Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 8 (18.2.1862)
- Date
- 1862-02-18
- Page
- Seite 96 (sequence 12)
- Language
- German
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06 schon längst den Weg alles Fleisches gegangen. Aber siehe da : N22VN hym -iibp»! Unter den vielen Petitionen, die bei dem Congresse in der obigen Angelegenheit einliefen, war auch eine von jenem wieder auferstandenen öoard, worin er mit der frechen Lüge vor den Congreß tritt: your memorialists rcspeclfully submit, that the body of citizens of the united States, whom your memorialists rep res ent, numbering not less than two hundred thousand.“ WaS sagen Sie zu dieser grenzenlosen Unverschämtheit? Dieser Board wirft sich hier zum Repräsentanten der ganzen jüdischen Bevölkerung der v. St. auf, denn 200,000, das ist ungefähr die jüdische Seelenzahl (nicht Bürgerzahl) der sämmtlichen Staaten. In feiner Glanzperiode (?) hatten unter zwei hundert jüdi-- dischen Gemeinden nicht einmal dreißig diesen Board anerkannt, und unter diesen (nicht einmal) dreißig waren mehrere, die, wie sie selbst eingestanden, kaum ein Minjan zählten. In Baltimore, das eine sehr starke israelitische Bevölkerung hat, hat von den sieben Gemeinden, die es zählt, nicht eine einzige diesen Board'anerkannt; dasselbe ist der Fall mit den 5 oder 6 Gemeinden Cincinnatis, mit den Gemeinden in C h i e a g o, in S t. L o u i s, in L o u i s v i l l e u. s. w. Ja, nach un ferm besten Wissen hat in dem ganzen, großen Westen nicht eine einzige Gemeinde diesen Board anerkannt. Die Ansche-Chesed-Gemeinde, die bedeutendste unter den Gemeinden Neu-Jorks, die über 400 Mitglieder zählt, hat sich schon vor längerer Zeit von diesem Board losgesagt, und die Emanuel-(Tempel-) Gemeinde, die an Intelligenz und Reichthum von keiner andern in Amerika übertroffen wird, hat schon vor einigen Jahren einen Protest gegen diesen Board erlassen. Von den sieben Gemeinden Philadelphias haben blos zwei zu den jährlichen Sitzungen dieser Board Abgeordnete geschickt, eine davon natürlich Leesers Gemeinde, der der Vice-Präsiöent dieser Board ist. Eine Anzahl dieser dreißig Gemeinden ist in den aufständischen südlichen Staaten, und konnte also natürlich nicht beim Congresse repräsentirt werden. Wenn wir also die Anzahl der Bürger, welche dieser Board repräsentirt (the body of citizens... whom they represent) auf fünfzehen hundert schätzen, so haben wir ihm mehr als Gerechtigkeit widerfahren lassen. Sie sehen also, Herr Doctor, daß es mit den zweimal Hunderttausend nicht ganz seine Nichtigkeit hat. ' Hätte man nun zu einer solchen Anmaßung geschwiegen, so hätten wir die größten Gefahren auf; unsere Häupter heraufbeschworen; denn der praktische Amerikaner, so gern er jedem seine persönliche Freiheit gönnt und seine religiöse Ueberzeugung läßt, haßt und fürchtet nichts mehr — und wie Recht hat er! — als solche in sich abgeschlossene Körperschaften, die unter dem Vorwände, religiöse Zwecke zu verfolgen, gar bald Uebergriffe in andere' Gebiete machen und so einen Staat im Staate bilden. Der furchtbare Fremdenhaß, der noch vor wenigen Jahren unter dem Namen Know-nothirigismus hier wüthete, hätte einzig und allein seinen Ursprung in den anscheinend religiösen Verbindungen der Katholiken, die aber nur zu häufig in das Gebiet der Politik hinübergriffen. Und das Häuflein Israeliten, das wahrlich noch lange nicht den Einfluß und die Hülfsmittel besitzt, die dem Katholiken auch m diesem Lande, trotzdem er sich in der Minorität befindet, zu Gebote stehen, — diese Hand voll Israeliten sollte sich stillschweigend dem Ehrgeize einiger Männer opfern, die gar so gern die Rollen eines Präsidenten, Vieepräsidenten u. s. w. spielen? Das durfte nimmer geschehen. Und so wurde denn ein nachdrücklicher Protest, der von sechs an der Spitze der bedeutendsten hiesigen Gemeinden stehenden Rabbinern unterzeichnet wurde, in den gelesensten, politischen Blättern der v. St. veröffentlicht; in den po litis che n, da diesen Männern hauptsächlich daran gelegen fein mußte, dem amerikanischen Publikum und besonders dem Congresse über das Unbefugte Treiben dieses Board die Augen zu öffnen^ und ihr und ihrer Gemeinden Nichtbetheiligtsein an demselben darzuthun. Da unseres Wissens im Ganzen nicht mehr als 9 Rabbiner in den v. St. fungiren, so vermissen wir blos die Namen dreier Rabbiner unter diesem Protest. Der eine, der noch dazu bei einer Reformgemeinde fungirt, verweigerte seine Unterschrift; obgleich auch seine Gemeinde diesen Board nicht anerkennt; der zweite, Dr. E. Cohn, in St. Franzisco wurde wahrscheinlich, um die Sache nicht zu verzögern, gar nicht um seine Unterschrift angegangen, die er gewiß nicht verweigert haben würde; und ob der dritte; vr. Raphall in Neu-Iork, seine Unterschrift verweigert^ oder, was wahrscheinlicher, um dieselbe gar nicht ersucht worden ist — das weiß ich nicht. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von Z. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Nedactenr: K. Nabe.