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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-02-11 · Heft 7 (11.2.1862) · p. Seite 83

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 7 (11.2.1862)
Date
1862-02-11
Page
Seite 83 (sequence 11)
Language
German
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I SS Motor zuzulassen. — Gegen diesen Beschluß protestirte düs Prager erzbischöfliche Eonsistorium. — Dieser Protest' wurde dem Staatsministerium unterbreitet. — Das ' Staatsministeriumist,' dem Bernehmen nach, diesem Ansinnen des Consistorimns entschieden' entgegengetreten, und erblickt dasselbe' in dem Religionsbekenntnisse des vi-. Wessely kein Hinderniß, welches denselben von der Function eines Promotors ausschließen dürste. — Der Pesther Magistrat ist endlich organisirt und tritt seine Wirksamkeit am 1 sten Februar an. — Unter den hundert Männern, die den Communal-Ausschuß oder Gememderath bilden, find auch neun Israeliten ernannt. — In seinem an den Pesther Bürgermeister gerichteten Erlaß motivirt der k. Commisfär die Ernennung der Israeliten folgendermaßen : Da die Israeliten an der Verwaltung der städtischen Angelegenheiten auch früher theilnahmen; da sie den Sechstheil;ber Bevölkerung bildenda sie Liegenschaften von großem Werthe besitzen und da sie endlich zu den Steuern: und Lasten2 gleichmäßig beitragen:so wäre es unbillig sie von' der Evmmunal-Vertretung auszuschließen: — Freilich' seufzt' die patriotische Presse Ungarns zu dieser Ernennung ihr stereotypes Schlagwort: „ab^r nicht gesetzlich!" — Bekanntlich erschien 1860 unter dem Ministerium Goluchovsky das Gesetz: die Besitzfähigkeit der Juden Oesterreichs; nur bei den Juden Galiziens machte der edle Graf eine Ausnahme, indem er die Bedingung hinzufügte, der polnische Jude dürfe nur dann Realitäten erwerben, wenn er einen gewissen Bildungsgrad gesetzlich-Nachweisen kann. — Unter dem Ministerium Schmerling wird von dieser Ausnahme/vielseitig 'Umgang genommen. — Wahrscheinlich denkt Ritter v. Schmerling, der Jude Galiziens könne die Oekonomie betreiben ohne Livius gelesen oderdie- Lehrsätze der Experimental-Physik aufgefaßt zu haben. I. M. Deutsch. Raab, 24. Januar. (Privatmitth.) Es freut mich, als neuen Beleg für die eifrigen Bestrebungen der. hiesigen Gemeinde, die in Nr. 50 des vorigen Jahres dieser geschätzten Zeitschrift in anerkennender Weise gewürdigt wurden, Folgendes miltheilen zu können. Bei einem Vereinsfeste, das die fromme Brüderschaft surnp enan gestern und vorgestern, am 22. und 23. d. M. begangen, wurden von mehrern edlen Mitgliedern" reichliche Gaben für Spital, Schule nnd Tempel gespendet. Für eine zweckmäßige, der seit-wenigen Jahren ungemein'angewachsenen Gemeinde entsprechende Einrichtung des Krankenhauses wurden über '3000 Fl. ö. W: gewidmet, wobei sich insbesondere die Herren Karl König, Adolf König, Gemeindepräses und Herr B. Wolf, Präses der Schulsection, betheiligten. Herr Philipp Äbcles spendete für den Schulbau 300 Fl. ö. W., ebenso würden für die Schulbibliothek bei 80 Fl. und bedeutende Summen - für Prämien, Bekleidung armer Schüler und endlich für den Tempelbaü gespendet. Was aber insbesondere rühmend , hervorgehoben werden muß, ist der rege Sinn der heräNgewachsenen Jugend für die Gemeindeinstitutionen, ihre Pietät und kräftige Theilnahme, vorzüglich für die Schule. Gleichzeitig erlaube ich mir die Anzeige, daß die l. Gemeinderepräsentanz dem Direktor A. S. Fischer für die Widmung des Merkchens: „Palmen und Zedern" einen prachtvollen Pokal nebst einer sehr schmeichelhaften. Zuschrift' überreichen ließ: A. S. F. "/ Rußland, r Aus Rußland, 15. Jan. (Privatmitth.) Daß unser Schulwesen unter der Regiernng Unseres hochherzigen , das Heil" aller seiner Völker so lebhaft wie einsichtsvoll bezweckenden Monarchen. große Fortschritte gemacht, wirb Jedermann anerkennen. Dies schließt selbstverständlich nicht aus, daß noch große Mängel vorhanden, an welche die bessernde Hand zu legen ist, wie auch gegenwärtig desfallsige Entwürfe dem in Petersburg jetzt stägetiddn Rabbinercomite vorliegen. Die Wurzel jedes gesunden Schulwesens sind aber die Lehrerbildungsanstalten, die Seminare, wie sie in Deutschland heißen, und wie sie als „Räbbinerschülen" für die jüdischen'Lehrer in Polen und Rußland gegründet worden sind. Denn wer weiß es nicht, daß ein guter Lehrer selbst in der schechltangelegten Schule Bedeutendes und Segensreiches leisten kann, während der beste Schulorganismus dem schlechten Lehrer die nachtheiligen Wirkungen nicht zu entziehen vermag. Daß demnach diese „Räbbinerschülen" die größte Aufmerksamkeit erfordern, und daß von ihnen der ganze Erfolg des jüdischen Schulwesens im großen Kaiserreiche abhängen wirb, ist ersichtlich. Das Nebel, welches bei jeder Reform das bedrohlichste ist, besteht in dem plötzlichen Uebergang von einem Extrem zum. andern: Während die früheren jüdischen Schulen sich ausschließlich auf das jüdische Wis-

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