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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-03-04 · Heft 10 (4.3.1862) · p. Seite 112

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 10 (4.3.1862)
Date
1862-03-04
Page
Seite 112 (sequence 4)
Language
German
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IIS in jüngster Zeit aus einigen dieser Gesetzbücher geschwunden? Wir haben baher im Allgemeinen da, wo ein solches Verbot auftritt, es von vornherein noch - nicht als Act der Intoleranz, sondern zeitweise als einen Act der Selbstvertheidigung, als eine Bedingung der Begründung, k Festsetzung und Erhaltung aus geschichtlichen Motiven heraus anzusehen und hiernach zu beurtheilen. Jedenfalls lehrt uns aber also auch die Geschichte, daß, wenn die Mischehen auch nicht durch ein positives und integrirendes Gesetz in dauerndem Verbote stehen, sie niemals wünschenswerth und zu begünstigen erschienen, und ergiebt sich hieraus auch ein Maßstab für unsere Zeit. Doch kommen wir nun zuvörderst zu der speciellen Erörterung. Pariser Briefe. X. Eine hebräische Classikerausgabe. Wer von Denjenigen, die etwas Interesse für unsere Ritualgeschichte haben— ich meine nicht die, welche viel Jozer sagen — weiß nicht, was Zunz und seitdem viele Andere für die Geschichte der religiösen Poesie gethan? Zunz' „Shnagogal-Poesie", die „Ritus" sind die Sterne und der Mond; wie ich höre, soll auch bald die Sonne mit einem neuen Werke von demselben, der Geschichte sämmtlicher religiösen Poesie, aufgehen. Das Letztere soll dem Gebäude die Krone aufsetzen. Alles dies ist für die Leser nur eine mikroftopische Ansicht, denn man muß dem Forscher glauben; alles dies wird doch nur ein Gerippe, aber den Körper wollen wir, die Texte, um selbst urtheilen zu können. Ja, dieser Körper ist zerstückelt und an vielen Stellen zerstreut; da in dem einen Machsor findet sich die Brust Gabirols, in einem andern die rechte Hand Moses ben Esras, in einem dritten die linke Hand Abraham ben Esras. Die Gedichte Tabans, Jacob ben Elasars haben sich gar sehr weit verlaufen, befinden sich nur in Manuscripten. Kein Wunder also, wenn beide genannten Dichter von zwei verschiedenen Gelehrten, jedoch in einer Stadt lebend, so kleinl i ch dargestellt wurden; ja Letzterem wurde s ogar jedes poetische Talent abgesprochen. Wenn Jemand in der Ferne ist, so wird er immer kleiner gesehen. OptischeTäuf ch u n g e n kommen auch in der Literatur vor. —7- Und wem sind die Machsorim alle denn zugänglich? Diese gehörenfast ebenfalls zu den Manuscripten. Besonders wir zum deutschen Ritus Gehörigen sind unglücklich genug, die kalirischen. Reime .zumeist in unfern; Gebeten j beibehalten zu haben; die Sephardim besitzen nur das. Minimum vom. Minimum, von den wahrhaft begeisternden, .Gebeten unserer Meister. — Noch weniger stehen Vielen. Mann-, scripte zu Gebote, in welchen sich eigentlich der Kopf des obengenannten Körpers befindet, da viele, sehr viele Gebete in den gedruckten Machsorim verstümmelt und abgekürzt sind. Es muß also ein sehr geschickter Anatom vorhanden sein, der.diese Glieder wieder.zusammenfügen kann, um womöglich den Körper herzustellen. — Nun, Herr Senior Sachs, der die Tobten belebt, kann auch weiter gehen und die in P a p i e r eingewickelten Glieder sorgfältig herausfiyden, um ein Ganzes daraus zu machen. Die Papiere sind die Manuscripte, die demselben zu Gebote stehen, durch seinen Mäcenas angekauft. — Welch sonderbares Schicksal! Siehe da, eine Familie, aus . Rußland abstammend, beglückt von . Gott mit irdischen Gütern, begiebt sich nach Paris; man beruft Herrn Senior Sachs aus Berlin, um den hebräischen Unterricht daselbst zu leiten. Ich will den Namen dieser ehrenwerthen Familie nicht verhehlen; es ist die Familie Günsburg. Außerdem daß der Geist alle Mitglieder derselben beseelt, ist es besonders einer der Söhne, Herr Herz, dessen Herz wirklich für jüdische Literatur schlägt, der selber im Stande wäre, Beiträge für dieselbe zu liefern, hatte ihn nicht Gott zum Segen Anderer bestimmt. Er ist ein wahrhafter Sebulon und wählt seine Jsachars; er ist es, der in so kurzer. Zeit eine Bibliothek von ungefähr 600 Manuscripten angekauft und dieselbe feinem Lieblinge und Landsmann, Herrn Sachs, zu Gebote gestellt hat. Ein vollständiges Machsor von Moses ben Esra, welches unser Mäcenas am NeujahrS- und VerföhnungStage durchgelefen, ergötzte ihn so sehr, daß er dem Herrn S. materielle Unterstützung für die Veröffentlichung der verschiedenen Poesien versprach. Und was war unserem unermüdlichen Forscher, willkommener als eine: solche Aufmunterung! .Das Rikafon, welches nur wegen der stechendem Sonnenhitze dieser gluthv0llen Poesien, d. h. um dieselben allmählig veröffentlichen zu können, entstand, mußte dem wk'm tibn Platz machen; unter diesem Titel giebt Herr Sachs sämmtliche gedruckten und ungedruckten religiösen Poesien Gabirols und seiner Nachahmer heraus^ Viele Stücke derselben waren Zunz sogar unbekannt, als sein Seder von Jom Kippur, ferner Asharoth zu Chanukah, Purim und Schebuoth. Letztere sind ganz unbekannt, und sind von Moses Ihn Tibbon in seinem Com-

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