Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 11 (11.3.1862)
- Date
- 1862-03-11
- Page
- Seite 128 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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128 Namen: „Verein zur Verbreitung der Wissenschaft des Judenthums" und erklärte sich als ein neutraler Boden, auf welchem alle die verschiedenen religiösen Schattirungen in der hiesigen Gemeinde einen Vereinigungspunkt finden sollen. Der Verein bietet seinen Mitgliedern allwöchentlich einen Vereinsabend, an welchem ein Vortrag von einem Gelehrten gehalten wird, dem sich die Beantwortung von mittelst des Fragekastens eingebrachten Fragen unmittelbar anschließt. Außerdem hält Herr Dr. Jacob Levy jeden Sonntag im jüdischen Gemeindehause einen wissenschaftlichen Vortrag über Entstehung und Entwickelung der Mischnah. Die Vereinsabende wurden mit einem Vortrage des Herrn Geiger: „Was heißt Wissenschaft des Judenthums?" eröffnet; in den folgenden Wochen sprachen Dr. Joel: „über den wissenschaftlichen Einfluß des Judenthums auf die nichtjüdische Welt";. Dr. Güdemann: „über die Entwickelung der Erziehung im Judenthume"; Privatdocent Dr. R. Finkenstein: „über die biblischen Begriffe von Rein und Unrein" , und Dr. Perles: „über das Verhältniß Herders zum Judenthum". Sämmtliche Vorträge hatten ein überaus zahlreiches Publikum beiderlei Geschlechts herangezogen und erfreuten sich eines großen Beifalls. In Aussicht stehen noch Vorträge von den Herren Dr. Graz, Dr. M. A. Levy, Dr. Jastrow aus Warschau, Dr. Joseph, Dr. I. Levy, vr. Pauly u. A. m. Die Theilnahme an dem Verein steigert sich von Tag zu Tag und die Mitgliederzahl ist bereits , bis zur Ziffer 260 gestiegen. Alle religiösen Parteien haben ihr Contingent zu dieser Zahl gestellt. Auch der.Director Dr. Frankel hat dem Vereine sein Interesse zugewendet und für nächsten Winter einen Vortrag zugesagt. Gewiß stimmen auch. Sie, geehrter Herr Redacteur, mit mir in den Wunsch ein, daß der junge Verein wachse, gedeihe und Segen bringe. Berlin, 27. Februar. Die Unterrichtscomni ission des Hauses der Abgeordneten hat ihren ersten Petitionsbericht erstattet. Eine der darin besprochenen Petitionen betrifft die Weigerung des Cultusministers, einen jüdischen Lehrer an der Realschule in Posen definitiv anzustellen, „da nach der Stiftung und bisherigen Verwaltung der Realschule, nicht angenommen werden kann, daß ihr der für die Wahl der Lehrer maßgebende Charakter einer christlichen Schule abgeht." Letztere Voraussetzung wird von den Petenten, den städtischen Behörden in Posen, widerlegt; auch auf die dort außerordentlich zahlreiche jüdische Bevölkerung wird hingewiesen, so wie auf die „erhebliche Quote, die gerade von diesem Theile der Einwohnerschaft zu den Communallasten beigetragen werde;" endlich auf die „gleich bei der ersten Organisation erfolgte Berufung eines Juden, des Dr. Löwenthal, zum Oberlehrer, der bis zu seinem Tode als solcher fteilich nur interimistisch fungirte, da seine definitive Anstellung von dem damaligen Unterrichtsminister nicht genehmigt worden sei." Petenten beantragen also,: das Haus möge „die Verpflichtung der Regierung zur Genehmigung der definitiven Anstellung des Dr. Jutrosinski als wissenschaftlichen Hülsslehrer an der städtischen Realschule zu Posen aussprechen und demgemäß den Unterrichtsminister zur Genehmigung der definitiven Anstellung des Dr. Jutrosinski auffordern." Die Commission ist in die Principienfrage nicht eingegangen,- sondern hat nur den concreten Fall erörtert. Im Jahre 1860 hat der Cultusminister in der Unterrichtscommission geäußert: ,, . . auch auf den Real- und höhern Bürgerschulen sei zwar die christliche Bildung die Grundlage,. aber ein konfessioneller Charakter sei an diesen Lehranstalten in der großen Mehrzahl rechtlich nicht festgestellt; dieselben seien überwiegend, kommunaler Natur, es würden deshalb zuvörderst die.betreffenden, städtischen Communen sich über die Zulassung von Juden zu erklären haben. Die Commission findet nun, der Minister gebe diesen seinen frühern Standpunkt jetzt aus. Der Ministerialcommissar, Geheime Rath Wiese, hat dagegen in der. Commission erklärt, der Minister habe nur drei Arten , von Schulen im Auge gehabt, entweder evangelische, oder katholische, oder simultane; „wolle man noch eine vierte. Kategorie erfinden, bei der auch die jüdische Confession zu gleichem Rechte kommen solle, so würden das religiös-indifferente Schulen sein;, solche Schulen existirten in Preußen noch nicht, und bei der großen Wichtigkeit der Sache könne in Bezug auf die Gleichberechtigung des jüdischen Elementes nicht geschlossen werden, wenn dieselbe nicht ausgeschlossen sei, so sei sie zulässig, sondern sie müsse von vorn herein bei der Stiftung einer Lehranstalt gefordert werden und es müsse ausdrücklich gesagt sein, daß sie diesen indifferenten Charakter haben solle. Eine solche ausdrückliche Erklärung sei nun aber zu Posen in Beziehung auf die Realschule nicht nur nicht jemals gegeben, sondern es lasse sich darthun, daß ursprünglich etwas andres beabsichtigt worden." Diese und ähn-