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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-02-18 · Heft 8 (18.2.1862) · p. Seite 90

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 8 (18.2.1862)
Date
1862-02-18
Page
Seite 90 (sequence 6)
Language
German
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90 sora, an denen! er seit Jahrzehenden arbeitet, .den Kreis Deiner Schüler und Freunde zu erweitern. vr. S. Kayserling. Preußen. : Stettin, 26. Januar. (Privatmitth.) Der Verein für innere . Mission hat in Gemeinschaft mit dem Johanniter-Orden in dem zu Stettin gehörigen Fabrik ort Züllchow ein Krankenhaus errichtet. Gegenüber der allbekannten politischen Richtung dieser Conservativen verdient es in dieser Zeitung vermerkt zu werden, daß zum Arzte dieser Anstalt ein hiesiger jüdischer Arzt, vr. Fränkel, berufen worden, und zwar auf den ausdrücklichen Wunsch des Regierungspräsidenten, Grafen von Krassow aus Stralsund und des Oberpräsidenten Frhrm Senfft v. Pilsach. — vr. Frankel gehört übrigens, und namentlich in Folge seiner operativen. Leistungen, zu den hervorragenden Aerzten von Stettin. Magdeburg, 9. Februar. (Privatmitth.) Hinsichtlich der Besetzung der hier vacanten Stelle ist zu bemerken,, daß die Geyleinde auch geneigt wäre, eine jüngere, im Amte noch nicht bewahrte Kraft, wenn sie sich nur von vorn herein in Predigt und Schule als eine entschieden tüchtige erweist, anzunehmen. Da die hiesige Gemeinde vor 29 Jahren in gleichem Falle war, und die günstigsten Erfolge daraus gewann, so liegt es ihr nicht fern, in gleicher Weise zu verfahren, um. zu dem gewünschten Ziele zu gelangen. Die Meldung müßte aber schleunigst geschehen, da eine baldige Wahl in Aussicht steht. Königsberg, 2. Februar. (Privatmitth.) Die Leser dieser Zeitung erinnern sich, daß die Majorität der hiesigen Universitätslehrer auf Streichung des, die Professur auf Männer evangelischer Confession beschränkenden Paragraphen der Statuten angetragen, der Minister von Bethmann-Hollweg aber resolvirte, daß die. Majorität nicht groß genug gewesen sei. Der K. H. -Z. zufolge hat die hiesige Universität jetzt mit einer^ an Einstimmigkeit grenzenden Majorität die Aufhebung: der confessionellen Beschränkungen für die medieinischen, naturwissenschaftlichen und philologischen Lehrfächer beantragt. (Cigenthümlich ist es, daß in diesem Beschlüsse nicht blos die philosophischen, sondern ' auch l die. juristischen Lehrfächer ausgefallen sind. Da war man doch in Deutschland vor zwei Jahrhunderten weiter, wo bekanntlich sich die Heidelberger Universität unter den Auspicien des Pfalzgrafen Karl Ludwig bemühte, Spinoza als Professor wer Philosophie zu. erwerben; dieser lehnte den Antrag ab, weil er fürchtete, daß trotz ausdrücklicher Zusage die Lehrfreiheit ihm beschränkt werden würde. *) Was aber wird nun Herr v. Bethmann - Hollweg thun, nachdem ihm das bisherige Motiv entzogen und er im Comite des Lessing-Standbildes Sitz genommen? Die Redact.) Ottweiler, im Februar. (Privatmitth.) Der in voriger Nummer mitgetheilte, den Vorgang an hiesiger Schule betreffende Artikel aus der „St. Johanner Zeitung" hat eine Erwiderung des Landraths von Schlechtendal in No. 23. hervorgerufen, die allerdings nur enthält, was bereits bekannt ist, jenen Artikel einen gehässigen nennt und die Voraussetzung.ausspricht, daß der jüdische Religionslehrer (trotz der erlittenen Zurücksetzung) den Religionsunterricht unentgeltlich zu geben fortfahren werde. Der Verfasser des erstgenannten Artikels, beiläufig bemerkt, kein Jude, ließ diese Erwiderung nicht ohne Antwort, die wir in No. 25. der „St. Johanner Ztg." lesen. Er widerlegt hier die Auslassungen des Herrn Landraths und kommt dann auf den bekannten Vorgang in Posen, worüber er sich folgendermaßen ausläßt: „Der Herr Minister hat „bei dem allmächtigen Gotte" geschworen, die Verfassung treu und unverbrüchlich zu halten. . Ein wesentlicher Punkt derselben ist aber Art. 12. Dieser lautet: Die Ausübung der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte Ist unabhängig von dem religiösen' Bekenntniß. „Vertrauend auf jenen Eid ging nun der Jude hin und studirte, um einst Lehrer zu werden. Sein kleines: väterliches Erbtheil wurde dazu verwandt — aber er tfjat es gern, wußte er doch, daß es Früchte tragen würde, wenn er fleißig sei. „Er war fleißig, er bestand sein Oberlehrer-Examen und hatte durch dies Bestehen ein Recht auf Anstellung erhalten. Da wählte ihn der Posener Magistrat zum Lehrer an die Realschule. Nun bringt sein *) S. Jahrbuch s. d. Gesch. d. Juden Bd. il. S. 217 ff.

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