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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-02-18 · Heft 8 (18.2.1862) · p. Seite 88

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 8 (18.2.1862)
Date
1862-02-18
Page
Seite 88 (sequence 4)
Language
German
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'88 Gottheit und andere transcerwetttale Doktrinen zu Glaubenssätzen zu machen. Mögen unsere Katecheten dies beherzigen! Aber eine Historische biblische Parallele möchten wir nicht unterdrücken. So lange das Jsräelittnthum ein eigenes Land, einen König nebst Hof, einen Tempel nebst Priesterschaft besaß, so lange konnte, trotz der gleichzeitigen Propheten, die Religion keinen festen Fuß fassen, und selten hatte der Sohn dieselbe Religion, die der Vater hatte. Aber nach dem Exil, ohne König, ohne vollen Landesbesitz, ohne Propheten, ohne Bundeslade, Bundestafeln, da hören wir gar nichts mehr von Götzendienst, bis wieder die Späteren der Makkabäer nicht zu diesem, sondern zum Jndifferentismus hielten, woraus sich denn oppositionell das Weitere bis hin. zum christlichen Universalismus entwickelte. Giebt es wohl eine passendere Veranschaulichung des Unnutzens staatlicher Gewalt für das Papstchum? Bei dem treulichen Apercu über den Chassidismus mußten wir unwillkürlich auf die alte Bemerkung zurückkommen, daß wir deutschen Juden vor etwa 100 Jahren auf dem direkten Wege eben dahin waren, und ohne die allgemeine Aufklärung, der wir auch die Mendelssohn'sche Periode verdanken, und ohne die Grundsätze von 1789 auch sicher dahin gelangt wären, Es fehlte damals wahrlich nicht an , Anläufen zur Wunderthäterei, zu Amuletfabriken, zu Gebetbüchern mit magischem Gcheimsinn, von denen die Rudimente noch heute erkennbar sind und von allerlei Männlein und Weiblein gepflegt werden, und wir sind nicht ganz sicher, daß nicht heute oder morgen irgend, ein Baalfchemlein in gewissen deutschen Regionen, seine Muckergemeinde finden kann. Ganz unberechtigt aber ist, wie Alles in Natur und Geschichte, auch die chassidäische Verirrung nicht. Des-beständigen Bittens und Abarbeitens für die messianische, palästinensische Zukunft wird das Gemüth, des beständigen Hinweisens auf Mirakel, die vor Tausenden von Jahren geschahen, die sich, Gott weiß wann, zu ganz dunkeln Zwecken wiederholen sollen, der Verstand endlich satt. Da kommen denn Fleisch und Blut und fordern ihre Rechte. Gebete, die bis aufs Pünktchen zugerichtet und als eingelerntes, abzuhaspelndes Pensum vorgeschrieben sind (wovon ja leider die überall eingeführte Wiederholung der Tefilla durch den Chasan Zeugniß giebt), können dem Bedurfniß nicht - genügen, zumal da die eigentliche Privatbitte (Schaalot Zerachav) unbeliebt, ja fast verboten ist. Die Erwähnung von unbekannten und unerkennbaren Mittel- - wesen ermüdet die Phantasie, werkheilige Praktiken, die! eben weiter nichts sind als trockene Gesetzlichkeits-Exerjcttiett; verlieren alle Bedeutung, gerade wie unsere Höfjlichkeitsphrasen sie verloren haben: :! : Da kommt denn der Mensch, und zwar hier der I von europäischer Cultur nicht berührte Menschund verlangt, selbst ohne an Nachahmung seines katholischen Nachbarn zu denken, einen begeisterten, frei gewählten individuellen Standpunkt für jeden Betenden, einen klaren, gegenständlichen Inhalt für jedes Gebet, einen lebendig wirksamen Sinn für jede - Ritualhandlung, und— eine warme, dem Bittenden antwortende, ins Particuläre eingehende Persönlichkeit für jedes Anliegen. Der Rabbinismus inseiner gemüthlosen Einseitigkeit hat dies verschuldet, es ist sein directes un- : ausbleibliches Product, und zwar nicht nur des gegenwärtig erstarrten, sondern schon des Ur-Rabbinismus, der-freilich wohl in wohlgemeinter Absicht — dem : Ewigen sein Hu zivvwab we-jaamöd hat' nachahmen wollen. Und nur die Befreiung von massenhafter Werkheiligkeit kann hierdie, Heilung schaffen , die die Heroen der chasstdischen Secte auf rohe, mückerische, betrügerische, aber ganz naturgemäße Weise versucht haben. — " „Wenn die Könige bauenhaben die Kärrner zu thun!" Gleich nach Anzeige des milchrrnd fleischdingen Zukunftsromans Haben sich hier einige fromme Gedichtmacher vereinigt, um einen Cyclus von Poesien derselben Tendenz auszuarbeiten,] wovon feiner Zeit - das Nähere. Die bekannt gewordenen Themata sind 1) das Bedikah-Läppchen,' ein Kranz von 6 Sonetten, 6 Madrigalen und 6 TrioletteN;^2) die Kopf- und die Barthaare, ein Lehrgedicht in 12 Gesängen, und mehr dergleichen. Vörangehen soll eine Aufforderung an das ästhetisch „fromme Publikum", und ein Kreis gebildeter Dichterinnen wird den 'ersten Vorlesungen der Manuscripte beiwohnen und den Siegern einen Preis und ein Accessit züsprechen. — - Hier, und wahrscheinlich auch in den meisten großen Gemeinden, findet sich jetzt'' ein wahrer Babelthurm von Proselyten, Neophhten, Apostaten, Reve^-! nants, Relapsen und noch anderen Rapfens in das Judenthum und aus dem Judenthum. Es ist ganz unerläßlich, einen eigenen religiösen Mutations-Cödezc

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