Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 15 (8.4.1862)
- Date
- 1862-04-08
- Page
- Seite 180 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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180 des Handels selbst, Freiheit aber ist sein Lebensodem. " Aus dem Posenschen, 18. März. (Privatmitth.) In Jnowraclaw ist eine Angelegenheit, welche daselbst über 8 Jahre lang geschwebt hat, — nämlich die Wiederbesetzung des Seelsorgeramtes, — nun endlich doch zur definitiven Erledigung gebracht. Herr Dr. Pollack, Rabbiner zu Kremsier, ist gewählt, hat die Wahl angenommen, resp. den Contract (vorläufig auf 6 Jahre lautend) unterzeichnet — und wird ganz sicher noch vor Ablauf dieses Monats sein neues Amt untre ten. — Wie den Lesern dieser Zeitung nicht unbekannt ist, so waren in Jnowraclaw schon zwei Rabbiner definitiv gewählt, von denen der eine erst angenommen und dann wieder abgelehnt, der andere aber von vornherein gar nicht angenommen hatte. Jener war der Herr Dr. Lipschütz in Hamburg, dieser der Herr Dr. Lazarus in Prenzlow. Neben dem nunmehr gewählten Herrn Dr. Pollack, ist aber Seitens der Gemeinde Jnowraclaw in der Person des bisherigen Rabbiner von Wongrowitz, Herrn Jacob Littaner, ein zweiter jintist bvz ausgenommen. — Für die geistlichen Angelegenheiten ist nun genügend gesorgt — während man aber der Schule immer noch in ihrer bisherigen Verfassung, d. h. als eine dreiclässige, bestehen läßt. Gnesen, eine an Zahl nicht größere Gemeinde als Jnowraclaw, hat eine Schule mit 5 Lehrern und 5 Classen. — Nach den Resultaten der jüngsten Volkszählung hat die jüdische Bevölkerung der Stadt Posen bedeutend abgenommen, indem sie — bei einer Gesammteinwohnerschaft von über 51.,000 — kaum noch 7500 beträgt, während vor 15 Jahren daselbst unter kaum 42,000 Seelen noch über 10,000 jüdische vorhanden waren. Nachdem in Thorn, wo das Predigeramt erledigt, schon mehrere Candidaten gehört worden, war zum letztverflossenen Sabbath (‘YiST 's) der (aus Warschau heimgekehrte) Dr. M. Jastrow zur Abhaltung eines Probevortrags dorthin berufen. Wie wir indeß nachträglich erfahren, so ist dem Dr. Jastrow von seinen Freunden in Warschau geschrieben worden, er solle für dieses Jahr noch keine andere Stelle annehmen, da er bis Ende desselben jedenfalls sein volles Gehalt beziehe und die Aussicht habe, alsdann wieder,-rmit kaiserlicher Erlaubniß — auf seinen früheren Posten zurückkehren zu dürfen. Düsseldorf, 25. März. Die gestrige Wahl der Handelsrichter für das hier ins Leben tretende neue Handelsgericht hatte folgendes Resultat. Es wurden gewählt: Commercienrath' Baum als Präsident; zu Richtern: G. Cramer, A. Jung, Rud. Westhoff, Alb, Pönsgen, I. Cohen; zu Stellvertretern: Moriz Brögelmann, W. Kampf und F. Möhlau. Jetzt wird auch die Principienfrage zum Austrag gelangen, ob ein Jude Richter sein kann, wenngleich er in die Lage kommt, einem Christen einen Eid abnehmen zu müssen. (B.Z.) Aus Danzig erfährt ein Berliner Correspondent der „H. N." folgenden Fall: Es handelte sich daselbst um Besetzung des holländischen Consulats, zu welchem sich circa 60 der angesehensten Kaufleute, gemeldet haben sollen. Von der holländischen Regierung wurde ihrem hiesigen Gesandten, Baron Schimmelpenninck, eine engere Liste zur Begutachtung übersendet; der Gesandte entschied sich für einen der Bewerber und theilte den Namen desselben, wie dies üblich, vor der Ernennung dem hiesigen auswärtigen Ministerium mit, Zu seinem Erstaunen erhielt er von dem Grafen Bernstorff das freundliche Gesuch, sich doch lieber für einen andern Namen zu entscheiden, da der von dem Gesandten Gewählte ein Jude sei. Es, muß bemerkt werden, daß in Danzig sowohl wie in Berlin jüdische Consuln fungiren; soviel dem Correspondenten bekannt, wurde in elfterer Stadt unter Herrn v. Manteuffel der Kaufmann Normann zum türkischen Consul ernannt. (Bekanntlich hatte Preußen bis jetzt selbst Generalconsuln, z. B. in Turin, welche Juden sind. Bei all' diesen Nachrichten aus Preußen frägt man sich in der That, wo denn dieser Staat eigentlich „moralische Eroberungen" zu machen gedenkt?) Waldenburg (in Schlesien), 28. März. (Privatmitth.) Dem Abg. Reichenheim ist eine energische Zustimmungs- und Dankadresse für sein Verhalten in dem aufgelösten Abgeordnetenhause, mit sehr zahlreichen Unterschriften aus seinem hiesigen Wahlkreise übersandt worden. (Sehr gut; warum aber hat Herr Reichenheim, ebenso wie Herr Dr. Kasch, die beiden Abgeordneten jüdischen Glaubens, den Auslassungen des Mi-