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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-01-28 · Heft 5 (28.1.1862) · p. Seite 55

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 5 (28.1.1862)
Date
1862-01-28
Page
Seite 55 (sequence 7)
Language
German
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Vertretung*) angehört, ist vor Kurzem zum (unbesoldeten) Stadtrach, i. 6. Magistratsmitglied erwählt worden. Er ist hier der erste Israelit, dem dieses Ehrenamt übertragen wurde. Es verdient aber dies Factum — obwohl anderwärts nicht mehr neu**) — um so mehr registrirt zu werden, als unsere Haupt- und Handelsstadt Frankfurt leider immer noch zu den Orten gehört, wo — trotz liberaler Wahlen und sogenannter fortschrittsmärmischer Bestrebungen, trotz deutschen National-Vereins***) und großartiger Flottensammlungen — der liebe alte Zopf noch in schönster Blüthe wuchert und die mittelalterlichenVorurtheile gegen unsern Stamm noch lange nicht überwunden sein werden. — Unsern „Colonisationsverein für Palästina" anlangend, so ist dessen Hauptcomite — ursprünglich ans den Herren Dr. Lorje, Fabrikbesitzer Moritz Lewtz und Banquier Moritz Mende bestehend, — neuerdings um zwei Mitglieder, nämlich die Herren A. T. Marcus und Stadtverordneten Moritz Auerbach, verstärkt worden. In einer der letzten Comitesitzungen hat das Mitglied Mende es übernommen, in Berlin ein Zweig-Comite zur Förderung der Vereinsinteressen zu bilden, und das Mitglied Lewy dasselbe seinerseits in Breslau und Leipzig zu bewerkstelligen. Ein Herr Simon Nathanson in Hammerstein hat vor Kurzem die Summe von hundert Thalern an den Verein gespendet. Von Herrn Simon Fürst in Schmiegel sind früher schon achtzig Thaler als Spende eingegangen. Der Verein hat übrigens auch schon seine Literatur. Der gewandte hebräische Stylist Hirsch Kalischer in Thorn hat den dritten Theil seines Werkes: s-™-' nw»«, der eben unter dem Titel: yns: in Lyck erschienen ist, fast ausschließlich den hiesigen Colonisationsbestrebungen gewidmet. Wir kommen viel¬ *) In dieser haben außer Herrn B. noch zwei andere Israeliten, — die Herren B. S. Jacob und Moritz Auerbach — Sitz und Stimme. **) In Posen z. B. sitzen längst drei Juden im Magistrats-Collegio. ***) Res. hat zu seinem größten Schmerze die bittere Erfahrung machen müssen, daß selbst in den Versammlungen des sich aller Orten als die Quintessenz des Liberalismus blähenden Nationalvereins dann und wann directe und indirecte Angriffe auf uns Juden gemacht, offene und versteckte Hiebe gegen unser Haupt geführt werden, — und er hat sich daher immer wieder von Neuem die Frage vorgelegt: Wo haben wir unsere wahren Freunde, oder eigentlich die wahren Freunde unserer Rechte zu suchen? leicht auf dieses interessante Schristchen später einmal zurück. — Herr Rabbiner Dr. Loewenmayer aus Graudenz, im Juli v. I. von der hiesigen Gemeinde zum Seelsorger erwählt, hat seit etwa vierzehn Tagen dieses Amt activ übernommen. Aus der Mark, 31. December. (Berichtigung.) Am Schluffe unseres Referats vom 14. d. M. in No. 52 d. Ztg. (S. 756 Sp. 1) bitten wir: „Mayer Ball in Calau" statt „Mayer-Boll in Calon" zu lesen. Aus dem Posenschen, Ende December. (Privatmitth.) In Trzemeßno sind neulich Seitens der polnischen Einwohner gewisse brutale Excesse (wie Fenstereinwerfen, Toben, Verhöhnen rc.) gegen alle diejenigen Juden ausgeübt worden, welche bei den jüngsten Wahlen nicht mit den Polen, sondern mit den Deutschen gegangen sind. — Excesse können unterdrückt werden, nicht aber die feindlichen Gesinnungen, die jetzt die Polen hiesiger Provinz nur desto mehr gegen ihre jüdischen Mitbürger hegen und bei jeder Gelegenheit wohl an den Tag legen werden. — Und doch ist es an unsern Juden nicht zu tadeln, vielmehr nur zu loben und anzuerkennen, daß sie sowohl am 19. November als auch am 6. December ächt deutsch sich benommen haben. — Leider hat dies (wofür sie aber nicht können) nichts genützt, da bekanntlich unter den 29 Abgeordneten des Großherzogthums 20 Polen sich befinden. Und daß diese allesammt eher in klerikalem als in liberalem Sinne stimmen werden, liegt doch gewiß außer allem Zweifel. * In Wittkowo (Kreis Gnesen) besteh? und wirkt noch immer mit großem Segen der „Verein zur Bekleidung armer Schulkinder", welcher alldort vor nun beinahe 10 Jahren durch Herrn Lehrer Louis Wetzl (jetzt in Frankfurt a. d. Oder) — mit Ueberwindung so mancher nicht geringer Schwierigkeiten — ins Leben gerufen worden. Zwei junge Damen, ehemalige Schülerinnen des Herrn Wetzl, unterziehen sich unverdrossen der Mühe des Einkassirens der Monats- und Quartalsbeiträge, während der Schulvorstand (namentlich dessen Mitglied Herr Markowicz) die Verwaltung der Gelder re. versieht. Die Bekleidung geschieht zwei Mal des Jahres, zu Ostern und zu Michaelis. — Während da und dort (wie in Lissa, Rawicz rc.) an den jüdischen Schulen die Elassenzahl mehr oder

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