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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-04-01 · Heft 14 (1.4.1862) · p. Seite 163

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 14 (1.4.1862)
Date
1862-04-01
Page
Seite 163 (sequence 7)
Language
German
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die Spitze der Cultusverwaltung getreten. ... Mit dem Namen v. Mühler tauchen in der Brust des evangelischen Christen trübe Erinnerungen auf; dieser Name ist mit der Periode der schwersten Bedrängnisse von 1850 bis 1858 unlöslich verflochten. Mit seinem Freunde Stahl gehörte er zu der confessionellen Minderheit des Oberkirchenraths, welche damals das gesammte evangelische Kirchenwesen nach allen Richtungen umzugestalten unternahm. ... Wir erwarten von dem neuen Cultusminister, daß er nach seinem bekannten alten Programm regieren werde, und sind damit abermals in die Principien der Raumer'schen Verwaltung zurückversetzt." Die israelitische Äibel -Anstalt. Zweite Spende der Gemeinde Lengenau in der Schweiz 20 Frcs. ----- 5 Thlr. 10 Ngr.— Gesammtfuntme 5854 Thlr. 3 Ngr. 2 Pf. Literarischer Wochenbericht. Magdeburg, 12. März. Leichenreden von Benedict H a u se, Lehrer zu N e u k i r ch e n. Frankfurt a. M., 1861.—Der Verfasser bemerkt mit Recht, daß die Leichenreden in der jüdisch-homiletischen Literatur noch sehr wenig vertreten sind. Wir erinnern uns, außer einzelnen solcher Reden dergleichen allein in unserm „Predigt- und Schulmagazin" (2. Auflage, Baumgartner 1554) und in den 3 Bänden unseres „Siloah" begegnet zu sein. Der Verf. hat daher ganz recht gethan, diese Sammlung von 18 Leichenreden zu veröffentlichen, und freuen wir uns, dieselben gerade aus der Hand eines Lehrers entgegenzunehmcn. Wenn nun in ihnen kein außerordentlicher Gedaukengang und höherer Aufschwung enthalten ist, so sind sie doch an Inhalt und Form sehr angemessen, und verfehlen ihren Eindruck auf die Gemüther der Leidtragenden nicht. Wir können sie daher bestens empfehlen. — Eine sehr würdige, in Sprache und Gedanke sehr wirkungsreiche Leichenrede finden wir auch in: „Ein Wort der Wehmuth und des Trostes von Jakob Eisner, Rabbinatsverweser in Agram" (Agram, 1861), ein Wort, welches den Hinterlassenen des gefeierten Todten, Herrn Melchior Schreyer, gewiß zum Trost gereichte. — — Die vielen neuen Synagogen, die jetzt in allen Landen gebaut werden, bringen selbstverständlich auch eine Menge Einweihungsreden in die Oeffentlichkeit. Es liegen uns deren im Augenblicke aus Köln von Dr. Israel Schwarz, aus Santomy'sl von Dr. A. Cassel lSchwerin a/W.), Golc Ienikau von S. Friedmann (Teschen), aus Warasdin von Hirsch B. Fasset (Groß - Kanischa), sämmtlich aus dem Jahre 1861 vor, Predigten, die, jede in ihrer Art, ihr Verdienstliches haben und immer wieder Zengniß ablegen, daß die jüdische Homiletik in den letzten Jahren zwar keine besonders auszeichnenden Fortschritte gemacht, sich aber doch auf der früher erlangten Höhe zu erhalten weiß. — —. Das „SERag. f. Lit. d. Ausl." enthält in seiner jüngsten Nummer (12) folgende Notizen: Hebräische Inkunabeln. Die Bibliothek des jüdisch-theologischen Seminars zu Breslau besitzt, wie der gelehrte Direktor des letzteren, Herr Oberrabbiner Dr. Frankel, in einem kürzlich von ihm gehaltenen Vortrage sagt, mehrere der unmittelbar nach Erfindung der Buchdruckerkunst gedruckten hebräischen Werke. Bereits in älterer Zeit hatten hebräische Werke in zahlreichen Abschriften cursirt, ja, es ist erstaunenswerth, wie schnell oft solche Werke, unmittelbar nach ihrer Abfassung, bis in die entferntesten, von Juden bewohnten Länder der Erde Verbreitung fanden und in welcher Mannigfaltigkeit solche Exemplare vorhanden waren. Bald nachdem die große Erfindung Guttenbergs bekannt geworden war, nahm der hebräische Buchdruck einen außerordentlichen Aufschwung. Der ausgeprägte schöne Druch^und die ungemein genaue Correctur der hebräischen Inkunabeln erfüllen den bibliographischen Kenner solcher Erzeugnisse mit wahrer Ehrfurcht und Freude. Vorzugsweise gilt dies von einem zu Piave da Sacco im I. 1475 gedruckten „Choschen Mischpat“ uitb,,Eben llaöser", ferner von mehreren zu Soncino, Ferrara, Mantua, Casalmaggiore und Neapel im 15. Jahrhundert gedruckten, hebräischen Büchern. Es befinden sich darunter nicht blos theologische, sondern auch Werke philosophischen und allgemein wissenschaftlichen Inhalts, wie die Rhetorik des Rabbi Iehuda, genannt Messer Leone, die zu Mantua 1475 erschien, des Maimonides „Führer der Irrenden" (ebenfalls vor I486 gedruckt^ das Geschichtswerk des Joseph Gorionides, genannt „Josippon" u. A. Bemerkenswerth ist dabei, daß auch in solchen Ländern, wo die Kunst der Buchdruckerei erst sehr spat sich ausbreitete, diese doch von gelehrten Juden bereits in früher Zeit, und zwar in größerem Umfange, geübt wurde. Zu Konstantinopel und Salonichi bestanden schon im 15. Jahrhundert jüdische Buchdruckereien. Die Türken selbst ließen die Buchdrucker-

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