Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 13 (25.3.1862)
- Date
- 1862-03-25
- Page
- Seite 155 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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155 3. Jänner mit meiner Tochter in Jpoly-Ssgh vor Gericht stehen werde, wo ich auch, meine Tochter zu sehen erwartend, pünktlich erschienen bin; ich hörte aber dort zu meinem größten Leidwesen, daß die Tagsatzung vertagt wurde; — mittlerwelle ist schon am nächsten Sonntag, d. i. am 5. Jänner a. c., die Taufe vollzogen worden, — ungeachtet dessen, daß meine Tochter erst am 27. December in das Haus des Herrn Pfarrer gekommen ist. — Bei der Ceremonie hat der betreffende Herr Oberstuhlrichter als. Taufpathe fungirt. . . . Das „schöne gebildete Fräulein" (mit Bezug aus den falschen Bericht des kesti Naplö, s. Anm.), die „Dame", welche dem Herrn Oberstuhlrichter vis-a-vis durch ihren „mit schönen Ausdrücken gezierten Vortrag eine nicht alltägliche Bildung verrieth", ist nichts anderes, als ein leider in Folge körperlichen Leidens auch , geistig verwahrlostes Geschöpf, welches in keiner Sprache je den Unterricht im Schreiben oder Lesen genossen hat, sondern sein ganzes Leben mit den alltäglichen, prosaischen, häuslichen Beschäftigungen ausfüllte. Ebenso verhält es sich mit der im Geiste des.Correspondenten des „kesti-Mplo" vorhandenen „getauften Schwester", .welche jetzt in „glücklicher Ehe" lebt. Das Mädchen hat in Wahrheit keine getaufte Schwester, sondern eine entfernte Verwandte, die getauft ist, aber nicht in glücklicher Ehe, sondern im Concubinat lebt, und zwar in der ersten Zeit nach ihrer Taufe mit einem Chizmenmacher, gegenwärtig mit einem gewissen L. in Szobb. Diese Aussicht auf „den heiligen Bund der Ehe" steht auch wahrscheinlich dieser Unglücklichen bevor. — Schließlich erlaube ich mir noch zu bemerken, daß der Herr Pfarrer Josef Mezey in der evangelischen Religion geboren wurde und zur katholischen Kirche übergetreten ist." Dieser Brief ist datirt: B. Gharmath, 27. Jänner 1862 und untexschrieben : Jacob Steiner. Iglau (Mähren), 5. März. (Privatmitth.) Der „Presse" wird von hier folgendes mitgetheilt: „Den in Iglau wohnhaften Israeliten, nahe an 160 Fami-' lien, welche bis jetzt blos einen Cultus-Verein bildeten, wurde von Seiten des. hohen Staatsmimsteriums das Recht der Constituirung ertheilt. Es ist dies ein erfreuliches Zeichen des Fortschrittes, da die in Mähren bestehenden alten priviligirten Religions-Gemeinden den veränderten politischen Verhältnissen durchaus nicht mehr entsprechen. Es wäre überhaupt wünschenswerth, wenn die etwas derouten jüdischen Cultus-Angelegenheiten einer gedeihlichen Regelung zugeführt und zu diesem Zwecke von Seiten der Regierung freigewählte jüdische Notabelnversammlungen veranlaßt würden." Frankreich. Paris, 15. März. Zum Bau zweier neuen Synagogen in Paris, die auf drei Millionen veranschlagt sind, wurde in der letzten Sitzung des israelitischen Consistoriums eine halbe Million freiwilliger Beiträge gezeichnet, darunter vom Hause Rothschild 200,000 Francs, vom Hause Kane 45,000 Francs. — Bei den Debatten des gesetzgebenden Körpers über die römische Frage machte der ultmmontane Keller dem Israeliten Königswarter den Vorwurf, daß er unglimpflich vom Papste gesprochen. Herr Königswarter replicirte, daß es im gesetzgebenden Körper keine katholischen und keine israelilischen Abgeordneten, sondern nur französische gebe, und daß er nicht dem Oberhaupte der katholischen Kirche, sondern nur der weltlichen Herrschaft des Papstes entgegengetreten sei. (Auch wir wünschen aufrichtig, daß sich unsere Glaubensgenossen zu aller Zeit und an allen Orten der Verletzung oder gar Beschimpfung dessen, was Anderen heilig ist, auf's Sorgfältigste enthalten. Indessen fällt Einem hier unwillkührlich die Behandlung der römischen Juden seitens des Papstes und seiner Regierung ein, und wer wollte es einem Israeliten, wenn er sich z. B. der Ohrfeige erinnert, die jedes Jahr öffentlich im Namen des Papstes dem ersten Vorsteher der jüdischen Gemeinde gegeben wurde, verdenken, wenn er seinem Herzen einmal Luft machen sollte?! Die Redaction d. A. Z. d. Jud.) Italien. Neapel, im Februar. (Privatmitth.) Das in voriger Nummer erwähnte Programm lautet: „Die Stadt Neapel enthält eine große Zahl von Familien, die der israelitischen Religion angehören, und indem sie aus verschiedenen Theilen Europa's zusammengekommen sind, befinden sich die einen, die sich dem Handel gewidmet haben, schon lange Zeit hier, die anderen aber, deren Niederlassung erst kürzlich geschehen ist, sind zu RegierungSämtern berufen. Dank der religiösen Toleranz, die von jetzt ab ein Theil der Gesetze