Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 12 (18.3.1862)
- Date
- 1862-03-18
- Page
- Seite 140 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3226310-3226323--20175-3249227- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
des eigenen Jchs noch nach dem Tode gerichtet. Eine ehrende Ausnahme können wir heute berichten. In Mkt. Erlbach, wo schon feit langer Zeit der Lehrer seinen Gehalt aus einer Stiftung bezieht, hat der verlebte Privatier Wolf Kohn zur Unterstützung armer Studenten zunächst aus seiner Familie, event. von jüdischen Familien aus dem Gerichtsbezirke, subventionell auch christlichen Studenten die Zinsen von 1000 Fl. bestimmt. Der Pfarrer Konrad Blendinger in Gleisenau bei Ebelsbach hat vor längerer Zeit im Correspondenten von und für Deutschland eine Anzahl „Fragen an das jüdische Volk über den Messias" veröffentlicht. Obwohl es Niemand der Mühe werth gehalten, ihn einer Antwort zu würdigen, so versendet er neuerdings ein Flugblatt unter der vielversprechenden Firma: „Der Messias, Israels und aller Völker Prophet, Hoherpriester und Kö-, nig, der einige Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Heiland der ganzen Welt und auch ihr Richter, in seiner göttlichen Größe und Herrlichkeit vor Augen gestellt dem jüdischen Volke und aller Welt." Ueber den Erfolg sind wir völlig beruhigt. Ich übersende Ihnen dasselbe, und da es sehr kurz ist, so wird Ihnen der Inhalt, wenn Sie sich die Mühe der Durchsicht nehmen wollen, beweisen, daß der Herr vollkommen reif ist für Auf Grund der ministeriellen Erklärung in der Kammer der Abgeordneten über die Anstellungsfähigkeit der Israeliten im Staatsdienste giebt man sich der angenehmen Hoffnung hin, daß bei der in Folge Durchführung der neuen Gerichtsverfassung erfolgenden vielfachen Ernennungen im Justiz- und Verwaltungsdienste auch die jüdischen Rechtspraktikanten gebührende Berücksichtigung an allerhöchster Stelle finden werden. Der König Max von Bayern wohnt in Nizza in dem Hause einer Münchnerin. Die Frau des Herrn Avigdor, Vorstand der dortigen israelitischen Gemeinde, dessen prachtvolle Villa der König bewohnt, ist nämlich eine geborene Kaula von München. ft. Preußen. Magdeburg, 9. März. In einer eben erschienenen Broschüre: „Beleuchtung der Parität in Preußen auf dem Gebiete des hohen und Mittlern Unterrichts" (Freiburg, Herder) heißt es: „Für die vier statutenmäßig protestantischen oder factisch so gut wie rein protestantischen Universitäten wendet der Staat 326,977, für die eine katholische Akademie 2250 Thaler auf, für die zwei statutenmäßig paritätischen, aber faktisch überwiegend protestantischen Universitäten 201,633 Thaler. Erwägt man nun aber, daß die protestantische Bevölkerung in Preußen nicht zwei Drittel, die katholische über ein Drittel der gefammten Bevölkerung ausmacht, so ist die Forderung, entweder endlich mit der Parität Ernst zu machen, sie in der That auszuüben, oder wenigstens eine rein katholische Universität mit tüchtigen Mitteln zu creiren, — d. h. für die Protestanten in Zukunft nicht mehr Alles, für die Katholiken faktisch so viel als nichts herzugeben, — eine in der strengsten Gerechtigkeit gegründete." (Wenn die 6 Millionen katholischen Preußen sich also gestellt findendarf die V» Million jüdischer Preußen sich nicht allzu bitter beklagen. Die Redaktion.) EaW (in Pommern), 5. März^ (Privatmitth.) Jüngst wurde hier vom Stadtverordneten - Collegium ein Israelit, Herr Fabian, einstimmig zum Vorsitzenden gewählt. Denselben ordneten die städtischen Behörden als Deputaten in einer wichtigen städtischen Angelegenheit an Se. Maj. den König ab und von diesem huldvoll empfangen und mit einer Einladung zum Subscriptionsball beehrt. Münster, 7. März. (Privatmitth.) Am 1. d. M. feierte der Cantor Heimann hier sein 25jähriges Dienstjubiläum. In Anerkennung treu erfüllter Pflichten hatte das Repräsentauten-Collegium auf den Antrag des Vorstandes dem Jubilar ein Ehrengeschenk, bestehend aus einem silbernen Vorlege- und einem halben Dutzend dergleichen Suppenlöffel, einstimmig bewilligt, welches ihm nach beendigtem Gottesdienste von den Vorsitzenden beider Collegien Namens derselben mit wenigen, aber herzlichen Worten in seiner Wohnung übergeben wurde. Oesterreichischer Kaiserstaat. Aus Böhmen, 27. Februar. (Privatmitth.) Hier zu Lande bereiten sich in der jüdischen Welt in Betreff der Constituirung der Cultusgemeinden große Kämpfe vor, die schwerlich dem Judenthume nützlich sein dürften. Die Vorsteher möchten die Autorität der Rabbiner auf Null reduciren, um in der Gemeinde (auch in theologicis) unumschränkt schalten und walten zu können, und diß