Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 11 (11.3.1862)
- Date
- 1862-03-11
- Page
- Seite 125 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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m zugesellte, sondern die im Gesetze vom 22. Mai 1856 uns eingeräumten Rechte (neben manchen Beschränkungen) erhalten mehr Anwendung und Durchführung im praktischen Leben, da unsere Staatsregierung mit Energie den opponirenden Elementen entgegentritt. In Folge dieses thatkräftigern Vorgehens von Oben haben in allerneuester Zeit vier Familien von dem benachbarten Walldorf Bürgerrecht und Aufnahme in der Residenzstadt Meiningen erlangt, trotz des abweisenden Votums von Seiten des Stadtmagistrats und der dagegen lärmenden Localpresse (welcher von unserm Landrabbiner Dr. Dreifuß wacker entgegengetreten wurde), und werden hoffentlich bald noch Mehrere folgen. Der Zeitgeist annectirt überall. , Weimar, 18. Februar. lFr. I.) Einige israelitische Gemeinden haben um Abschaffung der Förmlichkeiten beim Eide petitionirt. Obwohl der frühere Judeneid seit zwölf Jahren beseitigt ist, so sehen es die Israeliten ihrerseits auch weiter als eine. Ehrensache an, nicht größeren Förmlichkeiten beim Eide zu unterliegen, als die christlichen Staatsbürger. Aus dem Badischen, im Februar. (Privatmitth.) In einer in unserer Zeit beispiellosen Weise wird in unserm; Großherzogthum gegen die vom Ministerium eingebrachte, die bürgerliche Gleichstellung der Juden betreffende Vorlage agitirt. Allerdings geht auch hier die Sache von einem kleinen wohlbekannten Centrum der Ultramontanen und Feudalen aus, von welchem eine lithographirte Petition gegen die Emancipation an alle städtischen und Dorfgemeinden versendet wurde, eine Petition, welche Alles übertrifft, was von Haß, Vorurtheil und Schamlosigkeit jemals in dieser Frage dictirt worden ist. Zusendern einer lithographirten Petition gegen Judenemancipation giebt^der Gemeinderath von Heidelberg in der „Bad. L.-Z." die offene Antwort, daß man sich nicht veranlaßt finde, ihrem Wunsche zu entsprechen, vielmehr das nach Form und Inhalt weder den Anforderungen der Zeit, noch den diesseitigen Begriffen von Recht und Bildung entsprechende Machwerk, als zur Verwendung ungeeignet, beseitigt habe. Allein es giebt auch Gemeinden, namentlich unter den ländlichen, genug, in welchen sich Handlanger und Werkzeuge, insonders unter den Klerikalen finden, welche alle Hebel in Bewegung setzen, um Unterschriften für diese Petition zu suchen, die dann an die Kammern geschickt wird. Das Fr. I. theilt z. Folgendes mit aus Karlsruhe vom 18. Februar: Petitionen gegen die bürgerliche Gleichstellung der Juden scheinen von nun bestimmt, die Ouvertüre jeder Sitzung der zweiten Kammer zu bilden. Die Mehrzahl derselben wird als „lithographirt" bezeichnet. Die heute verlesene Zahl beträgt 64. — Der Abgeordnete Fauler legt noch eine Petition gegen die Judenemancipation vor und wirft dabei einen Blick auf die lithographirten Petitionen, die in einer alles Maß und Ziel überschreitenden Leidenschaftlichkeit vorangehen und den Charakter einer wirklichen Agitation tragen; selbst angebliche Sätze des Talmuds werden in leichtfertiger Weise der Menge als Angel hingeworfen! Der Minister des Innern erklärt auf die von Fauler an ihn gerichtete Anfrage, daß er die „anonymen Freunde der Regierung, des Volkes und des Vaterlandes" nicht kenne. Die Regierung verzichte auf solche Freundschaften und wolle nur Freunde, die mit ihrem Namen einstehen. Diese Petitionen seien ein Erzeugniß der Tagesfrage. — Federer (Staufen) betont die herrschenden Vorurtheile. In einzelnen Gemeinden habe die ganze Bevölkerung unterzeichnet. Der Prä s i d e n t d e s M i - nisteriums des Innern verweist die Erörterung auf die Debatte über die Vorlage und fügt bei: „Ich bin für die Emancipation der Juden von A bis Z und bedauere den Eingang der Petitionen." — Leipzig, 26. Februar. (Privatmitth.) In einer Notiz Ihrer Zeitung über eine hier jüngst stattgefundene Feier des Todestages Mendelssohns befindet sich aus Ungenauigkeit ein Jrrthum. Die Feier fand im Hotel de Saxe statt, und war eine andere als Seitens des jüdischen Vereins im Hotel de Pruffe. Der jetzige Pächter des Hotel de Saxe nämlich, Herr Ludwig Würkert, hält in seinem in jeder Beziehung trefflich versorgten Gasthofe auch wissenschaftliche Vorträge unentgeltlich für seine Gäste. Würkert, ein Mann, der früher Pastor in Zschopau war, wegen Betheiligung an der politischen Bewegung 1848/49 seine Stelle in der Kirche verlor, aber dafür 5 72 Jahre Waldheim verbüßen mußte, hat, während er noch an seiner Reformationsgeschichte (Leipzig, Payne) arbeitet, das. Hotel de Saxe gepachtet und am 4. Januar feierte er den Todestag Moses Mendelssohns, wie er die Gedächtnißtage Lessings, Arndts und aller andern Männer der Nation feiert. Es ist das erste Beispiel in Deutschland, daß die