Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 14 (1.4.1862)
- Date
- 1862-04-01
- Page
- Seite 168 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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auferstanden. Der Classenvorsteher eines dortigen Gymnasiums, gr.-kath. Geistlicher, hat. für die in seiner Classe studirenden Israeliten eine eigene, ganz abseits stehende Bank errichtet. Der „vriennik polski“ begleitet dieses Factum mit folgender Bemerkung: „Dieses Factum richtet sich selbst und doch muß es an den Pranger gestellt werden in einer Zeit, wo Juden — Minister mächtiger Staaten sind und Sitz und Stimme in Parlamenten haben, welches letztere auch in Oesterreich der Fall ist." — Noch etwas Pikantes in diesem Genre kann ich nicht unerwähnt lassen. Die Beilage zur „Wiener Kirchenzeitung" No. 8 bringt eine Correspondenz von der Spree unter dem Titel: „Ein jüdischer Demokrat (Auerbach) mit einem monarchischen Orden." Wenn vr. Auerbach diesen Artikel zu Gesicht bekömmt, der, wie Alles, was aus dieser Officin hervorgeht, von Bosheit, Verdächtigung und Gemeinheit strotzt, so dürfte er schwerlich das darin Gesagte kaltblütig hinnehmen und auf sich beruhen lassen. I. M. Deutsch. Die Schweiz. Aus dem Aargau, 9. März. (Privatmitth.)- Das Bezirksgericht Zurzach hat die bei dem am 28. October v. I. stattgefundenen Judenkrawall in Cndingen betheiligten Christen angemessen bestraft. Die Juden, deren Häuser beschädigt wurden, erhalten Entschädigungen bis zu 20 Fr. und die Christen müssen überdies noch circa 800 Fr. Untersuchungskosten bezahlen. Nach Publication des Urtheils zogen die Verurtheilten vor das Gerichtshaus und brachten den Herren Bezirksrichtern eine Katzenmusik. Zürich, 4. März. (Privatmitth.) In der gestern stattgefundenen Großrathssitzung ist die Emäncipation der Juden mit Vorbehalt des Ortsbürgerrechts ausgesprochen. Frankreich. Paris, 18. März. Jacob Elias Fromental Halövy, ständiger Secretär der Akademie der schönen Künste, ist gestern gestorben. Er war schon seit längerer Zeit kränklich gewesen. Halövy war fast 63 Jahre alt. Am 27. Mai 1799 zu Paris geboren, trat er 1809 ins Conservatorium und erhielt 1819 den großen Preis für Compositum. 1827 wurde, im Theater Feydeau, der damaligen Opera Comiquezum ersten Mat eins Oper von ihm. aufgeführt, nämlich L'Artisan. Halvdhs bestes Werk war unstreitig die Jüdin, das ihn den besten französischen Componisten gleichstellte. 1833 wurde er zum Mitglied der Akademie der schönen Künste erwählt, die'ihn 1854 zu ihrem ständigen Secretär ernannte. (Wir fügen dieser biographischen Noch hinzu, daß Halövy auch ein reges Interesse für seinen Glauben sich bewahrte, und viele. Jahre hindurch Mitglied des israelitischen Centralconsistoriums war. Auch hat er — sich von Meyerbeer ehrenvoll unterscheidend, verschiedene Compositionen für die Synagoge geliefert, die in dem Werke des Herrn Naumbourg abgedruckt sind. Redaet. d. A. Z. d. Jud.) Rußland. Aus LiLthauen, Mitte März. (Privatmitth.) Nach meinem letzten Berichte, welchen Sie in No. 41 vorigen Jahrganges veröffentlicht haben *), ist nichts Wesentliches in unsrer Gegend geschehen. Von Seiten unsrer Widersacher schwebt allerdings noch ein Damoklesschwert üher unserm Haupte, aber die Sache hat in ihrem Gründe keine Aenderung erlitten. Unsre Lage ist indessen sehr mißlich, wir stoßen überall auf Feindschaft, besonders seitdem man uns einige Rechte eingeräumt hat (yon welchen Sie gehört haben werden). Unsre Bevölkerung scheint noch immer sich mit dem Gedanken nicht befreunden zu können, daß der bis jetzt verachtete Jude nun einen Platz in ihrer Mitte einnehmen solle. Man läßt uns schnöde Witze hören, wandernden Theatern komische Scenen aus dem jüdischen Leben aufführen. Der polnische Adel soll es darauf abgesehen haben, den jüdischen Handel (für jetzt die einzige Branche, worauf wir zurückgewiesen sind) zu stürzen, indem man in größer» Städten Universalläden aufschlagen ließ, in welchen man den jüdischen Klein- und Großhändlern Concuxrenz eröffnet. Daß auch überhaupt nicht der Geist der ächten Toleranz in unserm Lande waltet, können wir aus den Kämpfen ersehen, welche mtfer Zion zu bestehen hat. Eine wackere und vielgelesene russische Zeitung, Syn otetschestwa (Sohn des Vaterlandes), nimmt sich unsrer Sache lebhaft an, während viele übrige — darunter auch osficielle — sich ganz indifferent stellen. *) Man sehe auch George Westermanns „Unsre Tage" m. S. 60.