Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 5 (28.1.1862)
- Date
- 1862-01-28
- Page
- Seite 53 (sequence 5)
- Language
- German
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Bitten, Herrn Dr. Cohn berichten. Ein geistiger Nomade, ein fahrender Priester, bringt er seinen Gemeinden das fruchtbare Samenkorn unserer Lehre von Ort zu Ort, wohin es. nicht der Wind und nicht der Vögel Flug, wohin es nur der Geist zu. tragen vermag, und wohin er kömmt, da baut er dem Herrn einen Altar. Gegen den religiösen Macchiavellismus seines Vorgängers Lüpschütz, der sich oft als rvobnb gerirt haben soll, empfanden Alle ein gewaltiges Grauen. Man warf ihn mit den krassen stolzen Fanatikern in eine Classe, welche unter dem Priestergewande den Haß und die eifersüchtige Bitterkeit ihrer gekränkten Herzen verbergen. Festigkeit, Gerechtigkeitsliebe, Freundlichkeit, das Traditionelle liebend und doch tolerant, ein friedliches Einvernehmen mit den übrigen in seinem Sinne wirkenden drei Predigern des Landes einhaltend, find dagegen die Hauptcharakterzüge des jetzigen Landesrabbinen; sie verleihen in Verbindung mit einer imponirenden äußern Erscheinung seinem ganzen Wesen eine gewisse patriarchalische Heiterkeit. Von ihm gilt des Propheten Wort: „rmm nsn i->uw'> ps tidiö -o irrDM ■j©p:p/'. Möchten Alle wie dieser Mann, welche auf die Höhen des Lebens gestellt sind, begreifen, daß Jeder auf sie merke, daß sie hierin Raum zu großer Wirksamkeit haben, daß sie aber auch eine schwere Verantwortung auf sich laden, wenn sie dieselbe auszuüben unterlassen. „fnyiöiri t»na 2^-12 22 i-npi-r." M. Preußen. Magdeburg, 19. Januar. (Privatmitth.) Die Anzeige des hiesigen Vorstandes über das Ausscheiden des Dr. Philippson aus dem Amte hat so viele Theilnahme hervorgerufen, daß hier einige Worte darüber am Platze sein werden. Am ersten Tage des jüngsten Rosch-Haschanäh-Festes predigte Dr. PH., und zwar in so eindringlicher, fesselnder Weise, daß diese Predigt, noch dazu da sie die letzte des Redners war, den Zuhörern nicht leicht aus der Erinnerung kommen wird. Der starke und eisige Wind, der an diesem Tage wehete, wirkte Leim Nachhausegehen so schädlich ein, daß Dr. PH. am Abend heftig erkrankte, viele Wochen das Bett hüten mußte, und er in Gefahr stand, das Augenlicht gänzlich zu verlieren. Diese Gefahr ist mit Gottes Hülfe vorläufig beseitigt, besteht aber insofern fort, als jede Erhitzung sie in ganzer Kraft wieder Hervorrufen kann, und dies, so wie die Erholung, welcher Dr. PH. in einem wärmeren Klima bedarf, macht ihm auf längere Zeit die Amtirung unmöglich. Bei dem warmen Eifer, welchen er für die Sache der Religion und der Gemeinde hegt, wollte er eine längere Zeit andauernde Unwirksamkeit für seine Gemeinde nicht dulden, und trug daher schon vor drei Monaten auf seine Pensionirung an. Die Gemeinde wollte sich lange Zeit nicht zur Entlassung ihres Geistlichen bestimmen, suchte einen zeitweiligen Substituten zu gewinnen, und erst, als ihr dies in gewünschter Weise nicht gelang, Dr. PH. aber bei seinem Gesuche beharrte, schritt sie zu der in Rede stehenden Bekanntmachung. Man kann voraussetzen, daß dieses Ereigniß eben so sehr der Gemeinde wie dem Dr. PH. selbst zu schmerzlichem Bedauern gereicht. Der Letztere hat beinahe neunundzwanzig Jahre in seinem Amte gewirkt; er trat es im September 1833 an, nach kaum zurückgelegtem einundzwanzigsten Lebensjahre, und konnte somit noch auf eine lange Zeit der amtlichen Thätigkeit rechnen. Von der anderen Seite besteht die Gemeinde zu einem großen Theile aus solchen Mitgliedern, die vor seinen Augen erwachsen, Männer und Frauen geworden find, bei deren Erziehung er mitgewirkt, die er unterrichtet, confirmirt und getraut hat. Solche Bande lösen sich nicht leicht. — Uebrigens hat Dr. PH. seine anderweitige Thätigkeit nicht unterbrochen, und sowohl die Redaction dieser Zeitung und des „Jüdischen Volksblattes", als auch die anstrengende Mühewaltung für das „Institut zur Förderung der israelitischen Literatur" und die „Israelitische Bibelanstalt" mit Energie fortgcführt, und wird allen diesen unter dem Beistände Gottes seine Thätigkeit unausgesetzt weiter widmen. Berlin, 14. Januar. Wie die „Corr. Stern" erfährt, hat der Justizminister v. B ernuth mittelst Circularverfügung die Gerichte ermächtigt, Rechtscandidaten jüdischen Glaubens als Staatsanwaltsgehülfen zu verwenden. Derselben Corr. zufolge hat Herr v. Bernuth im Staatsministerium den Antrag gestellt, der Verfassungsurkunde entsprechend den Gerichtsassessoren jüdischen Glaubens den Zutritt zu richterlichen Aemtern zu gestatten. Wir gestehen, daß wir gleich bei Lesung dieser Nachrichten Zweifel in deren Richtigkeit setzten. Dies bestätigt sich nun durch folgende Mittheilung: Die Nachricht über die Anstellung jüdischer Rechtscandidaten und Gerichtsassessoren im Staatsdienste ist, wie