Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 8 (18.2.1862)
- Date
- 1862-02-18
- Page
- Seite 94 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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94 scheu Lehrbezirks angestellten gelehrtenEbräern, Herren Seiberling und Fün, Theil nehmen. Die Function eines Schriftführers bei dieser Commission ist dem Collegienassessor Eßow übertragen, und als stellvertretender Schriftführergehülfe und Translateür fungirt der beim Wilnä'schen General-Gouvernement angestellte gelehrte Ebräer I. Gerstein. Die Commission wurde am 30. November v. I. unter Vorsitz des vr. Neumann und im Beisein des von dem Ministerium zur Leitung dieser Commission angestellten Vice-Directors, Staatsrath v. Schulz, eröffnet, Lei, welcher Gelegenheit der Präses, Herr' Dr. Neümann an die Versammlung eine entsprechende kurze Ansprache hielt. Ueber die Resultate der Thätigkeit dieser Commission soll seiner Zeit den Lesern der Allgemeinen Zeitung des Judenthums mitgetheilt werden. 'Für jetzt sei blos der Wunsch ausgesprochen, daß der Geist der Eintracht alle Glieder der Commission unter einander verbinden möchte, auf daß sie, wenn auch nur für einige Zeit, ihren entgegengesetzten Ansichten entsagen und durchdrungen von der Wichtigkeit ihrer Aufgabe, beseelt für das Wohl ihrer Glaubensgenossen, eine völlige Uebereinstimmung bewähren, um bei der Entscheidung der ihren Folgen nach gewiß wichtigen Fragen, welche die Reorganisation der Verhältnisse der russischen Ebräer betreffen, den Forderungen der Religion und des Zeitgeistes, wie den humanen Absichten der Regierung ganz zu entsprechen. — Am 2. Januar d. I. hat eine Deputation der Mitau'schen Ebräergemeinde, aus den dasigen Kaufleuten Samuel Friedlieb und Moritz Kallmeher bestehend, die Ehre gehabt, dem bisherigen General-Gouverneur der russischen Ostseeprovinzen und gegenwärtigem St. Petersburger General-Gouverneur Fürsten Suworow eine Dankadresse in St. Petersburg zu überreichen, welche dieser humane Fürst in gewohnter Weise huldvoll entgegettzunehmen geruhte. Die Adresse lautet wie folgt: „Ew. Durchlaucht segensvolles Wirken in unfern Provinzen bleibt auch für uns unvergeßlich und unvergänglich, die vielfachen Beweise von Ew. Durchlaucht Gerechtigkeit und Menschenfreundlichkeit, die zahlreichen Wohlthaten und Hülfeleistungen, deren auch wir uns zu erfreuen hatten, die sichere Gewißheit , in gerechter Sache stets ein offenes Ohr und herablassende Theilnahme zu finden, und endlich die allgemein anerkannte humane Gesinnung eines großen Herzens gegen jede Confession und jeden Stand, berechtigen uns zu hem tiefgefühlten .Danke!, den wir hiermit Ew. Durchlaucht auszusprechen wagen., „Wenngleich das Bewußtsein schmerzlich , ist, jene Stütze für Jung und Alt, Reich und Arm, Vornehm und Gering, in weite Ferne entrückt zu sehen , so hegen wir dennoch die Hoffnung, daß Ew. Durchlaucht, anjetzt dem Throne näher stehend , auch ferner,, hie Fürsorge für den Fortschritt alles Edlen und Guten bleiben werden. „Empfangen Ew. Durchlaucht zugleich den. hundertstimmigen Glückwunsch aller unserer Gemeindeglieder für Ihren neuen Beruf und für das künftige neue Jahr, möge der Herr der Herren Seine Hand ferner segnend und schützend über Ihrem uns so theurem Haupte halten, damit unser Vaterland, noch, recht lange sich des segensreichen Wirkens erfreuen möge." —; Gemäß eines Auszuges aus der Criminal-Statiftik des kurländischen Gouvernements sind daselbst im Jahre 1860 zu verschiedenen Strafen, verurtheilt worden 340 männliche und 59 weibliche Individuen. Unter ihnen befinden sich der Confession, nach: zur russisch-griechischen . .... . .... . 18, - protestantischen und römisch-katholischen 326, - raskolniken.. 10, - ebräischen .. 45. Reducirt man die vorstehenden Zahlen auf 1000, so ergiebt sich, daß von tausend Verurtheilten auf sämmtliche christliche Confessionen 887, während 113 auf Ebräer kamen, von welchen letzteren aber die geringsten wegen Capitalverbrechen, und in überwiegender Zahl nur wegen geringfügiger Vergehen incriminirt worden. — Schließlich mögen hier noch zwei sociale Institutionen erwähnt werden, welche gegenwärtig in der Mitau'schen Ebräergemeinde ins Lehen gerufen werden. Die eine nämlich bezweckt eine Art Club, bei,welchem auch fast alle jüdischen Zeitschriften , die Allgemeine Zeitung des Judenthums und das Jüd. Bolksblatt natürlich obenan, ausliegen; die zweite aber ein F r auenve rein, dessen projectirte Statuten von dem dasigen Kaufmann, Armenvorsteher und Ehrencurator der hebräischen Kronsschule, E. Blumenau, ausgearbeitet, der obrigkeitlichen Bestätigung unterlegt werden sollen; und wäre nur zu wünschen, daß bei der erstern nicht blos dem leidigen, ^atem^t8nlu$ gehuldigt, sondern vorzugsweise auch ein geistiger Zweck, nämlich die Förderung friedlicher Geselligkeit