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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-04-08 · Heft 15 (8.4.1862) · p. Seite 175

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 15 (8.4.1862)
Date
1862-04-08
Page
Seite 175 (sequence 3)
Language
German
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175 Neligionsschulen. Man hat ein Gesetz gewünscht, weil die größere Zahl der Gemeinden durch die That erwiesen hat, , daß sie nicht Energie und Borurtheilslosigkeit genug haben, um diesen hochwichtigen Gegenstand selbst zu ordnen. Alles aber, was. ein Gesetz zu geben vermag — ausgenommen die Brosamen der Geldunterstützung - könnt Ihr allein fertig bekommen, und kann statutarisch, und contractlich so festgestellt werden, daß es volle rechtsgültige Kraft hat. Beweiset also, daß es Euch nicht an Energie und Borurtheilslosigkeit fehlt. Ein Hauptmoment ist dabei die Stellung der Lehrer. Man legt in unserer Zeit so großes Gewicht auf die in den Regierten verbreitete Unzufriedenheit und will sie durchaus berücksichtigt sehen. Aber im eigenen Kreise setzt man sich darüber hinweg und hält sie für nicht beachtenswerth. Die allgemeine Unzufriedenheit der jüdischen Lehrer, der häufige Uebergang derselben zu einer anderen Laufbahn und die Geringzähligkeit Derer, die sich diesem Berufe widmen und zu ihm heranbilven, sind Thatsachen, welche nur die Lauheit der jüdischen Gemeinden ohne ernste Erwägung läßt. Daß diese Unzufriedenheit zugleich aber auch für die Wirksamkeit des Lehrers ein sehr störendes Moment ist und die freudige Regsamkeit mindert, welche allein in diesem Berufe nachhaltige Erfolge bedingt, wer sähe dies nicht ein? Die definitive Anstellung, deren vermeintlichen Nachtheilen indem Contracte oder schon in den Statuten leicht vorgesehen werden kann, und ein auskömmlicheres Gehalt sind unabweisbar geworden, wenn der jüdische Lehrstand bestehen bleiben und den Anforderungen der Zeit genügen soll. Schon vor 25 Jahren erhoben wir diesen Mahnruf; er blieb unbeachtet, und die Folgen zeigen sich jetzt täglich. Mag er nicht jetzt abermals wirkungslos verhallen! Zerstreute Bemerkungen. Wir haben Veranlassung, aufmerksam zu machen, daß über die Autorschaft des vielbelobten Gedichtes: „Hagb aha "immer noch ein Irrthum stattfindet. Dasselbe ist nicht'von i)r. Nießer, sondern von dem seit Beginn dieser Zeitung bewährten Correspoydenten unseres Blattes, M. M. Haarbleicher in Hamburg verfaßt. Die Irrung entstand, weil das Gedicht zuerst und ohne Unterschrift des Verfassers in. Rießers „Jude" erschien. In jedem jüdischen Lesebuch, in jeder Gedichtsammlung erscheint diese Hagbaha mit Rießers Namen. Sicherlich würde dieser gewissenhafte Wahrheitssreund die Autorschaft längst abgelehnt haben, wenn er — darum wüßte. In Dr. KahserlingS Biographie Mendelssohns wird S. 56 berichtet, wie neugierig man bei Hofe war, „den Juden kennen zu lernen, der deutsch redete und deutsch schrieb". Wir haben jüngst aus den Tagebüchern Varnhagens aus dem Jahre 1845, also 90 Jahre später, mitgetheilt, welches Aufsehen es erregte, daß die in Frankfurt am Main versammelten Rabbinen so correct deutsch sprächen. Man sieht, welche lange Zeit dazu gehört, um ein vorhandenes Borurtheil zu beseitigen! Die in diesem Blatte öfters gemachten homiletischen Bemerkungen haben sich einigen Beifalls zu erfreuen gehabt, und man bittet uns, mit dergleichen Bemerkungen fortzusahren. Weniger bedürfen die jüdischen Prediger selbst dergleichen Beobachtungen, als sie vielmehr dem größeren Publikum Das zum Bewußtsein bringen sollen, was Noth thut, diejenigen Regeln, welche zu einer gerechten Beurtheilung führen. Dadurch werden dann die Redner selbst genöthigt, aufmerksamer zu sein, und das ist schon Erfolg genug. Eine Nachlässigkeit, oder sagen wir Mangelhaftigkeit, hat sich uns bei vielen jüngeren Predigern gezeigt, welche sich die jetzt ältern jüdischen Kanzelredner nicht zu Schulden kommen ließen. Es ist dies, daß sie ihren Predigten gar keinen eigentlichen Bau, keine Disposition, keine logische Abtheilung zu geben suchen, daß jene dadurch nur eine Aneinanderreihung von nicht immer eng zusammenhängenden Gedanken werden, und somit für die Zuhörer alle Durchsichtigkeit und Ueberschaulichkeit und damit das wesentliche Resultat verlieren. Der Text wird an die Spitze gestellt und als ein Ausgangs- oder Anknüpfungspunkt betrachtet, dann aber erscheint er nicht wieder und ist vergessen, lange, ehe die Rede zu Ende ist. Wir sind fern von aller Künstlichkeit und Künstelei; auch uns erscheint es zweckwidrig, wenn, eine Predigt fünf oder sechs Abtheiluugen, jede etwa mit noch einigen Unterabtheilungen, enthält; das ist dann wieder ein Labyrinth, worin sich der Zuhörer verliert. Aber ganz widerwärtig ist uns das Gebühren mehrerer jüngerer jüdischer Prediger, welche es für ächt jüdisch auSgeben, ihre Predigt ganz ohne logische Disposition zu einer compacten Masse zu machen, in welche sie so viele Gedanken und Einfälle, wie sie gerade oder überhaupt haben, mit möglichst vielen Bibel- und Midraschstellen hineinzwängen. Nein! die Predigt kann einer 15*

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