Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 13 (25.3.1862)
- Date
- 1862-03-25
- Page
- Seite 151 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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151 und vielseitige Studien, wovon nicht blos seine Uebersetzung der Apokryphen, seine Beiträge zu Geiger's theologischer Zeitschrift, Fürst's Orient und besonders Stein's Volkslehrer, sowie viele amtliche Gutachten in den Archiven Zeugniß geben; sondern auch eine in Manuscript hinterlasfene Übersetzung des Iosephus mit einem gründlichen und gelehrten Commentar in lateinischer Sprache. So unersättlich aber sein Wissensdurst und so rastlos seine Thätigkeit war, so anspruchslos und bescheiden war er in den äußeren Verhältnissen. An dem Spruch sesthaltend: rtfDD wen., bs, suchte er keine glänzende Stellung, trotzdem er unter seinen Collegen als Stern erster Größe glänzte; und, ungeachtet seiner laugen Dienstzeit und der harten Kämpfe, welche ihm die Nothwendigkeit, eine zahlreiche Familie mit kärglicher Besoldung zu erhalten, auferlegt, hat er nie eine Erhöhung seines Gehaltes verlangt*). Er hat aber auch die Seinigen leben gelehrt, wie sich seine Gattin einmal ausdrückte, Seinen Söhnen gab er eine wissenschaftliche Reife, schickte sie dann noch auf höhere Schulen, und hätte sie alle mit den schwersten Opfern dem Dienste der Wissenschaft gewidmet, wenn nicht bis jetzt die praktische Laufbahn den Israeliten in den meisten Richtungen verschlossen gewesen wäre. Die sittliche Kraft, die den in seiner Einfachheit erhabenen Seelenhirten sein ganzes Leben hindurch geleitet und in allen Mühseligkeiten gestärkt hat, ist ihm auch in der unerwartet hereingebrochenen letzten Krankheit treu geblieben. Eingedenk des -[rv'nb in ließ er seinen ältesten Sohn zu sich berufen, übertrug ihm mit sokratischem Gleichmuth die Tröstung der Mutter und die Sorge für die Schwester, und — starb D-omfinb «mai D^r<b2b Zu seinem Leichenbegängniß strömten alle Bewohner des Ortes und der Umgegend herbei, um dem allgemein verehrten Manne die letzte Ehre zu erweisen, und die Rede zu hören, welche Rabbiner Traub aus Burgk vor offener Synagoge hielt. Letztere war, wie die ganze Gemeinde, in Trauer gehüllt. So ist ein seltener Mann von uns geschieden, dessen Namen die Geschichte des Judenthums mit Verehrung nennen wird. *) Gutmann folgte darin ganz seinem Vater, dem verehrten R. Iomtob Gutmann zu Bayersdorf, welchem viele Rabbinen der Neuzeit Erziehung und Unterricht verdanken. Oesterreichischer Kaiserstaat. Aus der Theißgegend, Ende Februar. (Privatmitth.) Herr Bettelheim, ein junger hoffnungsvoller Rabbinatscandidat, wurde zum Religionsverweser der Kaschauer Cultusgemeinde berufen und fanden dessen Probepredigten allgemeinen Beifall. Wie wir vernehmen, hat der große Heilige Oberungarns einen Chassid von ächtem Kaliber und festem Schrot nach Kaschau gesetzt, um gegen jedes antichasidische Treiben zu protestiren. Wir hoffen, daß diese junge Gemeinde mit aller Energie gegen jeden Eingriff in ihre Rechte protestiren wird, nachdem es von Kaschau heute mehr als je gilt, das Judenthum nach Außen zu repräsentiren. Laut einer uns soeben zugekommenen Nachricht wurde am verflossenen Sabbath (22. Februar) der Gottesdienst des magyar zsido közseg gestört und die Gemeinde behördlich aufgelöst. Nachdem die Muttergemeinde, in deren Mitte der Rabbiner fungirt, größtentheils aus armen Mitgliedern besteht und der magyar zsido közseg Intelligenz und Reichthum in seiner Mitte zählt, außerdem eine natürliche Trennung besteht, indem nämlich die eine Gemeinde in der eigentlichen Stadt, die andere in der Vorstadt lebt, so wäre schon dieserhalb ein gegenseitiges Nachgeben und ein Sich verständigen sehr am Platze und dringend geboten. Wie wir vernehmen, geht die Pesther Gemeinde damit um, die Stelle eines magyarischen Predigers in Bälde zu besetzen und war nur der Mangel von geeigneten Bewerbern die Ursache, wenn diese im Einvernehmen mit Herrn Oberrabbiner vr. Meisel ausgeschriebene Predigerstelle bis jetzt unbesetzt blieb. Die Intelligenz der Stadt Pesch sieht nach dem Süden Ungarns und hofft von hier die sehnliche Erfüllung ihrer Wünsche — ob ein Rabbiner vom Süden das heilige Gotteswort in magyarischer Sprache im Pesther Tempel verkünden wird, dürfte die nächste Zeit lehren. Die Musterhauptschulen Ungarns gehen, wie wir vernehmen, einer Organisation entgegen; doch sind die Wünsche der Gemeinden verschieden. In Fünfkirchen will man ein strenges Classensystem und selbst den hebräischen Unterricht in die Hand des Classenlehrers gelegt, während andere Gemeinden mehr für das Fachsystem schwärmen und selbst den hebräischen Unterricht als nicht obligat erklärt wissen wollen. Fast an sämmtlichen Anstalten wurde die magyarische Sprache als Unterrichtssprache angenommen und unterrichten schon heute