Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 5 (28.1.1862)
- Date
- 1862-01-28
- Page
- Seite 57 (sequence 9)
- Language
- German
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57 Nachdem dieses aus drei Theilen bestehende Büchlein nach pädagogischen Principien bearbeitet ist und die Bedürfnisse unserer Volksschulen kennt, so steht zu erwarten, daß es sowohl die gesetzlich eingeführte hebräische Fibel (Wien bei Sct. Anna), als auch die magyarische, in welcher sich noch immer Stellen wie „a szenteket tisztelni szabad is, illä is, liasznos is. a syentek kepeit is tiszteld“ (die Heiligen darf man verehren, auch ist dies passend und nützlich, die heiligen Bilder verehre), vorfinden, aus unseren magyarisch-jüdischen Schulen verdrängen wird. Der izraelita raagyar egylet giebt in diesem Jahre den zweiten Jahrgang eines israelitischen Jahrbuches heraus (der erste erschien 1848), auch sind die Vorträge, die der Verein in magyarischer Sprache allwöchentlich gratis veranstaltet, in diesem Wintersemester von mehr als 70 Hörern besucht. Nachdem der magyar izraelita egylet biß Tendenz hat, die magyarische Sprache unter unseren Glaubensbrüdern in Ungarn zu verbreiten, und da mit Bestimmtheit vorauszusehen ist, daß die ungarische Sprache ein mächtiges Bindemittel unter den verschiedenen Confessionen in Ungarn abgeben wird, so läßt sich zuversichtlich die glückliche Mission dieses Vereins voraussehen.‘ Um dem Treiben so mancher versteckter Feinde mit einem Male Halt zu bieten, wäre die Veröffentlichung und Verbreitung eines ausführlichen. Programms des magyar izraelita egylet um so mehr am Platze, nachdem wir in der festen Ueberzeugung leben, daß sämmtliche Cultusgemeinden Ungarns einen Perein mit Wärme unterstützen werden, der das sociale Einvernehmen der verschiedenen Confessionen unter einander herzustellen bemüht ist und die Jnslebentretung der Emancipation der Israeliten und die Hebung der magyarisch-hebräischen Volksschule zu seiner Lebensaufgabe gemacht hat. Wie wir vernehmen, will der magyar izraelita egylet ' in den Pesachferien eine Versammlung von Lehrern nach Peslh berufen. Mögen die Gemeinden sich der guten Sache warm annehmen und solche Lehrer als Deputirte senden, die die Bedürfnisse einer magyarisch-hebräischen Schule vollkommen kennen und ernstlich bemüht sind, unseren Kindern die magyarische Sprache als Muttersprache je früher desto besser zu geben. Oberlehrer I. I. Rosenmeyer. Aus Ungarn, im Januar. Die „Ostdeutsche Post" schreibt: Der Lehrkörper am katholischen. Gymnasium zu Teschen (k. k. Schlesien) fand unter allen Schülern dieser Anstalt kernen so würdig zur Erlangung eines daselbst erledigten Stipendiums als einen Schüler jüdischen Glaubens. Der Lehrkörper verwendete sich auch dieserhalb bei der dortigen Landesbehörde. — Die „Neuesten Nachrichten" melden: Der Bischof zu Steinamanger (Ungarn) ließ eine Seelenmesse im dortigen Dome abhalten für den dortigen unlängst verstorbenen Rabbiner, Herrn Königsberger, der während seiner langen Amtswirksamkeit durch sein humanes, freundliches und kluges Genehmen sich die Liebe und Achtung sowohl bei Juden als Christen in einem hohen Grade erwarb. (Als Erweis gegenseitiger Achtung und Duldsamkeit sehr erfreulich, aber als katholische Seelenmesse für einen Rabbiner doch sehr kurios.) Aus dem Oesterreichischen, im Januar. (Eine umgekehrte Mortara-Geschichte.) In einem Dorfe bei Schwechat erkrankte ein auf Kosten der Gemeinde bei Bauersleuten in Pflege gewesener Waisenknabe, der nach - katholischen Grundsätzen erzogen wurde. Der Arzt, der den Kranken untersuchte, fand, daß derselbe nach Vorschrift des israelitischen Glaubens die Beschneidung erhalten habe, und da die Erhebungen ergaben, daß der Knabe nie getauft wurde, somit bezüglich dessen Erziehung ein Irrthum obwalte, wurde er vorläufig der israelitischen Cultusgemeinde übergeben. Krakau, 2. Januar. Am 30. Dec. v. I. kam es bei Gelegenheit der Beerdiguug eines israelitischen Studenten, Sohnes wohlhabender Eltern, zu einem Streit zwischen den Israeliten, deren strenggläubigem Theil der unlängst angeschaffte neue Leichenwagen und die in der letzten Zeit in Aufnahme gekommene Art und Weise der Beerdigung ein Dorn im Auge ist. Einer dieser Gegenpartei zeigte seine Mißachtung u. A. dadurch, daß er während des Leichenconductes am geöffneten. Fenster aus einer langen Pfeife rauchte. In Folge des hiebei entstandenen lärmenden Austrittes wurden dem Eiferer die Fenster eingeschlagen. Wie wir im „Czas" lesen, soll Tags darauf die Sache beigelegt und die Beleidigung durch Erlegung einer beträchtlichen Opsergabe zu Gunsten des israelitischen Spitals gesühnt worden sein. (Presse.) Wien, 14. Januar. (Privatmitth.) Die Statuten der hiesigen Gemeinde bestimmen, daß die Wahl des Vorstandes in folgender Weise vorgenommen wird: Sämmtliche Mitglieder - der hiesigen Gemeinde find