Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 3 (14.1.1862)
- Date
- 1862-01-14
- Page
- Seite 31 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Aeitungsnachrichten. Deutschland. Aus Südbaden, im December. (Privatmitth.) Das Plato'sche Machwerk hat wohl wenig oder gar keine Berücksichtigung gefunden. Dieser Herr und sein Beschützer, Herr Oberrath Altmann, haben nun durch diesen säubern Entwurf sich noch fast alle, selbst sehr orthodoxe Rabbiner zu Feinden gemacht. Durch den Eintritt des Hofgerichts-Advocaten Kusel in unsere zweite Kammer ist nun die 1848 durch beide Legislaturen beschlossene Gleichstellung der Juden vom Papier ins Leben getreten; das betreffende Gesetz wurde vom vorangegangenen Ministerium ignorirr, vom Ministerium Lamey aber in allen Fällen als in Kraft bestehend angesehen und nun durch den unbeanstandetkn Eintritt eines Israeliten in die zweite Kammer sanctionirt. Es fehlt uns nur zur völligen Gleichstellung der Strich des §.,54 des Gemeindegesetzes, dem jedoch jetzt schon durch die Vorlage des Gewerbegesetzes, welches vollkommene Freizügigkeit aüsspricht, theilweise abgeholfen wird. Ob unsere zweite Kammer in ihrer Mehrheit gleich günstige Jntensionen wie das nicht genug zu preisende Ministerium Lamey hegt, muß die Folge lehren. Weimar, 12. December. Die heutige „Weimar. Ztg." enthält eine officiöse Abfertigung der Berliner „Kreuzzeitung", die sich über eine zu Gunsten eines Synagogen- und israelitischen Schulbaues vom Staatsministerium ausgeschriebene Landes-Collecte in einem Schmähartikel über die Landeskirche wieder einmal selbst begeifert hat. Die „Weimar. Ztg." weist nach, daß die Landes - Collecten nicht kirchlicher Natur seien, daß auch die Israeliten zum Besten der christlichen Kirchen und Schulen „stets redlich und reichlich Leigesteuert", daß es sonach gegen die durch schweres Brandunglück heimgesucht gewesene Gemeinde Geisa eine „Ungerechtigkeit gewesen wäre, derselben eine solche Beihülfe durch Eollecte zu versagen." Man ist über die Sprache der „Kreuzzeitung" weniger verwundert, als über den Correspondenten derselben, dem der Geist, der die kirchlichen Verhältnisse des Landes belebt, ein zu glücklicher zu sein scheint, als daß er ihn unbehelligt lassen könnte. . Hannover, 5. Januar. (Privatmitth.) Der erste Nag des neuen Jahres, an welchem der hiesige jüdische Wohlthätigkeitsverein - seinen hund ertjährigen Stiftungstag feierte, war für unsere gesammte Gemeinde ein wahrer Fest- und Freudentag, da fast sämmtliche Gemeind emitglieder zugleich Mitglieder des Vereins sind. Die Veranstaltung einer angemessenen Feier jenes Tages war einem besondern Festcomite übertragen worden, das sich des empfangenen Auftrages zur allgemeinsten Zufriedenheit entledigt hat. Dem Programme entsprechend fand am Morgen nach beendetem Frühgottesdienste der übliche Besuch des alten Friedhofes statt, von wo aus man sich alsdann nach dem von der Gemeinde neu erworbenen Friedhofe begab, woselbst zum Gedächtnisse des Tages ein mit einer hebräischen und deutschen Inschrift versehener Denkstein errichtet wurde, bei welcher Gelegenheit Herr Landrabbiner Dr. Meyer an die Anwesenden eine kurze Ansprache hielt. Nachmittags fand in der Synagoge ein Festgottesdienst mit Musikbegleitung statt, welcher bei dem gut eingeübten Chore und der mit einem Seelengedächtnisse für die verstorbenen Gründer und Mitglieder des Vereins verbundenen gehaltvollen Predigt des Herrn Dr. Meyer nicht verfehlte, auf die zahlreich Versammelten einen tiefen Eindruck zu machen. Abends war dann noch ein Festessen im Locale der hiesigen Börse, an welchem sich an 350 Personen betheiligten und das sich bis gegen 10'/r Uhr hinzog, woran sich ein Ball schloß, der spät bis in die Nacht hinein dauerte. Der Speisesaal des genannten Locales war zweckentsprechend ausgeschmückt und an den Wänden waren die Namen der 18 Gründer des Vereins und geeignete Zuschriften in hebräischer und deutscher Sprache zu lesen. Daß es an Toasten nicht fehlte, versieht sich von selbst; ich übergehe dieselben jedoch hier, da sie nur von localem Interesse waren und erwähne nur noch die Bemerkung, des Pastor Bödeker, welcher zugleich Senior mimglorü ist und durch seinen Eintritt während der Tafel die Gesellschaft angenehm überrascht hatte. In seiner Erwiederung auf ein ihm ausgebrachtes Hoch bemerkte er, daß er den Wohlthätigkeitssinn der meisten Mitglieder des Vereins gar wohl kenne, da er ihn im Laufe des Jahres oft genug in Anspruch nehme und immer reichliche Unterstützung finde; die Leistungen des Vereins erkenne er aus vollem Herzen an, sie entspringen einem neutralen Boden und strebe,y die Verwirklichung* derselben Idee an, die ihn bei. der Gründung seines Schwesternhauses geleitet hätten, in welches er auch gern eine Jüdin ausgenommen sehen möchte. Auch