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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-04-01 · Heft 14 (1.4.1862) · p. Seite 161

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 14 (1.4.1862)
Date
1862-04-01
Page
Seite 161 (sequence 5)
Language
German
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161 Mitglied dieselben kirchlichen Rechte und wird er weder wegen derartiger Gesetzübetretungen auch nicht, wie dies z. B. bei den Katholiken der Fall ist, öffentlich zur Rede gestellt, noch ist ein Rabbiner je berechtigt, ihm dafür einen Verweis zu geben. Ich weiß demzufolge nicht, was Dem im Wege stehen sollte, den Israeliten den Zutritt zu einem Docentenposten zu gestatten, zumal da dies factisch bereits in so vielen Ländern stattfindet. (NB. Hier werden,im Originale alle berühmten Israeliten namentlich angeführt, die bereits zur Zeit der Abfassung dieses Gutachtens in den verschiedenen Ländern als Profefforen und DoceNten eine Anstellung an Universitäten gefunden.) Nach allem Angeführten wird es einleuchtend fein, daß die Natur der Sache wie die sactischen Aufklärungen die weitere Behandlung der Frage absorbiren. Die kurze Zeit, die mir nach dem Wunsche Ew. Hochwohlgeboren neben mannigfachen amtlichen und andern Geschäften zur Abfertigung dieses Gutachtens gelaffen worden, mag es entschuldigen, wenn ich meine Gedanken nicht ausführlich und concis genug in einer gewählteren Sprache dargestellt habe. Mit tiefer Hochachtung habe ich die Ehre zu zeichnen Kopenhagen, den 14. Februar 1843. Ew. Hochwohlgeboren ergebenster V.-.A.A. Wolfs. Preußen. Magdeburg, 24. März. Wir schätzen uns glücklich, bei dem Umschwünge der Dinge, der offenbar in Preußen wieder einmal eingetreten, über die Vorgänge nicht politisiren zu müssen, um mit vielen Worten eine Situation zu zeichnen, die an sich so klar ist. Wer wüßte es nicht, daß in Preußen eine reaetionäre Partei, bestehend aus dem hohen und nieder» Adel und den Priestern der verschiedenen Kirchen, dem liberalen Volke gegenübersteht, daß nun die Krone eine Zeit lang dem letzteren sich etwas geneigt zeigte, bei dem ersten Schritteaber, wo es sie ernsthaft beim Wort zu nehmen begann und dem Verlangen nach erhöhtem Militärwesen nicht nachgeben wollte, auf'die Seite der Reaction zurückkehrte. Es wird sich daher nur darum handeln, w i e w e i 1 der Reaction wieder Folge gegeben wird, wie weit die Mittel und Wege des Manteuffel'schen Regiments wieder in Praxis treten werden. Was uns Juden betrifft, so hat uns bekanntlich die „neue Aera" so wenig gebracht und nichts weiter versucht, als uns mit einer allgemeinen Phrase abzuspeisen, als daß wir vor der „allerneuesten Aera" ganz besonders zurückzuschrecken brauchten. Wenn Herr von Jagow wirklich durch Interpretation die Paar jüdischen Rittergutsbesitzer wieder aus den Kreistagen herausbugsiren würde , die der Graf Schwerin mit so großem Eclat hineinbugsirte, oder dem jüdischen Schulzen die Last seines Dorfregiments wieder abnähme, die der bisherige Minister des Innern auf seine Schultern gelegt, so wäre das ja wohl Alles, was für die Juden als solche den neuen Zustand der Dinge bezeichnen möchte. Oder sollte das gegenwärtige Ministerium durch die Consequenzen gezwungen werden, noch hinter die Westphal'- sche Zeit zurückzugehen und ein Wahlgesetz mit Unterschieden von Ständen und Confessionen heranzubringen? Wir können dies nicht voraus wissen. Jedenfalls müssen wir uns überzeugt halten, daß, je öfter eine Zeit kömmt, wo freisinnige und gerechte Grundsätze vorherrschen, desto mehr stärken diese sich, desto kraftloser wird die Reaction, und wenn diese gerade deshalb, gerade wegen ihrer Hohlheit und Schwache zu desto gewaltsameren Maßregeln greift, so kann sie sich um so weniger halten und muß dem concentrirten Volkswillen und den drängenden Zeitereignissen weichen. Zuletzt ist Alles im Besonderen an gewisse Menschen geknüpft, deren Tage gezählt sind. Daher hinweg mit jeder Muthlosigkeit! Je ruhiger und entschlossener die Dinge von Seiten des Volkes ausgenommen werden, desto sicherer müssen alle auf dieses abgeschoffene Pfeile zürückprallen und ihre Schützen verwunden. Denken wir stets an das Wort des Propheten Ieschajah: „Wird denn ein Volk an einem Tage geboren?" Gegen jede neue Entwickelung, die in kurzer Zeit und ohne Kampf vor sich geht, müssen wir von vornherein mißtrauisch fein; je länger aber der Kampf einer neuen Gestaltung gegen das verlebte Alte dauert, ohne daß die erstere die Kraft und Hoffnung des Sieges verliert, desto großartiger und für desto längere Zeit wird der Bau. Im Einzelnen haben wir unter den abgetretenen Ministern höchstens den Grafen Schwerin zu bedauern, der cs ehrlich und ernstlich mit dem Art. 12 der Verfassung gemeint. Wenn Herr v. Bethmann-Hollweg der einzige der reactionären Minister war, welcher seinen Abschied nahm und erhielt, und zwar noch zu der Zeit, wo die Demission der liberalen Minister nicht angenommen wurde, so ist es gestattet, vorauszufetzen, daß dabei ganz eigen-

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