Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 12 (18.3.1862)
- Date
- 1862-03-18
- Page
- Seite 142 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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MS einem edleren Gebiete suchen wird! Leider regen sich in Pesch im Stillen so manche Elemente, die aber bisher die Ruhe und den Frieden der.Gemeinde nicht stören konnten. Um so auffallender fanden wir daher die Nachricht im, „Magyar Izraelita“, daß in den Pesther Schulen der Bibelunterricht, d. h. die Thora (denn die andern Theile werden gar nicht genommen)- in ungarischer Sprache ertheilt wird. . Wir können es nicht glauben,, daß Herr Vorsteher Hirschler vom pädagogischen Standpunkte aus einen solchen Verrath an der Jugend dulden kann! Während es in allen Rescripten der k. Statthalterei ausdrücklich heißt, daß in den Gymnasien rc., die alle magyaristrt wurden, der Unterricht in der Religion in der Muttersprache der Zöglinge ertheilt werden muß, gehen unsere kopflosen Magyariomanen weiter und unterwerfen den Unterricht in der Religion einem leidigen Sprachenzwang. Gewiß ist doch bei wenigstens 5/e der Pesther israelit. Schuljugend Deutsch die bloße Muttersprache —und doch wird der Bibelunterricht in einer fremden Sprache ertheilt! Bedenkt man erst, wie geringfügig und unbedeutend der Unterricht in der Thora an den Pesther Schulen ist, wie wenig hier geleistet wird und wie wenig, die Kinder beim Austritt aus der Schule davon profitiren, so hat man wahrlich nicht genug Worte, um einsolches Gebühren zu verdammen! Der Vergleich mit der Einwirkung der Mendelssohn'schen Bibelübersetzung auf die Juden ist ganz falsch. Da Mendelssohn die alten Uebersetzungen? blos verbessert, das Jüdisch-Deutsch ins Hochdeutsch übertragen, während es sich hier um eine völlig fremde eingelernte, von der Jugend noch nicht recht verstandene Sprache handelt. Abgesehen davon , welch himmelweiter Unterschied ist zwischen dem Bibelunterricht vor 60 Jahren und der Gegenwart! Aber was kümmern sich diese Herren um die Jugend, so sie nur in den Zeitungen ausposaunen können, daß der Magyarismus wiederum einen Fortschritt in der Schule gemacht hat! Ich glaube, daß jeder wahrhaft Gebildete, möge er welchem Volke und welcher Confession immer angehören, ein solches Treiben verachten muß; denn der politische und Sprachenfanatismus ist jedenfalls widerlicher als der religiöse: Das Widerliche dieses Treibens, dessen sichdie Deutschen und die Iuden vorzüglich zu Schulden kommen lassen, hat ein gelehrter englischer Tourist, A. A. Paton, der fünf Mal Ungarn bereiste/scharf gegeißelt und wir heben folgende Stelle aus einer Anzeige des „Auslandes"; W. 9 - chervor : ,/tte£er W schmächvdÜe Wtläugnüng ihrer -Herkunft bemerkt Patow gerecht' und undtreffend: „Da die! reichsten und vornehmsten Leute Magyaren warenso verband sich mit dem Magyärismus der Begriff der Noblesse' und der Herrschaftlichkeit. Während Kroaten und Serben, ja selbst der größte Theil der Slovaken, sehr zu ihrer Ehre, eher Stolz als Beschämung über ihre Volksabkunst zeigten, waren diese deutschen Krämer eifrig bedacht, sich von der Blutsverwandtschaft mit Schiller, Goethe und Beethoven,- deren sie - verdächtigt wurden, zu reinigen, und von Begeisterung glühend für die erheblicheren' Dienste, welche ein Attila und Arpad der menschlichen Gesittung geleistet, warfen sie ihren eigenen Namen hinweg und nahmen magyarische an." - Leider geht die Gesinnungslosigkeit mancher Führer der Gemeinden noch weiter, indem nicht blos die Synagoge, sondern auch die Schule, der Bibel- und Religionsunterricht nolens volens magyaristrt werden müssen! Wie Ihre Zeitung seiner Zeit berichtet, wurde wenige Tage nach Verkündigung des Octoberpatentes von dem abgetretenen Vorstande in aller Eile und in der Meinung, durch diese Concession sich weiter halten zu können, der Concurs zur Besetzung einer ungarischen Predigerstelle in Pesth eröffnet; aber die Angelegenheit wurde dann wohlweislich vertagt und aä acta gelegt.' Nun wurde der Gegenstand von dem Magyar egylet izraelita wiederum zur Sprache gebracht und der Vorstand suchte ausweichend auf eine hierauf bezügliche Anfrage zu antworten. Der genannte Verein griff nun zur Reklame im Pesti Naplö4 dem größten ungarischen Blatte, seine Zuflucht, um die Angelegenheit in besseres Fahrwasser zu bringen. Fragen wollen wir aber nur den Magyar egylet Izraelita, warum er sich nicht bei dergleichen Angelegenheiten seines Schooßkindes des „Magyarischen Israeliten", anstatt eines großen politischen Blattes bedient? Was hat der Naplö mit der Predigerfrage im Pesther Tempel zu thun? Wohl weiß es der Verein , daß, wenn man die magyarischen Prediger die Revue passiren läßt, sehr wenig Concurenten sein können — und daß es hieße, den Zankapfel in" die Gemeinde werfen, wenn man diese oder jene Persönlichkeit berufen würde, welche die Mitglieder des Magyar egylet Izraelita im Auge haben. Herr Hirschler scheint die Situation genauzu kennen, weißvon woher der Wind bläst und wird sich durch Reklamen' rkicht einschüchtern lassen! Und wahrlich, 'wiekann Herr