Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 8 (18.2.1862)
- Date
- 1862-02-18
- Page
- Seite 89 (sequence 5)
- Language
- German
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zu verfassen ,..• sonst kann, Niemand mehr seine eigenen Füße und Hände zusammenfinden. Hier bereitet sich eine Umgestaltung des Judenwesens lvor; „des Gemeinde Wesens",, das kann man nicht sagen, - - denn damit wäre - schon vorgegriffen , daß es eine Gemeinde, und zwar Eine, Gemeinde geben soll.; Bisher war, esindessennur loses . Gespräch, das sich erst concentrtten wird,.wenn der innere Ausbau unserer Staatsverfassung weiter vorgeschritten ist und die weit dringenderen Gegenstände, als Schulwesen, Gewerbefreiheit, Justizverwaltung u. s. w. sickerledigt haben. n . Hannover, 29. Januar. (Privatmitth.) Die. .hiesige Religionsschule beging gestern den Tag ihres füufundzwanzigjährigen Bestandes in feierlicher,, der Würde eines solchen Tages entsprechender Weise. Da die Räume des Schultocals zu beschränkt waren, nahm man den Gemeindesaal für.diese Feier Ln Anspruch,, wozu man um..- so mehr berechtigt, da. dieselbe über die Schule hinaus eine allgemeinere werden sollte. Es hatte sich in der That auch eine reiche' Versammlung .eingefunden, in. der nur die Vorsteher der hiesigen Gemeinde gefehlt haben sollen, wie der Berichterstatter in einem hiesigen Localblatte bemerkt, der seiner Darstellung nach, weit mehr gehört , als alle anderen Leute:! Nach vorangegangener Declamation eines .Schülers führte Herr Oberlehrer Dr. Wiener in einem längeren.Vortrage der Versammlung in sehr anziehender Weise die . Entwickelung des Schulwesens, im Judenthume vor, mit den betreffenden Anssprüchen der.Bibel anhebeud bis zur Jetztzeit herab. . 'Nach dieser Auseinandersetzung ging er auf die. Wirksamkeit der hiesigen Religionsschule, über, und wird , es Niemand mißbilligen ,, wenn au . einem solchen Tage auch die Schattenseiten, so viel nur immer möglich erhellt, werden; Bei dem Mangel an.einer jüdischen Realschule, zu deren Gründung vor drei . Jahren d.er Plan gefaßt und wieder aufgeschoben, wurde, war der herzliche Dank, den. Herr vr.. Wiener den Gründern der Anstalt, dem Herrn Oberland - Rabbinen Dr. Adler in London und dem.nun verstorbenen, Dr. jur. Cohn brachte, wohl verdient und an seinem Orte. Herzliche Worte richtete der Redner bann , an seinen Vorgänger im Amte, den Oberlehrer des Seminars, Herrn Dr. Frensdorff und an seinen treuen Mitarbeiter, Herrn Lehrer I. Jüdel, so wie er auch der Sorgfalt der Verwaltung und des Vorstandes lobend gedachte. Nach Herrn Dr. Wiener ergriff der Landrabbiner Dr. Meyer das Wort, der anschließend an seinen Vorredner, gleichfalls von der Bedeutung der Religionsschule sprach, die , nicht als Ziel, sondern nur als Ausgangspunkt zu be- \ trachten sei, von der aus Größeres sich entwickeln müsse. \ Die Verdienste des Herrn Oberlehrers Dr. Wiener so wie die des Herrn Jüdel fanden auch seinerseits volle Würdigung. Er forderte dann zur Gründung einer! Fortbildungsanstalt für die aus dcr Schule entlassenen Schüler auf und nahm den bei dem Festmahle von einem hiesigen Gemeindemitgliede angeregten Gedanken an einen. Talmud-Thora-Verein wieder auf; wir werden Näheres berichten, sobald sie ins Leben getreten sind. Innig bewegt wurde die Versammlung, als Herr Lehrer Jüdel, der mit der Schule zugleich sein Lehrerjubiläum feierte, für alle die Beweise der Liebe und Anerkennung dankte, die ihm an diesem Tage geworden und um Segen für die Anstalt und um Kraft und Stärke für ihre Leiter zum Herrn betete. Die Hingabe und der Eifer, mit denen dieser gewissenhafte Lehrer stines Berufes wartet, sind bei Jung und Alt hier anerkannt und daß man sein Wirken zu. schätzen weiß, bewiesen die vielen Zeichen der Theilnahme, die ihm von der Schulcommission, seinen Schülern und Privaten wurden. Möge er noch viele Jahre seiner segensreichen Thätigkeit erhalten bleiben. . Auch dem; Herrn Oberlehrer Dr. Frensdorff wurde dieser Tag , an dem er vor fünfundzwanzig Jahren seine Wirksamkeit in hiesiger Gemeinde begann, zu einem Freudentage gemacht und zeugte die allgemeine Theilnahme, die sich für ihn. kundgab, von der Liebe und Werthschätzung, die er sich zu erwerben gewußt. Seine Schüler, die Seminaristen, brachten ihm des Abends vorher ein Ständchen und überreichten ihm an dem Tage selbst neben einem Pokale, ein Gratulationsschreiben, in dem sie ihre Liebe und Zuneigung gegen ihren treuen Führer und Leiter und ihren Dank für seine väterliche Sorgfalt für sie aussprachen. Die Lehrer des Seminars überreichten ihm zur Erinnerung an diesen schönen Tag ein schönes Werk. Indem ich, als früherer Schüler des Herrn Dr. Frensdorff, mich all den Wünschen, die ihm dargebracht sind, aufs Freudigste anschließe, will ich nicht unterlassen, eiue Aufforderung zu wiederholen, die schon von vielen Seiten privatim und. öffentlich, so besonders von Geiger und Ewalds an ihn ergangen: der Wissenschaft ihr Recht zu geben und durch Veröffentlichung seiner Werke über die Ma-