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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-03-18 · Heft 12 (18.3.1862) · p. Seite 138

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 12 (18.3.1862)
Date
1862-03-18
Page
Seite 138 (sequence 6)
Language
German
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Literarischer Wochenbericht. Frankfurt a. d. Oder, im Februar. Deborah, Lehr- und Bildungsbuch für die israelitische Jugend, von Michael Steinert. Prag 1862. In diesem Buche — das wir freudig als einen schönen und gesunden Anwachs der israelitischen Schulliteratur begrüßen, — wollte der Herausgeber, wie derselbe in der Vorrede bemerkt, „aus dem unverwelklichen Frucht- und Blumengarten gelehrterStammgenossen das Gediegene, der Hoffnungsvollen Jugend Israels Genießbare, Gedeihliche zu einem sinnvoll aneinander gereiheten Ganzen vereint" haben, um — wie er hinzufügt — „es den jugendlichen Herzen darzubreten, auf daß sie sich erlaben an solch einem duftenden geistigen Hauche, sich kräftigen und erstarken zur Ehre Gottes und der Menschen." — In der That, ein schönes, höchst anerkennenswerthes Streben, — und wir zweifeln nicht daran, daß Herr St. dasselbe mit Dem, was er geliefert, auch erreichen werde. Denn er hat sorgfältig gesammelt,nurwahrhaftGutesund Schönes, dem jugendlichen Geiste und Gemüthe wirklich Zusagendes in sein Buch ausgenommen, welches — obschon 188 Nummern zählend — doch lange noch nicht an Uetz erladung leidet. — Die 188 Stücke, welche das Buch enthält, sind theils prosaischer, theils poeti s ch e r Form, und wenn wir sagen, daß der letzter» um viel mehr Rechnung getragen als der erstern, so wollen wir hiermit weit weniger eine Rüge aussprechen als mit d er Bemerkung, daß Herausgeber dem reichen Stoffe seiner Anthologie ein Znhaltsverzeichniß weder hat vorangehen noch Nachfolgen lassen. Wie dieses, dürfte aber von vielen (wir sagen nicht: von allen) deutsch.cn College« noch etwas Anderes sehr ungern vermißt werden, nämlich: die Ordnung, resp. die systematische Ordnung, welche dem Buche ganz abgehl, indem es dem Herausgeber beliebt hat, die duftenden Blumen, die er mit Geist und Geschmack aus dem großen Garten deutscher Dichter und Prosaiker gepflückt hat, bunt und ganz planlos durcheinander zu streuen, — ohne daran zu denken, daß wir Deutsche uns denn doch einmal daran gewöhnt haben, überall etwas Planmäßiges, überall„ SYstem " zu suchen. — Wenn übrigens Herausgeber in der Vorrede von einem „unverwelklichen Frucht- und Blumengarten gelehrter Stammgeno ssen" spricht und mit dem letzten Worte „unsere Glaubensgenossen" bezeichnen will, so müssen wir unsererseits bemerken, daß wir in dem Buche— was indeß derVortre fflichkeit desselben gar keinen Eintrag thut, —: mindestens eben so vielen nichtjüdischen als jüdischen Autoren begegnet sind. Zu-Erstern gehören Muster, wie Fr. Rückert, Platen, Kleist, Tieck, Schiller, Schlegel, Meißner, W. Müller, Geibel, Mahlmann u. A. m.; zu Letzter»: Stern, Sachs, Kley, Philippson, Kämpf, Lettens, Sal. Pleßner, Löwenstein, Saalschütz u. s. w.*) — Es sind (doch was schadet dies?) nicht alle Stücke rein jüdische-n Interesses; aber Nichts ist anti-jüdisch. — Die zehn Nummern von 139 bis 148 sind den Festen geweihet, und verdient unter diesen Piöcen daS Gedicht „Peßach" (146). — welches den genialen Sal. Pleßner zum Verfasser hat,— ganz besonders hervorgehoben zu werden.— In einer Anmerkung zu dem Pu - rim-Gedichte (No. 144) stoßen wir auf den auffallenden Jrrthum, daß Purim am dreizehnten Adar gefeiert werde. — Auch dem neunten Ab ist Rechnung getragen. Das ihm gewidmete Stück (149) ist aus der schönen Feder der Fanny Neuda geflossen.— Riessers meisterhaftes Gedicht „Hagbaha" —■ das in keinem jüdischen Lesebuche fehlen, in jeder jüdischen Schule einheimisch werden sollte — ist hier unter No. 147 zu finden. — Die Nummern 156—168. sind dem „Gesangbuche" des Redaeteurs dieser Zeitung entnommen. Unter 178 —183 findest Du „Biographische Denkmale", und die Männer, denen diese geweihet, sind Frankl, Mon tefiore, M. Rothschild, Jost, Mendelssohn und Bildat (der reisende Heilkünstler). — No. 184 enthält „Schilderungen und Bilder aus Palästina", und No.-185 „Palästinas Naturprodukte". Elfteres Stück ist dem Werke von Joseph Schwarz, letzteres dem Werke von Jonas Spitz entnommen.**) — Werfen wir nun schließlich noch einen Blick auf des Buches gesummten Inhalt, so müssen wir nochmals bemerken, daß die Wahl des Herausgebers durchgängig eine glückliche gewesen. — Wird nun auch die Deborah des Herrn Steinert das eigentliche „Lesebuch"***) gerade nicht vertreten können, so verdient sie doch nichts desto weniger, neben diesem.in Israels Schulen Eingang zu finden, und wäre nur zu wünschen, daß ihr Preis auf etwa *) Bei sehr vielen Stücken ist der Autor gar nicht angegeben. (Warum?) **) Unter No. 136 befindet sich eine „Confirmationsrede" vom Herausgeber. ***) Das bekanntlich heutzutage von ganz anderm Umfange, ganz anderm Inhalte und ganz anderer Einrichtung, sein muß. .

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