzendes Zeugniß von diesem erlangten Fortschritt, als, Halövy. Sowohl die Regierung als auch das französische Volk haben eine Ehre darein gesetzt, zu beweisen, daß es in Frankreich nur Franzosen gäbe, die gleich sind in Allem außer im Talent, denn wenn Halövy ein kaiserlicher Prinz gewesen wäre, hätte ihm weder das Volk noch die Notabeln der Hauptstadt solche Ehre und Achtung erwiesen. Vom Institute bis zum Kirchhofe bildete das Volk Spalier und mehr als zehntausend Menschen sind dem Leichenzuge gefolgt. Auf dem Grabe und in Gegenwart von dreitausend Christen hat Herr Cerfbeer im Namen des Consistoriums es lobend hervorgehoben, daß Halövy, der nicht reich gewesen, seine Tochter einem Fürsten verweigert habe, weil man von ihm verlangt, daß sein Kind: zum Katholicismus übertreten solle. Das Grab solle bei der Wiege stehen, habe er gesagt. Halövy hat vor seiner Verheirathung in seiner Jugend Mit einem katholischen Frauenzimmer ein Verhältniß gehabt, aus welchem drei Kinder entsprossen. Herr Prövost Paradol, der geistreiche Journalist der Debats, ist ein natürlicher Sohn Halövy's. Er hat ihn erzogen und stets als Vater gegen ihn gehandelt. Die übrigen Kinder aus dieser Verbindung sind alle verheirathet. Die arme Frau, die er nie verlassen hat, ohne sie jedoch jemals wieder zu sehen, und die bei der Nachricht seines Todes sich hat aus dem Fenster stürzen wollen, hat sich niemals verheirathet. Und wiederum war es der Unterschied in der Religion, der Halövy verhindert hat, sie zu heirathen. Aber diese Jugendliebe ist ihm theuer zu stehen gekommen. Denn es ist außer: allem Zweifel, daß Halövy, um allen seinen Bedürfnissen und seinen Pflichten zu genügen, sich nicht genugsam gesammelt und Musik — oftmals sehr schlechte — geschrieben hat, um seinen Lebensunterhalt zu gewinnen.; Ich erwähne diese Eigenthümlichkeiten, um Ihnen den Einfluß zu schildern, welchen die Sitten auf das Talent ausüben. — Die Erben von Israel Lovh haben soeben alle israelitischen und synagogalen Gesänge dieses berühmten Cantors und Componisten herausgegeben. Lovh war ein Componist von Talent und zugleich von Genre. Er ist einfach und melodieretch, er ist Mozartist. Empfehlen sie dreist diese Gesänge allen israelitischen Musikern Deutschlands, sie werden eine Fluth von Melodie und Harmonie aus ihnen schöpfen können. Alexander Weill. —. Wir tragen in Betreff Halövy's noch Folgendes nach. Die Straße, in welcher Halövy in Nizza starb, wird auf ministerielle Verfügung hin den Namen Rue Halövy erhalten. — Am Begräbnißtage Halövy's bleiben die komische und die lyrische Oper geschlossen. Die Direction der großen Oper, die man das Gleiche zu thun anging, weigerte sich, indem sie als Grund angab, ihre Vorstellungen könnten nur beim Absterben eines Mitgliedes der kaiserlichen Familie ausgesetzt werden. —. Halövy hat, wie man allgemein glaubt, nur sehr wenig Vermögen hinterlassen, die Lage seiner Familie ist aber vollständig sicher gestellt, da Frau Halevy seit dem Tode ihres Mannes drei Briefe erhalten, worin sie zu ihrem großen Erstaunen Kenntniß davon erhielt, daß sie ein Vermögen von 34,000 Franken Renten besitzt. In dem ersten Schreiben meldet ihr nämlich der Wechselagent Rodriguez, daß er im Besitze von 80,000 Fr., sei, die zu gleichen Theilen unter ihre beiden Töchter vertheilt werden sollen; im zweiten Briefe theilt ihr Herr v. Rothschild mit, daß sie 10,000 Fr. Renten bei ihm stehen habe, und im dritten kündigten ihr die Herren Pereire an, daß ihr verstorbener Gemahl, der bei der Affaire des Boulevard Malesherbes betheiligt gewesen sei, an demselben ein Hans besitze, das 20,000 Fr. Renten abwerfe, daß sie aber ja noch nicht verkaufen möge. (So berichtet die „K. Z." Sind dies Thatsachen, so gereichen diese.gewiß seltenen Gaben ebenso den Empfängern wie den Gebern zur höchsten Ehre.) —. An den französischen Senat war von mehreren Soldaten in Nancy eine Petition gelangt, daß ihnen die Pflicht, bei Vorzeigung des Sacraments während des katholischen Gottesdienstes, zu welchem sie commandirt werden, niederzuknien, genommen würde. Während des Verlesens dieser Petition rief ein Senator aus: „Die kömmt von Juden!" Er hatte sich aber geirrt, sie war von protestantischen Soldaten ausgegangen. Der Senat ging über dieselbe zur Tagesordnung über. — Die Subscription für die zwei zu 15

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