Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 14 (1.4.1862)
- Date
- 1862-04-01
- Page
- Seite 167 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3226310-3226325--20218-3249272- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
167 . prinetp iell■, wie ich hoffe, in nicht zu ferner Zeit ihre Lösung finden wird." Wir sind also, nach dieser , staatsministeriellen Antworte nicht um einen Schritt weiter gekommen als früher, denü'principiell und factisch hat die öffentliche Meinung diese Frage längst entschieden; leider aber handelt es sich hier um eine Frage, bei welcher ausschließlich die Juden interessirt sind, und da sind wir es gewohnt, die Verheißungen, die uns von maßgebender Stelleund zwar nur in Folge eines Druckes von. außen her — zugeworfen werden, , in vorsichtigen, elastischen Verklausulirungen zu vernehmen, und das ist die Enttäuschung, um die wir reicher, und die Hoffnung , um die wir nun ärmer geworden. —- . Zu dieser Bemerkung veranlaßt den Schreiber Dieses die Verfassungsfeier, die heute in vielen Synagogen begangen wird. — Die „Ostd. Post" begleitete diese Antwort mit der Bemerkung: „Herr v. Schmerling beantwortete die Mühlfeld'sche Interpellation... mit der Hinweisung auf eine bessere Zukunft, welche die Revision der jetzt gültigen Schulverfassung uns bringen soll. Wenn nur die gegenwärtige Generation diese bessere Zukunft noch erleben wird!" : Raab, den 9. März. (Privatmitth^) Anden vielen Wohllhätigkeits-Vereinen, die die Wiener Jsraelitengemeinde im Laufe der Jahre so großartig und großmüthig in's Leben rief und so menschenfreundlich und sorgfältig wahret und pflegt, haben sich in jüngster Zeit zwei neue angereihet, die die vollste Beachtung uno Würdigung und die allgemeinste Nachahmung verdienen. — Der Eine führt den Namen „Verein zur Unterstützung armer/mittelloser Studirender in Wien." — Dieser Verein zählt bereits 160 Mitglieder mit einem jährlichen Beitrage von Fl. 2000 ö. W. Der Zweck dieses Vereins zielt dahin, nicht nur Hörer der Medicin und der Rechte mit den nöthigen Rigorosen- und Promotionstaren zu versehen und Technikern Instrumente und Lehrbücher zu verschaffen, sondern auch, wenn er sich kräftig genüg fühlen wird, armen Studirenden Freitische bei israelitischen Traiteuren anzuweisen. Der zweite ist ein „Waisenverein", der eigentlich schon vor zwei Jahren in's Leben trat, am 26. Febrüar l. & sich förmlich constituirte und schon heute über ein Stammcapital von über Fl. 50,000 ö. W. verfügte. Von den Interessen dieser ansehnlichen Summe werden bereits 20 älternlose Kinder versorgt und zwar nicht wie gewöhnlich in einem gemeinschaftlichen Waisenhause, sondern, was vom pädagogischen und sittlichen Standpuncte aus vielleicht zweckmäßiger ist, in verschiedenen Häusern und in Händen intelligenter und gewissenhafter Waisenväter. Auch eine seltene Feier hat vorige Woche in einem sehr geachteten Familienkreise Wiens stattgefunden. Herr Moses Honig EÄer von Hönigsberg feierte seine goldene Hochzeit. Der Jubilar ist ein Neffe des berühmten Israel von Hönigsberg aus Prag, der schon vom Kaiser Joseph II. in den Adelstand erhoben wurde wegen seiner Verdienste, die er sich um den Tabakbau und um die Einführung des Tabak-Monopols in Oesterreich erwarb. Eine Deputation der Prager a-prr «©•np, welchem Vereine der Jubilar seit 30 Jahren angehört, kam nach Wien und gratulirte ihm im Namen des Vorstandes dieses Vereins. Söhne und Töchter, Enkel und Enkelinnen, Verwandte und Bekannte des Hochzeitspaares überraschten dasselbe mit Geschenken aller Art und vereinigten sich zu einem fröhlichen und heitern Mahle. Noch, eines schönen. Legats muß ich nach Bericht des Pesther Lloyd erwähnen. Herr Josef Rasovsky, Mitglied der israelitischen Gemeinde N. >Käll6er in Ungarn, testirte seiner Gemeinde einen Betrag von Fl. 5000. zur Gründung einer höhern Schule unter der Bedingung, daß die Gemeinde ein Jahr nach seinem Tode die andere hierzu erforderliche Summe beigesteuert haben müsse, widrigenfalls soll obiger Betrag zur Bohrung eines artesischen Brunnens auf dem Hauptplatze des Ortes verwendet werden. Da die Källöer Gemeinde im Voraus das Bewußtsein hegt, daß die Summe aufgebracht werden wird, so sind bereits ihrerseits alle nöthigen Vorkehrungen getroffen, um die Schule sobald. als möglich zu creiren, wobei der Grundsatz sestgehalten werden wird, daß die an dieser Anstalt anzustettenden Lehrer, mit Ausnahme eines einzigen, nicht gerade der jüdischen Confession anzugehören brauchen; nur müssen sie alle geborene Ungarn sein.— Warum widrigenfalls gerade einen Brunnen? Wahrscheinlich will der gute Mann für sein Geld ätout prix eine Quelle. Entweder eine Quelle für den Geist nach der bekannten Stelle o.-^n -iipy 'S nKV oder aber eine Quelle für den Körper. ., Viele Journale Wiens brachten eine betrübende Nachricht von Lemberg. Ein ganz nagelneues Ghetto ist dort