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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-02-18 · Heft 8 (18.2.1862) · p. Seite 91

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 8 (18.2.1862)
Date
1862-02-18
Page
Seite 91 (sequence 7)
Language
German
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91 Fleiß die ersehnte Frucht, nun kann er die alte Mutter unterstützen, die ihrem Erstgebornen bis hierher so treu geholfen hatte. -Er ist gewählt — bestätigt muß er ja werden, er hat ja sein Examen so gut bestanden, und daß er Jude ist, das schadet nichts, denn die Verfassung, die der Minister mit heiligem Eide beschworen, die. steht ihm ja schützend zur Seite! „Armer Betrogener! Was hast Du Dir unter Eid gedacht? Was unter Verfassung? „Du bist ein Jude, und der Herr Minister bestätigt Dich nicht, weil Du ein Jude bist. Gehe hin und traure, traure mit uns um das verlorne Vaterland. „Dieses nämlichen Ministers Verordnungen sucht der Herr Ländrath so warm zu verteidigen; er sagt, unsere Notiz sei in „möglichst gehässiger" Weise abgefaßt. -———-—— Haec alii sex Et plures uno conclamantore: —-- Juv. Sat. VII 166." In No. 26 folgt noch eine andere Erwiderung,, welche insonders das Princip betont, für die Kinder der christlichen Confesstonen den Religionsunterricht obligatorisch zu machen, die jüdischen Kinder davon zu befreien, was der Verfasser unter-den obwaltenden Umständen, nicht für eine „Freiheit", sondern für eine „Vogelfreiheit" ansieht. — Schwerlich wird dieser Kampf? eine unmittelbare Einwirkung üben, aber gut ist es doch, daß an allen Enden, des. preußischen Staates die Widersprüche aufgedeckt werden, in welche man in Preußen gerathen ist, und deshalb verdienen alle die ehrlichen und freimüthigen Kämpfer Anerkennung und Dank, Aus der Grafschaft Mark. Der diesjährigen Legislatur wird von hier eine Petition übergeben, von der man wohl mit Recht voraussetzen kann, daß die Abgeordneten sie mit Wohlwollen aufnehmen werden. Es handelt sich darum, den Israeliten des preußischen Staates eine kleine Beisteuer zu ihren Cultuskosten vom Staate zu verschaffen. Daß in Frankreich, Belgien, -Hollands rc., wo die Israeliten den anderen Religionsgenossen völlig gleichgestellt sind, den Israeliten ein verhältnißmäßiger Theil zu ihren Cultuskosten Leige-' steuert wird, mag außer Rechnung bleiben, daß aber in Deutschland es gerade Preußen ist, das in dieser Beziehung gegen Bayern, Hannover, Oldenburg, sogar Mecklenburg zurücksteht, stimmt nicht gut mit dessen Wahlspruch: 8uum euique. (So berichtet die „Köln. Ztg." Ist die gedachte Petition so allgemein gehalten, wie diese Notiz angiebt, so würden wir sie für s ehr unzeitig halten müssen. Erstens, weil wir in Preußen zuvor noch viel Wichtigeres zu erringen haben, als einige Brosamen aus dem Staatsseckel, zweitens, weil bei der gegenwärtigen Finanznoth schwerlich ein Beitrag zu den Cultuskosten aus Staatsmitteln erlangt werden kann, und drittens, weil, die Bereitwilligkeit, uns einen Zuschuß zu gewähren, selbst vorausgesetzt, die Angelegenheit eine sehr schwierige, nur nach weiter Erwägung zu organisirende ist, da es in Preußen über sechshundert jüdische Gemeinden giebt, welche die Subsidien.beanspruchen könnten! Vielmehr wären solche Staatsmittel für die ganze Judenheit in Preußen berühende Institute wünschenswert, die dann aber erst geschaffen werden müßten. Jndeß haben wir über diese ^Petition noch kein bestimmtes Urtheil, und betrifft sie vielleicht nur einige Lokalitäten. Die Redaction.) 1 Oesterreichischer Kaiserstaat. Agram, 25. Januar (Privatmitth.). An der hiesigen k. Rechtsakademie wurde von Seiten , des h. k. Hofdikasteriums eine Lehrkanzel der Staatsarzneikünde errichtet, und der Honorar-Physikus des Agramer Comitates, Herr vr. Sachs, zum Professor dieses außerordentlichen Lehrfaches ernannt. : Wien, im Januar. Unter, den drei aus Ungarn nach Wien versetzten Advocaten befindet sich ein Israelit, vr. H. Knepler (aus Kaschau), welcher nach den gegenwärtig in Ungarn geltenden Gesetzen wegen seines .Glaubensbekenntnisses.als unfähig zur Ausübung der Advocatur in Ungarn betrachtet wurde. — In Triest hat die Jsraelitensrage einen großen Wirrwar in der Stellung der Parteien und Nationalitäten angerichtet. Nicht' nur das alte Casino hat mit einer Mehrheit von 63 Stimmen beschlossen, an seinem Principe, keinen Juden zuzulaffen, festzuhalten; sondern auch das frühere deutsche, jetzt namenlose Casino hat eine ähnliche Resolution gefaßt. Die „Neuzeit" theilt folgenden von hoher Humanität zeugenden Tagesbefehl des Herrn FZM. Benedek mit: In Kenntniß gesetzt, daß die Soldaten mosa-

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