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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-02-11 · Heft 7 (11.2.1862) · p. Seite 75

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 7 (11.2.1862)
Date
1862-02-11
Page
Seite 75 (sequence 3)
Language
German
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•:?5 tief unter dem sin den übrigen Dcheilen Preußens oder -Deutschlands steht.. Davon .wissen alle Gemeinden Preußens und Deutschlands zu erzählen, zu welchen die Hülfesuchenden aus jener Provinz immerfort strömen, während dorthin aus solchen Motiven schwerlich irgend Einer zie- - het. Dafür zeugt auch die bedeutende Auswanderung der Juden aus jener Provinz, von der wir noch sprechen werden. Hiermit fällt freilich auch die ganze Folgerung jenes Artikels, daß die „vorzüglichen Geschäfte" die Juden mach Posen gezogen hätten; aber es ist dies auch factisch völlig, unwahr. Die Juden haben das ganze ehemalige Königreich Polen, zu welchem bekanntlich auch das Großherzogthum Posen gehörte, als eine Zufluchtsstätte zu eigner Leit betreten, wo sie in Deutschland auf das Furchtbarste und Blutigste verfolgt wurden, während in Polen Recht, und Duldung herrschten, z. B. unter der Regierung; Casimir. des Großen. Durch alle ehemaligen polnischen Provinzen hindurch bis in die Ukraine hinein sprechen die Juden mitten unter der polnischen und russischen Bevölkerung noch heute deutsch, wenn auch in einem sehr entarteten Dialekte, aber es waren, wahrlich. nicht. die „guten Geschäfte", welche sie dahin führten, sondern der deutsche Judenhaß, der sie an den deutschen Städten mit Schwert ausrottete, trieb sie dahin. Es wäre unsererseits eine große Undankbarkeit, wenn wir die von den; Polen geöffnete Freistatt vergessen wollten; aber eben so groß wäre die Boßheit des deutschen Mannes, wenn er von Denjenigen, die sein Urgroßvater mit Mord und Raub , aus ihrer Heimath jagte, behauptet, daß sie ihr .Paterland um der. „guten Geschäfte" willen verlassen hätten, wenn wir nicht voraussetzten, .daß sich der Verfasser jenes Artikels nur durch Unkenntniß hat verleiten lassen. .Seitdem Posen preußisch geworden, hat keine..Einwanderung von Juden dahin stattgefunden, einfach — weil sie bis 1848 nicht gestattet war, nicht einmal aus den übrigen preußischen Provinzen. Dagegen merke sich der Schreiber jenes Artikels seine dritte Unrichtigkeit. Würden die „Geschäfte" der Juden in der Provinz Posen so verlockend sein, so würde doch wohl seit 1848 eine Einwanderung von. Juden ü dahin stattgefunden haben, doch , auch, dies war nicht. der Fall; oder die dortige jüdische Bevölkerung würde aüdort verbleiben, aber auch. dies findet, nicht statt — sondern seit 1848, wo.für die Juden -.die. Barrieren zwischen den einzelnen Provinzen des preußischen. Staatessielen,. findet eine beständige und wachsende Au.sw.an d.er.ung.der Juden aus der P r o y i n i P o s e.n statt,, theils> nach -Amerika,, theils nach den übrigen Provinzen, so daß schon bei der vorletzten Volkszählung sich ergab, daß, während in allen andern Provinzen sich die jüdische Bevölkerung .vermehrt hatte, und zwar in einem etwas höheren Procentsatze als..die christliche, die Juden der Provinz Posen sich bedeutend vermindert hatten. Dasselbe Resultat in noch größerem Maßstabe ergab sich bei der letzten Volkszählung, und werden wir, wenn die Veröffentlichung der Resultate durch das statistische Bureau in Berlin erst vollständig sein wird, der „Wochenschrift des deutschen Nationalvereins" gern mit den Zahlen aufwarten. Seitdem also den Juden die Ein- und Auswanderung betreffs der Provinz Posen gestattet ist, hat keine Einwanderung, wohl aber eine zahlreiche Auswanderung jener stattgehabt. -7— Wir..haben durchaus nichts gegen eine deutsche Einwanderung in Posen einzuwenden; wenn aber die „Wochenschrift des deutschen Nationalvereins" derselben die jüdische Einwanderung dahin zum Vorbilde stellt, soflehet unser Patriotismus zu Gott, daß für Deutsche solche Motive der Auswanderung niemals vorhanden sein mögen, wie die, welche die Juden aus Deutschland nach Polen getrieben! Um so mehr möge aber auch der Nationalverein dahin streben, daß aus allen Theilen des deutschen Volkes, welches Glaubens sie seien, die gehässigen Borurtheile und Zwistigkeiten schwinden; möge er erwägen, daß die wahre Einheit nicht in Centralgewalt und Parlament, sondern in der Einheit des Patriotismus, des Rechts und der Duldung bestehe! Wenn es im Großherzogthum Posen irgend einen Kampf gilt, z. B. nur einen Wahlkampf, so rechnen die Deutschen die dortigen Juden immer als zu ihnen gehörig, und täuschen sich, darin auch nicht; so wie aber der Kampf ruht, gleich kommen die Deutschen wieder mit ihrer Unterscheidung zwischen Deutschen und Juden. Ist dies nicht sonderbar?. Zerstreute Bemerkungen. Vor dritthalb 'Jahrtausenden proclamirte M os e s den Grundsatz: Ein G e setz und Gin Recht für Alle! Daß wir aber selbst.in dem modernen Staate noch tief im Heidenthume stecken, erweist eine Parallele, welche die preußischen Zeitupgen in diesen Tagen gaben. Ein Premier-Lieutenant hatte -voreinigen Monaten in Magdeburg.einen harmlosen Hausknecht mit ^dem Degen 7*

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