Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 7 (11.2.1862)
- Date
- 1862-02-11
- Page
- Seite 76 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3226310-3226318--20086-3249133- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
76 durchbohrt/, und wurde dafür mit fünf Zähren Fesiungs-; arrest bestraft. Dagegen ein junger,' der Wissenschaft len beflissener Mann war eines politischen- Vergehens aus dem Jähre>1848 'wegen zu einer ^siebenjährigen Festungsstrafe verurtheilt, wo. er erdrückende, körperliche Arbeiten in Gesellschaft von Verbrechern verrichten mußte/ Er wollte sich diesem für ihn kaum erträglichen Zustande durch die Flucht entziehen/und wurde für diesen vereitelten Versuch noch zu fünf Jahren eilf Monaten-Festung's-! strafe von einem Kriegsgerichte verurtheilt! — Wir bemerken/ indem-wir-über diese-beiden Fälle sprechen, daß es sich ^hierbei um kein Mitglied unseres Glaubens - handelt," müssen aber vom jüdischen Standpunkte die Gesell-! schaft, wo solch zwiefaches Maß für das gerichtliche IN theil geltend ist, noch für durchaus heidnisch erklären.? > vr. M ayer in seiner/in No. 5 von uns beurtheilten Schrift: -„die Rechte der Juden, Athener und Römers deutet mit Recht-darauf hin, dass die israelitische Theokratie sehr fern von einer -Hierarchie lPriesterherrschaft) war. Die -israelitischen - Priester, Cohanim, Aharoniden, hatten nicht' den geringsten Einfluß auf das Familienleben. Nicht - die Beschneidung, nicht die Trauungnicht die Todtenbestättung, überhaupt keine Art von Seelensorge hinss von ihnen/ übi Aber eben so wenig übten -sie. einen dauernden Einfluß auf die Staatsverhältnisse aus. Ausnahmsweise vereinigte Eli.die Hohepriester- und Richterwürde; schon seine Söhne waren dieser verlustig, und nicht ein Priester war es, der die ersten Könige von -Israel! einfttzw und salbte- 'sondern Samuel, -ein Levit. Auch das war nur eine Fügung, nicht eine Confequenz der Verhältnisse daß die Makkabäer aus priesterlichem Stamme waren; Und so zuletzt der- Kopfbund des Hohenpriesters und die-Krone des Königs auf einem Haupte sich vereinigte. In der That war es weder der priesterliche Stand überhaupt, der sich als-/solcher für die Erhaltung und Entwickelung des Glaubens und des Volkes entschiedene Bedeutung errang, da er in Zeiten des Abfalls meist dem letzteren nachgab, noch priesterliche Persönlichkeiten, die gestaltend in die Geschichte Israels eingriffen, so daß' man - recht gut den ganzen priesterlichen Stamm aus der israelitischen Geschichte streichen könnte, ohne daß-diese eine wesentliche Veränderung erleiden würde. Der-Nachfolger Mosis war kein. Priester, unter den sämmtlichen Richtern nur der Eine, .Eli, - unter sämmtlichen Propheten nur der Eine, . Jeremias, die Könige entsprossen dem Stamme Juda, und obschon die-Könige des' Reiches Israel Wahlkönige waren, fand sich kein Priester unter ihnen. -Hingegen war der Begründer der Synagoge, Esra, aus hohenpriesterlichem Gschlechte; aber gerade mitdem Erstehen der - gelehrten - Theologie im Jüdenthume verblich - der Glanz des Priesterthums immer mehr; galt doch bei den Talmudisten dereinfachste Gelehrte - /mehr als-' -ein unwissender Hohepriester. - Es war daher-natürlich, daß mit dem Fälle des Tempels der Priesterstamm seine letzte Bedeutung-verlor-, und leiteten die Resch Gluthas eben so wie die Patriarchen ihre Abstammung nicht von Aharon, sondern von David ab. Bekanntlich legte Jehuda Hanaßi einen - großen - Werth auf diese- Abstammung. So erscheinen uns die-Cohanim als die harmlosesten Priester, die esin irgend einer Religion, und Nation gegeben hat. Hat hierzu das Gesetz in der heiligen Schrift den Grund gelegt, so muss diese in der Geschichte einzige Erscheinung auch im Charakter und der Anschauungsweisedes jüdischen- Volkes gelegen haben-- wie dies auch in der Geschichte Korachs, der sich der Errichtung eines besonderen Priesterstandes widersetzte, angedeutet ist. . - . Haben wir hiermit die Andeutung des Pr. Mayer weiter ausgeführt, so wollen wir noch einanderes Aperen von ihm anführen. Er machtdaraus aufmerksam, dass es sicher einzig in der Geschichte ist, daß einem Volke, bevor es noch seine Wohnsitze erreicht und erlangt hat, die Auswanderung und - Zerstreuung als seine dereinstige Zukunft ' geweissagt, gleichsamals sein Ziel im Voraus ausgestellt worden. — - Es - wirst dies ein eigenthümliches Licht auf die ganze israelitische Geschichte, und zeigt diese in einem Bewußtsein des Zusammenhanges, das sie vorzugsweise als ein providentielles Erzeuguiß stempelt. -' - . ‘ Lilrrarifcher Ulochenb erichl. Magdeburg, 24. Januar. /Reise in das Innere von Algerien durch die Kabylie und Sahara von Max H i r s ch. Mit drei Ansichten- undeiner Karte. Berlin, 1862."--' Je seltener bis jetzt noch Reisewerke von Glaubensgenossen erschienen - sind, so " daß sich solche auf Frank l' s „Reise nach Jerusalem und Aegypten", F r i e d m a n n' s „Mittheilungen gus -'Batavia", W. Derblich' s „Land und Leute' in der Möl-