Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 7 (11.2.1862)
- Date
- 1862-02-11
- Page
- Seite 81 (sequence 9)
- Language
- German
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81 Abschrift vorstehender Regierungs-Versügun g erhalten Ew.Hochwohtgeboren zur gefälligen Kenntnißnahme und Beachtung. Ottweiler, den 10. Januar 1862. Der Königliche- Landrath, gez. v. Schlechtendal. An den Rector der höheren Bürgerschule Herrn Dr. von Cölln. Hochwohlgeboren hier. No. 165. pr. Couv. des Herrn Bürgermeisters Weiand. Ew. Wohlgeboren theile ich hierdurch rc. eine Verfügung der Königl. Regierung zu Trier vom 16. December s. pr. mit. Nach diesem Rescript hören Sie sonach auf, Lehrer der höhern Bürgerschule zu sein, so wie auch meine Befugniß, die Schüler israelitischer Confession zum Besuche Ihrer Religionsstunden anzuhalten, erlischt. Jngleichen kann in Zukunft auf dem Zeugnisse der. Letr. Schüler die Censur für Religion nur mit dem Worte „vsost^ ausgefüllt werden. . Ottweiler, den 13. Januar 1862. Der Rector der höheren Bürgerschule, gez. Dr. E. v. Cölln. An Hrn. Lehrer Levh Wohlgeb. hier. . (Dieser Vorgang überrascht uns nicht. Er ist eine Consequenz des in Preußen von jeher dem Judenthume gegenüber herrschenden Systems, das durch die „neue Aera" eben so wenig wie durch die Verfassung alterirt worden ist. Es. ist ferner ein Zeugniß, wie ungerechter Weise man in Preußen gegen die Centralisation in Frankreich declamirt, da sie in Preußen nicht minder vorhanden, und man von Berlin aus bald dem Magistrate einer Stadt im östlichen Theile des Staates verbietet, einen Juden als Fachlehrer anzustellen, bald einem Schulcollegium an der südwestlichen Spitze, den Religionsunterricht der jüdischen Schüler in die Censur mit aufzunehmen!! Uebrigens muß es immer als eine beachtenswerthe Erscheinung hervorgehoben werden, daß man für nothwendig hält, die christlichen Kinder zum Religionsunterrichte zu zwingen, die jüdischen Kinder nicht — können wir dies nicht als Zeugniß für uns und unsere Religion ansehen?—Aus Allem geht aber hervor/ wie nothwendig es ist, bei der Berathung des Unterrichtsgesetzes auch unsere Stimme vernehmen zu lassen. Daß vom Entwürfe selbst die jüdische Schule und Jugend nicht viel zu erwarten habe, läßt sich voraussetzen. Die Redaction.) Magdeburg, 31. Januar (Privatmitth.). Man hat mehrfach bei uns angefragt, wie es denn nunmehr nach dem in Nr. 4 aus Danzig mitgetheilten Ministerialrescripte mit der Geltung des Gesetzes vom 23. Juni 1847 stehe? Nach unserer Meinung geht die Erklärung der Herren Minister dahin, daß, wo die Juden noch keine Synagogen-Gemeinden auf Grund des genannten Gesetzes gebildet haben, sie nicht gezwungen werden können, damit vorzugehen. Bereits bestehende und bestätigte Gemeinden und namentlich bereits genehmigte Statuten sind damit keineswegs in Frage gestellt. Berlar, im'Januar (Privatmitth.). Der Titel >,Gehalt für den Rabbiner" war wenigstens zur Zeit des seel. Oettinger vielleicht der magerste in dem Ausgabe-Etat der Gemeinde. Da gab's an allen Ecken etliche Auswüchse, die zusammengenommen eine erkleckliche. Ernte boten, und die Summe all dieser Abfälle bezeichnte einerseits die Höhe des jährlichen Einkommens des höchsten geistlichen Beamten, andererseits den Umfang seiner Functionen, i. e. der rabbinischen Machtvollkommenheit. Ohne über die Angemessenheit dieser Rabbinerbesoldung sowohl in Rücksicht auf die Gemeinde in der Residenzstadt, wie die Würbe des ersten Beamten , dem sie gilt, ein beifälliges oder absprechendes Wort zu verlieren: nehmen wir an dieser Stelle nur einfach davon Notiz, daß derjenige Zweig, welcher das sogenannte „Schiurlernen für.Geld" hieß, von dem Rabbinatsstamm gelöst zu werden scheint. Es ist in der That möglich,' daß dieser Zweig dadurch zu grünen anfängt, was jedenfalls durch die mancherlei Legate, die dafür bestehen, wohl erreicht werden könnte. Wie wir hören, ist Herr Dr. Eger aus Halberstädt zum Leiter des in Rede stehenden Amtes ernannt worden. Borek, 26. Januar (Privatmitth.). Bor einiger Zeit beehrten uns zwei Glücklichmacher — die Missionäre Lange und Jnckertort — um uns einen neuen Gott, eine neue Religion^ einen neuen Himmel u. s. w. zu offeriren, wir waren jedoch so halsstarrig, von diesen so liebevollen Anerbietungen nicht Gebrauch machen zu wollen. Diese Selig- und Glücklichmacher, welche bekanntlich ein dickes Fell und eine zähe Ausdauer haben, ließen utts aber nicht so ssns fa^on fahren, sondern griffen zu begeisterten Reden und zur Vertheilung ihrer Traktätchen.; — wir aber ließen sie