Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-03-04 · Heft 10 (4.3.1862) · p. Seite 117

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 10 (4.3.1862)
Date
1862-03-04
Page
Seite 117 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3226310-3226321--20142-3249192
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

117 Vk'V wb« in einem Alter von 47 Jahren und hinterließ eine Wittwe und drei unversorgte Kinder. Der Unterzeichnete Vorstand erfüllt hiermit die traurige Pflicht, dem Hingeschiedenen ein Wort des Nachrufes zu weihen, welches das Schmerzgefühl der Gemeinde über ihren herben Verlust ausdrückt, ohne dem Geiste des bescheidenen TodteU zu nahe zu treten. Der Verstorbene zählte zu Denen, deren Jugendbildung nur auf talmudisches Wissen beschränkt wurde und die dann bei der Ergreifung eines Lebensberufes die versäumte wissenschaftliche Bildung durch Selbstunterricht nachzuholen haben. Daß ihm dies in einem hohen Grade gelungen, beweist seine Wirksamkeit als Lehrer zuerst in Greiffenberg, dann während 10 Jahren in Kolberg, zuletzt seit 8 */2 Jahren als Rabbiner in unserer Gemeinde. Auch bestätigt es mancher Aufsatz in dieser Zeitung, wie im Maggid, sowie einige kleinere literarische Erzeugnisse. Doch über seine Bedeutung in der Wissenschaft steht uns kein Urtheil zu, wir beschränken uns darauf, darüber zu sprechen, was sein Leben in unserer Gemeinde so wohlthätkg gestaltete und seinen Tod ihr so schmerzlich machte. Unsere Gemeinde hat unter seiner Leitung einen solchen Aufschwung zum Bessern genommen, wie sie dessen bei ihren Kräften nur fähig war. Unsere Synagoge erfüllte erst durch ihn, welcher den Gottesdienst durch Predigt und Ehorgesang bereicherte, durch Einführung einer Cultusordnung mit Ausland und Würde umgab, ihre wahre Bestimmung. Unsere Schule, die er beaufsichtigte, und in welcher er den Religionsunterricht ertheilte, befand sich durch ihn im gedeihlichsten Fortschritte. Dem Gemeindevorstande stand er in der Leitung der Gemeindeangelegenheiten stets rathend und helfend zur Seite, jedem Einzelnen war er Rathgeber, Vermittler, Helfer, Freund mit der größten Opferwilligkeit. Nach Außen vertrat er vertheidigend und fördernd die Ehre und Würde unserer Religion, nach Innen wirkte er für deren Verherrlichung nicht blos durch sein Wort, sondern auch durch praktische Resultate, indem er einen Frauenverein und einen Vorschußverein gründete, von denen der erstere beschlossen hat, zu seinem Gedächtniß den Namen „Lesser-Stistung" anzunehmen. Bei solcher Wirksamkeit braucht wohl nicht gesagt zu werden, daß er der Liebe und Verehrung nicht blos seiner Gemeindemitglieder, sondern auch Aller, die ihn kannten, sich zu erfreuen hatte. Die Gemeinde scheute kein Opfer, sein theures Leben einer der gefährlichsten Krankheiten, leider ohne den gewünschten Erfolg, abzugewinnen; ihr tödtlicher Ausgang , erfüllte alle Gemöther mit Jammer. Um ihm auf seinem letzten Wege die gebührende Ehre zu erweisen, ersuchten wir die Herren Rabbinen Di-. Stein aus Danzig, vr. Feilchenfeld aus Culm und Dr. Friedmann aus Nakel, seinem Leichenbegängnisse ihre Gegenwart und ihr Wort zu leihen. Die drei genannten Herren erschienen, und feierten das Gedächtniß des Verklärten am Grabe und in der Synagoge. Auch der städtische Gesangverein erbot freiwillig seine Mitwirkung. Der Vorstand der Synagogen- Gemeinde. Königsberg. Die „Ostpr. Ztg." schreibt: Die Nachricht von dem neuen Beschlüsse des Concilium generale hiesiger Universität betreffs der Zulassung von Katholiken und Juden zu academischen Lehrerstellen ist ungenau. Während früher beantragt worden war, den Statutenparagraphen, welcher Ausschließung aller Nichtevangelischen von dem Lehrerpersonale der Albertina verordnet, zu streichen, hat sie sich jetzt (man kann wohl sagen einstimmig) für Beibehaltung desselben erklärt, also den confessionellen Charakter der Universität auf's neue anerkannt. Doch hält die Majorität es mit diesem verträglich, wenn für die medicinischen, naturwissenschaftlichen, philosophischen und sonstigen Fächer, „auf deren Behandlung die verschiedenen confessionellen Anschauungen ohne Einfluß bleiben", - auch nicht-evangelische Lehrer zugelasfen werden. Auf Beifügung eines Zusatzes zu dem erwähnten Statutenparagraphen' in dem oben angegebenen Sinne geht nun der Antrag der jetzigen Majorität des Concilium generale der Albertina bei dem Cultusminister. Aus Pommern, im Februar. (Privatmitth.) Die Erfahrung lehrt, daß, wenn für die großen Momente, welche den Inhalt der geistigen Menschennatur ausmachen, eine Zeit der Lauheit und Gleichgültigkeit eingetreten, desto lebhafter der Geist wieder erwacht und danach sucht, sich durch Thaten und auf irgend eine schöpferische Weise von Neuem Raum zu schaffen. So kam uns in diesen Tagen ein . Blättchen zu, welches hierfür wieder einmal Zeugniß ablegt. Der Zustand in den israelitischen Gemeinden Pommerns wird vielfach als ein trauriger geschildert, Zerwürfniß an vielen Orten, der Gottesdienst verfallen, Schul- und io

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.