Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 11 (11.3.1862)
- Date
- 1862-03-11
- Page
- Seite 124 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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124 ist nur bemüht, zurückgelassenes Christenthum nachzubringen." — Wenn wir aus dem Gesichtspunkte dieser Sätze Iudenthum und Juden betrachten, so muffen wir allerdings Anderes aussagen. Im langen Laufe unserer Geschichte nämlich hat man theils große und schöne Stücke des Mosaismus fallen lassen, andererseits aber sich ungeheuer Vieles und bei Weitem schwerer zu Tragendes aufgepackt. In der Neuzeit haben viele Juden nun von Ersterem und Letzterem das Meiste abgeworfen, und laufen nun auch mit dem bloßen Namen Juden umher. Die wahre innere Aufgabe des jetzigen und zukünftigen Judcnthums ist aber, vom Mosaismus und aus allen unfern Jahrtausenden das Bleibende und Unwandelbare und für den Fortbestand des Judenthums und für die Fortbildung des Menschengeschlechts zugleich Unentbehrliche und Wirksame herauszuscheiden und wieder auf unsere Schultern zu nehmen, das Uebrige aber auf immer hinter uns zu. lassen. — S. 330 sagt er: „Bemerkungen über das Christenthum. Keine andere Religion hat solche Entartungen aufzuweisen, solch entschiedene. Abweichung von. den Lehren des Stifters. Juden und Mvhamedaner gehorchen ihren Gesetzlehrern, Christen nicht; wenn jene nicht gehorchen, so verlaugnen sie überhaupt das Gebiet ihrer Religion, aus Abtrünnigkeit oder Schwachheit; aber die Christen thun das Gegentheil der Gebote, indem sie recht eigentlich fromm zu sein vorgeben, — sie schwören Eide mit Anrufung Gottes und Christi, sie beten prunkvoll in Gemeinschaft u. s. w. Denn was kann entschiedener sein als die Weisung: „Ihr sollt ganz und gar nicht schwören", und als die: „Wenn du beten willst, so gehe in dein Kämmerlein!" — Wir citiren diese Stelle hier nicht, um etwa Schmähendes zu wiederholen, .— wir Juden üben hierin nur ungern das Vergeltungsrecht — sondern um mit solchen Aeußerungen eines einsichtsvollen Christen Denen entgegenzutreten, welche uns-stets das Heil innerhalb der christlichen Kirchen insinuiren wollen. Ein Freund schreibt uns: „Ihre Bemerkung in Nummer 9 S. 99 über Sanhedrin und Synagoge wird für Viele anregend sein, ähnliche Bemerkungen mitzutheilen. Der Talmud liefert für Ihre Behauptung Belege in Masse; wo es das specifisch Judenthümliche nicht betraf, scheute sich das gesunde, lebenskräftige Iudenthum niemals, sich das Güte anzueignen, von wo es immer geboten wurde. Cholin fol. 24 a wird eine pädagogische Frage erörtert, wobei auf Nebukadnezar hingewiesen wird, der nach Daniel I. angeordnet hat, der Cursus beim Unterrichte in einer Sprache müsse drei Jahre dauern. — Daß religiöse Anordnungen nur von Zeitverhältniffen begünstigt durchdringen können, spricht Raschi zu Cholin fol. 6 a in einer Stelle aus, die meines Wissens bisher noch von Niemand ist berücksichtigt worden. — R. Ami und R. Assi haben durchgesetzt, was frühern Autoritäten durchzusetzen nicht gelungen; hierzu die Bemerkung Raschis: r^binä ibnw nb bnpb IL-, 8 b tws bra iTna 8b8 .'■ovaro irbm ••ob Die israelitische Sibel - Anstalt. Spenden zur Herstellung und Verbreitung wohlfeiler hebräischer und hebräisch-deutscher Bibeln: Von Dr. A. I a r aczewskh in Küstrin ges. auf einer Hochzeit in Zechin 1 Thlr. 15'/s Ngr.; nochmalige Sammlung vom Landrabb. vr. I. Landsberger in Darmstadt von: S. Reichenbach 30 Kr, E. Fulv 30 Kr., David Bessunger 30 Kr., H. Goldschmidt 35 Kr., Banquier Max Ettling 1 Fl., Hoftaxator Moritz Neustadt 30 Kr., A. Bessunger 30 Kr„ A. H. Sander 1 Fl., H. Bodenheim 30 Kr., L. A. Wolfs- Gastwirth, 30 Kr., A. Siern 30 Kr., A. Gut h m a n n 30 Kr., L. Simon 12 Kr., I. Helbing 30 Kr., Sam. G o l d sch m i d t 30 Kr., I. I. Kahn 30 Kr., I. Goldschmidt 30 Kr., zusammen 9 Fl. 17 Kr., nach Abzug für den Colporteur von 1 Fl. 17 Kr. ----- 4 Thlr. 17'/r Ngr. — Generalsumme: 5848 Thlr. 23 Ngr. 2 Pf.*) Zeitungsnachrichten. Deutschland. Aus dem Herzogtum Meiningen, im Februar. (Privatmitth.) Die in allen Gauen Deutschlands in der allerneuesten Zeit sich kundgebende bessere Gestaltung der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Verhältnisse der Israeliten macht sich auch in unserm Herzogthume geltend; nicht als ob ein neuer gesetzgeberischer Act uns der Zahl der völlig emancipirten Israeliten ' *) In der vorigen Sammlung aus Darmstadt ist zwar die Gesammtsumme richtig berechnet, aber in dem Spenden-Berzeichniß Herr Elias Simon 1 W. irrthümlich weggelaffen worden.