Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 13 (25.3.1862)
- Date
- 1862-03-25
- Page
- Seite 153 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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153 ner Zeit in den betreffenden Kreisen Sensation erregte. Das Werk führt den Namen: „Die Erwerbsquellen des böhmischen 'Erzgebirges." — Meines Wissens fungiren jetzt an drei verschiedenen Handelskammern Oesterreichs Israeliten als Präsidenten, und zwar Herr Dormitzer in Prag, Herr Ritter v. Morpurgo in Trie st und Herr Mayer Kalir in Brody. — Die vereinigten Judenschaften Böhmens schrieben, einen Concurs aus zur Besetzung acht von ihnen gegründeter Stipendien und zwar für zwei Rabbinatscandidaten mit einer jährlichen Unterstützung von je: 400 Fl. öst. W. und für sechs Lehramtscandidaten mit einer jährlichen Unterstützung von je 200 Fl. öst. W. Wer da weiß, welche Widerwärtigkeiten aller Art ein Lehramts - oder Rabbinatscandidat hinsichtlich seiner Existenz während seiner Studienzeit zu überwinden hat, wird einen derartigen Act der Humanität in seinem vollen Umfange zu würdigen wissen. Zu wünschen wäre, daß die Gemeinden aller Kronländer diesem Beispiele folgen möchten. — In Lemberg starb unlängst Herr Dr. Klemens Kalischer, Primärarzt des israelitischen Spitals daselbst. Die akademische Jugend jüdischer und christlicher Confession trug die Bahre; der Gemeinderath, dessen Mitglied der Verstorbene war, erschien in corpore, viele Professoren und Mitglieder anderer Corporationen schlossen sich dem Leichenzuge an. Bei der allgemeinen Calamität, womit in den ersten Tagen dieses Monats viele Kronländer, vorzüglich Wien, durch die plötzliche Ueberschwemmung heimgesucht wurden, wetteifern alle Classen der Gesellschaft in Linderung des allgemeinen Elends. Wien spendet mit vollen Händen nach allen Richtungen; auch unsere Glaubensgenossen Wiens lassen sich in dem Punkte nicht übertreffen. Herr Wilhelm Frankl, Gemeinderath in Wien, hat zu diesem Behufe eine Sammlung eingeleitet und hat bereits' dem Präsidium des Wiener Magistrats einen Betrag von über 12,000 Fl. übergeben. Deutsch. Krakau, im März. (Privatmitth.) Sie wissen, daß jetzt hier die der Civilisation huldigende Minorität der Gemeinde sich einen Tempel gebaut hat, um den Gottesdienst mit Choral und Predigt in würdiger Weise zu feiern. Wie überall wird dieses Bestreben von der noch Lei Weitem größeren orthodoxen Partei sehr scheel angesehen, wozu freilich der Umstand beiträgt, daß diese von jener eine schärfere Controle in den Gemeindeangelegenheiten befürchtet. Es werden daher bereits die gewöhnlichen Mittelchen in Cours gesetzt, die aufgeklärten Juden als politische Revolutionäre zu denunciren, was jedoch bei dem jetzigen Regime nicht verfangen wird. Einen Gegenbeweis lieferte der neue Tempel durch die ausgezeichnete Feier, welche am 26. Februar, als am Tage, wo unser Kaiser die Constitution verliehen, darin stattfand. Choräle, von Herrn Schönberg, einem Schüler des Prager Conservatoriums, mit Talent componirt, und die geistreiche Predigt des Herrn Mises machten den tiefsten-Eindruck. Der Letztere führte aus, daß zwischen der specisischen Stellung des Juden und dem Universalismus des Menschenthums die richtige Vermittelung in der Ausübung aller bürgerlichen Tugenden liege, welche schon in den ursprünglichsten Vorschriften des Mosaismus ihre Begründung haben. Vor solchen Beweisen patriotischer Gesinnung und richtiger Erkenntniß werden alle Versuche der Verläumdung scheitern. Ar. E. Aus Ungarn, 2. März. (Privatmitth.) Die unangenehme Affaire in dem Pesther Tempel ist Ihren Lesern bekannt. Wir ergreifen diese Gelegenheit, ein Wort über unsere Ober- und Untercantoren, wie dieselben sich vornämlich in Ungarn geriren, zu seiner Zeit zu sprechen. So mißlich es ist, über einen ganzen so ehrenhaften Stand abzuurtheilen, da es sehr viele ehrende Ausnahmen giebt, so ist es einmal doch Zeit die Mißbräuche offen zu rügen. Bekanntlich haben die alten Rabbinen die Chasanim oft in ihren Werken angegriffen und der gelehrte Prager Vorsteher M. I. Landau hat in Aruch, s. v. Chasan, besonders manches beherzigenswerthe Wort darüber gesprochen. Aber leider die Cantoren, die meist nur nothdürftig hebräisch lesen können, sind dadurch nicht besser geworden und sie haben wohl manchen alten Fehler abgelegt, allein dafür zehn neue sich angeeignet. Und wahrlich , wenn , man die Zustände genau betrachtet, so sieht man, daß die Cantoren größtenteils nichts als Opernsänger sein wollen und die Synagoge als Bühne betrachten. Wir haben Ober- und Untercantoren , die die Heldenrollen übernehmen und Statisten, die zur Abwechselung dienen u. s. w. u. s. w. Kaum ist das Kadisch bei Mussaf zu Ende, so schreitet Herr Fr. gravitätisch und mit vielen Bücklingen vom Arnud, Betpulte, weg, und ein Statist tritt auf, um die Rolle fortzusetzen u. s. w. — Zwischen Schachrith und Mussaf wechseln die Rollen noch häufiger!! Die kleinen Leutchen auf dem Lande 13