Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 15 (8.4.1862)
- Date
- 1862-04-08
- Page
- Seite 176 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3224737-3226310-3226326--20228-3249283- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
176 zweckmäßigen, künstlerischen Form nicht entbehren, soll sie einen wahrhaften Eindruck machen, soll sie wirklich belehren, überzeugen, ermahnen und erwärmen; der Text muß wirklich der Grundgedanke der ganzen Predigt sein, vernunftgemäß entwickelt werden und in jedem Theile der Predigt ganz oder theilweise wiedererscheinen. Dadurch wird dieser Text und dieser Grundgedanke bleibendes Eigenthum des Zuhörers, und das ist der beste Erfolg. Ich habe dann Fälle erlebt, wo Zuhörer nach 20 Jahren und mehr den Text und das Thema im Gedächtniß behalten hatten und darüber berichten konnten. Literarischer Wochenbericht. Frankfurt a. d. Oder, 9. März. „Die jüdische Geschichte in Lebensbildern." So betitelt sich das fünfte und letzte Heft des vom Lehrer Ludwig Stern in Freudenthal herausgegebenen „Deutschen Lesebuchs für israelitische Schulen" (Stuttgart bei-Hallberger), über dessen ersten 4 Hefte unsererseits bereits im vorigen Jahrgange dieser Zeitung (No. 21 und No. 48) referirt worden. — Und weil eben dieses geschehen, so wollen wir denn auch mit einem Referat über das nunmehr uns vorliegende fünfte Heft nicht Zurückbleiben. Seinen (vielversprechenden) Titel haben wir bereits genannt. Wir finden selbigen durchaus nicht gerechtfertigt. Aber wir würden selbst, wenn Herausgeber — mit Weglassung des Artikels — sein Büchlein schlechtweg „Jüdische Geschichte rc." genannt hätte, auch noch an dieser Benennung Anstoß genommen haben. Denn das vorliegende Merkchen soll die Geschichte unseres Stammes „vom Abschlüsse der Bibel bis auf die neuere Zeit" behandeln*). Wenn nun aber auch die „Jüdische Geschichte" mit dem „Abschluß der Bibel" noch nicht ab sch ließt, so thut sie dies doch gewiß mit der Auflösung des jüdischen Reiches durch die Römer, i. e. Zerstörung des zweiten Tempels (70 n. Chr.), — und was über unsere Schicksale „von da ab" berichtet wird, kann doch höchstens noch „Geschichte..der Juden", aber keineswegs mehr „Jüdische Geschichte" genannt werden. Die Juden in der Diaspora haben allerdings eine Geschichte^ eine außerordentlich große und merkwürdige Geschichte, — wie sie kein Volk auf Erden unter ähnlichen Verh ältnissen aufzuweisen .hat; — indeß ist diese außerordent- *) Vergl. Vorwort zu Th. V. lich große und merkwürdige Geschichte nicht viel zu sehr mit der Geschichte anderer Nationen, Völker und Staaten verflochtenals daß sie für sich noch den Namen einer „Jüdischen Geschichte" in Anspruch nehmen könnte?-- Gesetzt aber auchman würde dies Wortklauberei oder dergleichen nennen,— gesetzt auch, man würde, was in diesen Sätzen ausgesprochen, als nicht zutreffend befinden, — so war Herr L. St. doch nicht berechtigt, sein (187 Seiten starkes) Büchlein „Die jüdische Geschichte in Lebensbildern" zu betiteln, sondern hätte dasselbe höchstens unter dem umgekehrten Namen: „Lebensbilder aus der jüdischen Geschichte" *) in die Welt schicken dürfen. Und die Lebensbilder des Herrn Stern, — sie sind in der That Bilder voll Lebens, voll Kraft und Frische; denn sie sind Meistern, wie Jost, G r a e tz, P h i l i p p s o n rc.*") entlehnt. Indessen, wenn wir s o l ch e Quellen benützen, — und es unser Zweck ist, ein „Lehr- und Lesebuch für die Jugend" zu liefern, — so müssen wir vor Allem den Stoff gehörig zu verarbeiten wissen, d. h, wir müssen verstehen, alles T>aS, was wir benutzen, den Kindern m und recht zu machen. Und wenn wir das verstehen, so müssen wir uns auch die Mühe geben, es überall gewissenhaft durchzuführen. Beschränken wir uns aber auf das bloße W ä h l e w, d. h. auf Streichung Dessen, was uns überflüssig, und Abschreiben, wörtliches Abschreiben Dessen, waS uns nothwendig erscheint, so werden wir nimmer unfern Zweck erreichen; wir werden allerdings ein Buch „machen", aber es wird am wenigsten eines „für die Jugend" sein***). Männer, wie Jost, Graetzrc., haben *) Weiter enthält auch das Buch nichts — und das ist auch ganz genügend. Denn, nicht zu vergessen, Herausgeber wollte ja kein Lehrbuch der Geschichte, sondern nur ein Lesebuch für die Jugend in nachbiblisch-geschichtlichem Gewände liefern. Und dieser Zweck ist (abgesehen von den Mängeln, die wir zu rügen uns erlauben) vollkommen erreicht. **) Außer den genannten 3 Autoren, — unter, denen Graetz am häufigsten (llmal) benützt ist — gehören noch das „Jüdische Volksblatt" und der „Jüdische Ehrentempel" zu den Quellen, aus denen Herausgeber vorzüglich geschöpft hat. ***) Dasselbe ist unsererseits schon bei Elkan gezeigt worden. Vergl. die 4te Anmerkung zu unserem Referat über dessen „Leitfaden beim Unterricht in der Geschichte der Israeliten" in No. 31 des vorigen Jahrg. (S. 44). — Ad vocera Elkan sei uns aber hier eine beiläufige