Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 7 (11.2.1862)
- Date
- 1862-02-11
- Page
- Seite 77 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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.77 dallj und'Wallaches, Julius Ro s e n b e r g's „Reise durch,Wales" .und die .Schriften,B e it j a m i n des . I ü n g e r e n beschränken, desto eher gestatten wir , uns/ auf die vorliegende Schrift aufmerksam zu machen. Sind, es auch, nicht unbekannte, , Europäern bislang unzugängliche Gegenden, welche der -Reisende durchzieht und uns in: fesselndster Weise schildert, so. fehlte es doch bis. .jetzt:.an. deutschen :Beobachtern -für eine-,Landschaft, die ein, allgemeines culturhistorisches Interesse besitzt und von , national - ökonomischem Standpunkte aus .für alle Europäer von Bedeutung .ist. _ Hat. man daher auch einen Ueberfluß von -französischen- Berichten, Beschreibungen und Urtheilen, so-können diese ans-.wohlbegreiflichen Gründen für uns doch nicht, maßgebend, sein und ein objektives Urtheil darbieten. . Die vorliegende Schrift bietet uns daher^ ein zwiefaches Interesse,.. Ein junger Deutscher, in national--ökonomischen Studien auf deutschen Universitäten: .gründlich . vyrgebildet, unbefangen, vorurtheilslos, begierig, -sich ein volkswjrthschaftliches Urtheil über diese, den Franzosen nunmehr drei Decennien; unterworfene Colonie. zu verschaffen., durchzieht diese, Pie schon, chalb unterworfene Kabylie und einige Tagereisen weit die Sahara,, beobachtet mit frischem und .schon geübtem Blick, die- Volksstämme, ihre Sitten..und Culturzustände,- die Industrie, - die Verkehrs- und .Bodenverhältnisse,'mnd stattet hierüber.,genauen Bericht ab, und deckt, Pie Art. und das. Schicksal der französischen Colonisirungsversuche, unparteiisch auf. Dies. ist die wissenschaftliche ..Seite, und wenn wir auch gewünscht hätten, der Reisende hätte vermocht, diese auch durch.naturwissenschaftliche, und antiquarische. Forschungen zu vervielfältigen,. so genügt sie doch, dem-Werke eine für lange bleibende Wichtigkeit zu sichern, Nun versteht er es aberdurch lebhafte Schilderung, treue Naturbeobachtung, gemüthliche Auffassung, durch einfache und ungesuchte und dennoch mannigfaltige Sprache, durch, genaue Zeichnung und frisches Colorit den ,Leser zu fesseln, angenehm zu unterhalten und zugleich zu -belehren, Eigenschaften, die deutschen Reisebeschreibungen - nicht immer innewohnen, so daß sein Buch jeden gebildeten . Leser beschäftigen und anziehen wird.. Endlich wollen wir noch hervorheben, daß, wenn . wir auch einige religiöse Reflexionen ihrer Oberflächlichkeit wegen hinweggewünschp hätten, der Ver^ . fasser doch miteinem lobenswerthen Freimuth seine Religion und Abstammung bekennt, einem Freimuth, der manchem jungen, jüdischen Autor abhanden..gekommen- Noch immer ist , es in der Literatur ein Hinderniß,..Judö zu sein, namentlich in der deutschen, Literatur; aber wenn diese Schwierigkeit immer mehr aus dem Wege geräumt werden soll, so kann es nur geschehen durch das offene. Auftreten der. Besseren und Begabteren unter, uns. Wir scheiden daher von pem Verfasser mit musrichtiger Anerkennung. Magdeburg, 26. Januar. Leihniz, la Philosophie juive et Ia cahale-par A.' Fpuche.r de Careil. Trois leclures l’Academie des spiences inprales et poliliqyes avec les manuscrils inedils de Leihniz. Paris, 1861. Die jüngste Zeit verbreitet ein immer helleres Licht über die enge Verbindung, in welcher, einige Jahrhunderte des Mittelalters hindurch die jüdischen Forscher und Denker, mit der übrigen damaligen Culturwelt standen, und welche Einwirkung jene auf die allgemeine Entwickelung, insonders der Philosophie, hatten. Wir erinnern nur an Munk's Entdeckungen über Gabirol, denen das vorliegende Werk sich hinsichtlich des Maimonides in manchen Beziehungen anreiht. -Auch hier hat das Judenthum schwer zu kämpfen, um sein volles historisches Recht zu erlangen; aber wir werden.bald nicht mehr über das Jgnoriren. der jüdischen Philosophie zu klagen haben, sowie wir. nicht glauben, d,aß Munk noch heute sein Urtheil, es gäbe eigentlich gar keine jüdische Philosophie, unterschreiben würde. Wenigstens tritt ihm jetzt das Urtheil eines Mannes entgegen, der aus diesem Gebiete wie auf vielen anderen der competeuteste Richter war,, nämlich L erb ni tz. Herr Foucher de Careil hat in einem größeren Volumen Leibnitzischer Manuscripte, die in Hannover ousbewahrt werden, unter Anderem auch eine Reihe lateinisch geschriLbener Anmerkungen zum Moreh Nebuchim von Maimonides aufgefuuden, die er hier in der Ursprache, von, sranzösischer, Uebersetzung begleitet, giebt und. drei. Abhandlungen, die er vor. der Akademie der moralischen und politischen Wissenschaften gelesen, voranschickt. Es. ergiebt - sich. daraus, daß Leibnitz den Moreh eifrigst siudirtund hochgeschätzt hat.. Aber auch die Kabbalah entging diesem Universalgenie nicht, und es ist nur Schade, daß er nicht die ursprünglichen Schriften der Kabbalah kannte, sondern nur das Werk des Byrons Knorr von Rosenroth, lluhhala llenuäaia, und das Seder olam, die er ebenfalls mit der Feder in der Hand durchgearbcitet. ,:Wir bekennen übrigens gern, daß die drei Abhandlungen des Herausgebers - einen nicht mindern Werth besitzen, und die Ansgangspunkte zu noch sehr fruchtbaren Untersuchungen abgeben können/ worauf wir inson-