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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-02-04 · Heft 6 (4.2.1862) · p. Seite 70

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 6 (4.2.1862)
Date
1862-02-04
Page
Seite 70 (sequence 10)
Language
German
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70 spectorat dem qu. Geistlichen abzunehmen.:— DasMsultat auf die Beschwerde an die Königliche Regierung werde ich zur Zeit berichten. , .. B. Lippmann, öffentl. Lehrer. Oesterrcichischer Kaiserstaat. Raab, 12. Januar. (Privatmitth.) Der „Wanderer" bringt folgende Notiz: Endlich geht der längst gehegte Plan von Seite der Prager Jsraelitengemeinde, ein großartiges jüdisches Spital daselbst zu erbauen, seiner Verwirklichung entgegen. Schon sind die nöthigen Baugründe angekauft, und ein eigenes Comite ist damit beauftragt worden, den Organisationsplan für dasselbe zu entwerfen. Ihr Korrespondent, der in den Jahren 1842—44 sich in Prag aufhielt und in Folge eines hartnäckigen Halsleidens in diesem jüdischen Spitale theilweise auch seine Heilung fand, konnte schon.damals — also vor beinahe 20 Jahren — sein Staunen nicht unterdrücken, wie die Prager Jsraelitengemeinde, die doch an Seelenanzahl, Reichthum und Intelligenz der Pesther und Wiener nicht nachsteht, sich nicht schämt, ein solches erbärmliches, nach keiner Seite hin entsprechendes Krankenhaus bestehen lassen zu können. Besonders befremdete mich die Lage desselben. Bekanntlich liegt ber alte jüdische Gottesacker Prags dicht an der Josephsstadt; nun gehen viele Fenster dieses Spitals hinaus auf den Friedhof und der daselbst liegende Kranke konnte mit König David ausrufen: yoi va -d m»rt. Hoffentlich wird die Prager Gemeinde bei der Aufführung und Einrichtung dieses Monumentes wahrer Nächstenliebe keine Kosten sparen und sich das Wiener israelitische Spital, das einen europäischen Ruf genießt, zum Muster nehmen. — Ad vocem Prag dürfte folgende, den „Neuesten Nachrichten" entlehnte Notiz Ihren Lesern nicht unwillkommen sein. Jüngst hielt das Professoren-Collegium der staats- und rechtswissenschaftlichen Abtheilung an der Prager Universität eine Sitzung, in welcher die Frage ventilirt wurde, ob ein jüdischer Professor als Promotor fungiren kann. Anlaß zu dieser Discussion gab die bekannte Ernennung des Herrn Dr. Wolfgang Wessely zum ordentlichen Professor an dieser Universität. Nach den Statuten der alma mater Prags kann ein akatholischer Professor weder die Würde eines Rectors, noch die eines Prorectors und Decans bekleiden; hingegen kann ein protestantischer Professor als Promotor fungiren. Das Ergebniß dieser Discussion war: das Consistorium der Universität sprach sich gegen die Zulassung aus, die meisten Professoren, vorzüglich die deutschen, gaben ihr Votum zu Gunsten des Professors Wessely. Die endgültige- Entscheidung, meint der Prager Correspondent der „Neuesten Nachrichten", wird vom Staatsministerium ausgehen. Unserer unmaßgeblichen Meinung nach dürfte diese Frage, so sie wirklich an das Staatsministerium gelangt, eine für die jüdischen Professoren günstige Wendung nehmen. Denn da die Regierung auch auf diesem Genre den Grundbesitz der Parität ausspricht, und einen Israeliten als ordentlichen Professor, fungiren läßt, so hat sie mit dieser factischen Ernennung ihm auch alle Rechte und Pflichten eines akatholischen Professors eingeräumt; wenn nun die Statuten irgend einer Universität, die zu einer finstern Zeit verfaßt worden sind, entgegengesetzte Bestimmungen "enthalten, so müssen diese Statuten einer Revision unterzogen werden und sich den Seitens der Regierung angenommenen Principien aceommodiren.— Schließlich noch Folgendes. Viele Journale Wiens brachten vorgestern folgende Nachricht von Pesth: Die ungarischen Juristen jüdischer Confession richteten an die k. Curie ein Gesuch wegen Zulassung zur Advocatenprüsung, rcsp. zur.Ausübung der Advocatur, auf welches sie von der Curie eine abschlägige Antwort erhielten mit dem Motiv: da Petenten von Sr. Majestät keine besondere Ermächtigung hierzu erhalten haben, so kann die k. Curie, als richterlicher Körper, dem Gesuche, den bestehenden Gesetzen und dem gesetzlichen Usus zuwider, keine Folge leisten. I. M. Deutsch. Wien, den 23. Januar. Der „Pester Lloyd" theilt mit: Ueber eine wiederholte Auflage des „Mortaravotfalls" wird uns Folgendes berichtet: Katharina Steiner, die 17jährige Tochter des Keßihüczer israel. Insassen Jacob Steiner, .die schon seit mehreren Jahren immer an Geisteszerrüttung litt und von ihrem Arzte auch für wahnsinnig erklärt wurde, entwich am 21. v. M. aus dem elterlichen Hause. Nach mehrtägigem Herumirren gerieth sie am 27. v. M. zu Herrn Joseph Mezey, Pfarrer von Felsö-Tür, welcher sie alsbald von aller Communication mit Anderen abschloß, um sie in der römisch-katholischen Religion zu unterrichten. Nach-

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