Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 12 (18.3.1862)
- Date
- 1862-03-18
- Page
- Seite 143 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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143 Meisel. feine Herde gleichgültig einem Löwen'Preis geben?! Raab, im Februar. (Privatmitth.) Der kommende Mittwoch, als der Geburtstag des Patentes vom 26. Februar 1861, wird in den meisten Hauptstädten der deütsch-slavischen Provinzen festlich begangen. — In den Tempeln Wiens und Prags wird aus diesem. Anlasse ebenfalls ein solenner Gottesdienst abgehalten. Von der Prager Judengemeinde, meint bte Narodny Listi, der Herold der Czechen, war es nicht anders zu erwarten, da die Februar-Verfassung eine Begünstigung der Deutschen ist und die Juden Prags lauter Deutsche find. — Sie sehen hüben wie drüben dieselbe Verdächtigung der nationalen Presse. — Die Ungarn sagen: Ihr Juden Ungarns seid Deutsche, daher ihr keine Ansprüche habet auf die Vorrechte der Krone des h. Stephan; die Czechen stimmen denselben Ton an, uns bleibt nichts anderes übrig, als mit der Regierung zu halten, rr,rv,; N72idw2 -o. Deutsch. Raab, 22. März. (Privatmitth.) Freiherr v. Pittersdorfs, Reichsräths-Depütirter für den Bezirk Leopoldstadt in Wien, ist vorige Woche zum allgemeinen Bedauern Aller, die ihn kannten, mit dem Tode abgegangen. Dieser Bezirk wird nun einen neuen Abgeordneten zu wählen haben. — Unter den Kandidaten, die, wie die Journale berichten, aufzutreten gesonnen sind, befindet sich auch Dr. Jellinek. — Schon voriges Jahr, als die Leopoldstadt einen Abgeordneten in den niederösterreichischen Bundestag zu schicken hatte, candidirte Dr. Jellinek, hielt in der Wahlversammlung eine. sehr ' beifällig aufgenommene Rede; erhielt aber die Majorität der Stimmen nicht. Damals ersuchte der Vorstand der Wiener isr. Kultusgemeinde den Di*. Jellinek, er möge von der Kandidatur abstehen; aus welchem Grunde dies geschah, ist mir heute noch unbekannt. — Befürchtet etwa der sehr ehrenwerthe Vorstand, daß Herr vr. Jellinek nicht den nöthigen Fond (von) derjenigen Wissenschaften besitze, die allerdings erforderlich wären bei einem jeden Abgeordneten, wenn er seinen Sitz im'Parlamente würdig ausfüllen soll. — Nun, wir wissen zwar nicht, wie weit die juridisch-nationalökonomischen Studien sich erstrecken, die Herr Dr. Jellinek außer seinen philosophischen, theologischen und sprachlichen etwa gemacht hat; — aber die Kultus- und'religiösen Interessen , eines Volkes sind von solchem Belange und Umfange, daß sich bloß auf diesem Gebiete für den Vertreter geistlichen Standes ein weiter Spielraum eröffnet; auf diesem Felde der Gesetzgebung kann er mit den scharfen Waffen seiner Rede, mit seinem logischen Jdeengange, mit der Fülle und dem Reichthume seiner Gedanken und mit dem Borne seines Wissens viel Ersprießliches für das allgemeine Wohl leisten und das in ihm seitens der Wähler gesetzte-Vertrauen glänzend rechtfertigen. — Ja, es liegt im Interesse einer jeden Regierung, die, wie die unserige, eine wahrhaft constitutionelle Verfassung will, aber ohne jede Ueberstürzung und Uebereilung, daß derartige Elemente und Personen ins Parlament gelangen, deren Beruf und Amt es schon erheischt, daß sie stets nnd nach allen Seiten versöhnend und vermittelnd, ausgleichend und beschwichtigend auftreten. — Selten gehören geistliche Würdenträger, wenn sie Sitz und Stimme in einem Palamente haben, der Oppositions- oder Bergpartei an; selten schauen diese Herren rechts, noch seltener liebäugeln sie links., sondern sitzen immer im Centrum. Oder sollte der Grund darin zu suchen fein, daß der löbl. Vorstand glaubt, wenn Herr vr. Jellinek thätigen Antheil nimmt an der geistigen Arbeit des legislativen Körpers, er noiens volens die Interessen seiner Gemeinde vernachlässigen muß? Auch das findet hier nicht statt, da Herr vr. Jellinek seinen Wohnsitz in Wien hat, wo das Parlament tagt, und ihm noch immer so viel Zeit übrig bleibt, um beiden ihm obliegenden Pflichten zu genügen. Es wäre daher zu wünschen, daß, im Falle vr. Jellinek wirklich candidirt, er auch reussire, denn gerade jetzt, wo das bekannte Religions-Edikt auf der Tagesordnung zu stehen kommen wird, brauchen wir einen Mann, der, als der kompetenteste des Faches, Alles aufbietey muß, um so viel als möglich von den in demselben enthaltenen liberalen Principien zü retten. Deutsch. Italien. Magdeburg, 10. März. Soeben erhalten wir folgende Zuschrift: Neapel, 28. Februar. Als am jüngstvergangenen h. Versöhnungstage wir hier residirende Israeliten uns wie gewöhnlich in einem von dem Herrn Baron von Rothschild schon angewiesenen Locale versammelten, um diesen heil. Tag andachtsvoll