Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 15 (8.4.1862)
- Date
- 1862-04-08
- Page
- Seite 179 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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» amten und Honoratioren unserer Stadt bis nach Mitternacht bewies deutlich, daß deren Worte der Anerkennung und des Lobes ernsthaft und warm aus dem Herzen kamen. Das Verdienst, dieses bewirkt und unsere Jugend nach Innen gehoben und ihr nach Außen Achtung verschafft zu haben, gehört dem wegen hoher Bildung und Gediegenheit des Charakters allgemein geachteten Herrn W. Ackermann, der die Seele des Ganzen ist. — Zwei Jahre älter als dieser Gesangverein ist der vom Unterzeichneten im Jahre 1855 gegründete „Israelitische Lesezirkel" mit dem Motto Tn« w, durch welchen bei einem Jahresbeitrag von wenigstens 2 Gulden, durch Cireulation jüdischer Zeitschriften und Bücher seinen 18 Mitgliedern Unterhaltung und Belehrung geboten wird. Allerdings sollte der Verein bei seinen schönen Zwecken*) stärker an Theilnehmern sein, aber „man muß die Stimmen nicht zählen, sondern wägen," sagte unser berühmter Moses Mendelssohn, und wir wollen lieber wenige und gebildete Mitglieder besitzen, als daß wir durch Anschaffung ungeeigneter Blätter uns in Gesinnung und Thaten fernstehenden Personen nähern und sie zu uns ziehen wollen. Es ist einmal rein unmöglich, daß Licht und Finsterniß sich gegenseitig vertragen können, und das ist auch gerade gut, weil dadurch ein Kampf stattstndet in der Welt, wo das Licht immer größere und schönere Siege erringt. — Mögen die Bestrebungen der beiden genannten Vereine, sich einander ergänzend, in Verbreitung von Bildung und Erkenntniß immer mehr hervortreten und das schöne Wort Göthe's in Erfüllung gehen: Gar fruchtbar ist der kleinste Kreis, Wenn man ihn recht zu pflegen weiß. — Louis Lehmann. Dresden, 31. März. (Privatmitth.) Die gestrige Nummer des „Dresdner Journals" bringt folgende ministerielle Bekanntmachung: Der am I.Juli 1861 allhier verstorbene Herr vr. Bernhard Beer hatte eine, auch an Seltenheiten reiche hebräische Büchersammlung hinterlassen, welche seine Witwe, Frau Bertha Beer geborne Bondi, nach *) Bei geringem Beitrage der Mitglieder und großen Leistungen des Vereins (6 gediegene jüdische und deutsche Zeitschriften, viele Broschüren und eine bis jetzt circa 100 Bücher betragende, kleine aber sehr schöne Werke enthaltende Bibliothek). Corresp. seinem Willen zu einem Theile der Universität Leipzig, zum andern Theile dem jüdisch-theologischen Seminar zu Breslau zum Geschenk gemacht hat. Nachdem nun die genannte Witwe den betreffenden Theil dieser Sammlung, wodurch der in der Universitätsbibliothek schon befindliche orientalische Bücherschatz und namentlich auch die specifisch jüdisch-talmudische Literatur wesentlich bereichert worden ist, vor Kurzem an den zur Uebernahme beauftragten Bibliothekbeamten ausgeantwortet hat, findet sich das Ministerium des Cultus und öffentlichen Unterrichts veranlaßt, diese Schenkung, zu welcher den edlen Geber insbesondere das Gefühl der Dankbarkeit und Anerkennung der den jüdischen Glaubensgenossen in der neueren Gesetzgebung des Königreichs Sachsen gewordenen Gleichstellung bestimmt hat, hiermit zu veröffentlichen und ebenso die von dessen Witwe bei Ueberlassung der Sammlung an den Tag gelegte edle Gesinnung dankbar anzuerkennen. Dresden, am 20. März 1862. Ministerium des Cultus und öffentlichen Unterrichts, von Falkenstein. Hehmann. Preußen. Magdeburg, 23. März. (Privatmitth.) Es besteht hier seit vielen Jahren ein „Verein junger Kaufleute", d. i. Handlungsgehülfen, der sich stets auf der Grundlage confessioneller Gleichachtung bewegte. Derselbe hat gegenwärtig eine Vereinigung vieler gleichartigen Vereine in Deutschland beregt und durchgeführt. Zu diesem Zwecke erließ er eine treffliche Broschüre: „Ein Wort über Vereinswesen aus dem Vereine junger Kaufleute zu Magdeburg. Magdeburg 1861." In derselben findet sich folgende Stelle: „Daneben empfehlest wir das Princip der Gleichberechtigung aller Confessionen, dem wir von jeher gehuldigt haben, und wir gestehen offen, daß wir mit Bedauern vernommen haben, wie einzelne wenige Vereine noch heut zu Tage Handlungsgehülfen mosaischen Glaubens ausschließen, und damit an mittelalterlichen Ideen festhalten, über welche die Zeit längst gerichtet hat. — Wenn irgend wo, so dürfen im Handel und folglich im Handelsstande niemals confessionelle Bedenken Platz greifen. Engherzigkeit im Handelsstande führt zur Unfreiheit